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Altenburg Entlastung für Bürger im Altenburger Land – doch im ZAL steigen die Gebühren
Region Altenburg Entlastung für Bürger im Altenburger Land – doch im ZAL steigen die Gebühren
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00:21 30.09.2017
Für den Bau von Kläranlagen sollen künftig einzig und allein die Zweckverbände oder Stadtwerke zuständig sein. Quelle: Andre Kempner
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Altenburg/Meuselwitz/Wilchwitz

Hauseigentümer auf dem Land sollen nicht mehr zum Bau privater Kleinkläranlagen nach Stand der Technik gezwungen werden. Dafür sollen nun die Abwasserzweckverbände sorgen, über Einzel- oder kleine Gruppen-Anlagen. So sieht es der Entwurf des Thüringer Wassergesetzes vor, dem das Kabinett am Dienstag in erster Lesung zustimmte. Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) will damit den Anschlussgrad an Kläranlagen von derzeit 80 auf 90 Prozent im Land erhöhen. Und sie will betroffene Bürger finanziell entlasten und die Kosten auf viele Schultern verteilen.

Finanziell belastet wird im Gegenzug speziell im Landkreis der Wasser- und Abwasserzweckverband Altenburger Land (ZAL). „Die Mehrkosten für die Bürger in Form höherer Gebühren werden enorm sein“, prognostiziert ZAL-Geschäftsführer Lars Merten. Denn der Anschlussgrad an zentrale Kläranlagen in dem stark ländlich geprägten Verbandsgebiet liege bei 45 Prozent und damit weit unter dem Thüringer Schnitt. Es gebe schätzungsweise 4500 Kleinkläranlagen alter Bauart, für die zukünftig der ZAL verantwortlich sein soll. Die Abwasserbeseitigung könnte in seiner Regie dann über eine zentrale Kläranlage für einen Ort mittels sogenannter Gruppenlösungen, also zum Beispiel für eine Straße, oder mit biologischen Kleinkläranlagen als Einzellösung erfolgen.

Egal wie, es muss bezahlt werden. Denn stellen die Behörden in Gewässern erhöhte Verschmutzungen fest, machen sie per Sanierungsanordnung Druck, binnen fünf Jahren moderne Kläranlagen zu bauen, sagt Merten. Aktuell betrifft dies beispielsweise die Pleiße im Raum Saara, wo überhöhte Phosphatwerte gemessen wurden. Gab es in solchen Orten keine zentrale Anlage, mussten dafür bislang die Hausbesitzer über den Bau einer vollbiologischen Reinigung aufkommen. Im Durchschnitt kostet ein solches Teil 7000 Euro, hinzu kommt die oft aufwendige und nicht billige Betreibung.

Das alles kommt nun auf den ZAL zu. Und noch mehr. Entscheidet sich der Verband für eine Einzellösung, muss er dafür das Grundstück des betreffenden Kunden benutzen, sich mit ihm einigen, eventuell Flächen kaufen oder pachten. Auch um die Betreibung bereits bestehender privater Anlagen müsste sich der Verband kümmern. Hausbesitzer werden vom Bau der Anlage befreit und dadurch tatsächlich entlastet, die Mehrkosten des Verbandes werden dafür über steigende Gebühren an alle Bürger weitergereicht. Schon in nächster Zeit wird der ZAL ausrechnen, welche Kosten das neue Wassergesetz konkret verursachen wird.

Ausgerüstet mit den Zahlen, ist es gut möglich, dass während der nun folgenden Anhörung von kommunalen Spitzenverbänden auch der ZAL gegen das Gesetz Front macht. Im Altenburger Land kämpft der Verband allerdings so gut wie allein. Denn die Skatstadt beispielsweise wird von dem Gesetz nur sehr wenig betroffen sein. Davon geht Martin Wenzel aus, der Chef des Wasserver- und Abwasserentsorgungsbetriebes Altenburg (Waba). „Dauerhaft nicht anschließbare Grundstücke spielen in Altenburg keine große Rolle, weil wir in der Fläche entsorgen“, sagte Wenzel der OVZ. Auf unter 20 schätzt er die Zahl dieser im Stadtgebiet und verweist auf geplante Investitionen zum Anschluss ländlicher Ortsteile, wie Kosma oder Stünzhain, an die zentrale Kanalisation.

Ähnlich sieht es bei den Stadtwerken Meuselwitz aus. Das Abwasserbeseitigungskonzept sieht vor, bis 2021 nacheinander die Ortsteile Bünauroda, Schnauderhainichen und Neupoderschau an die zentrale Kläranlage anzuschließen. Parallel dazu kümmere man sich um jene Gebiete, für die es lange keine Lösung gab, sagte Stadtwerkechef Thomas Reimann. Das seien Ruppersdorf, die Luckaer Straße und Am Auholz in Meuselwitz sowie Neubraunshain und Bosengröba. Schon vor dem neuen Wassergesetz war geplant, diese Gebiete von 2019 bis 2022 an Gruppenkläranlagen anzuschließen, erklärte Reimann. Den Bau privater Kleinkläranlagen habe man in den Stadtwerken nie favorisiert.

Von Jens Rosenkranz

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