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Er rollt noch: Ex-Altenburger Apollo ist jetzt Deutsch-Ami-Italiener

OVZ-Serie „Schlagzeilen aus 25 Jahren“ Er rollt noch: Ex-Altenburger Apollo ist jetzt Deutsch-Ami-Italiener

Ein Supersportwagen aus Altenburg – das waren noch Zeiten! 2008 kam die kleine Ostthüringer Stadt mit dem Apollo groß in die Schlagzeilen: Im Mai jenes Jahres heizte der Bolide über den Nürburgring. Der Hersteller, die Gumpert Sportwagenmanufaktur, hatte zusammen mit dem früheren Formel-1-Piloten Heinz-Harald Frentzen den Apollo zuvor neu entwickelt.

Da war die Welt noch in Ordnung: Roland Gumpert posiert in der Werkhalle am Apollo.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Ein Supersportwagen aus Altenburg – das waren noch Zeiten! 2008 kam die kleine Ostthüringer Stadt mit dem Apollo groß in die Schlagzeilen: Im Mai jenes Jahres heizte der Bolide über den Nürburgring, nahm am 24-Stunden-Rennen teil. Der Hersteller, die Gumpert Sportwagenmanufaktur, hatte zusammen mit dem früheren Formel-1-Piloten Heinz-Harald Frentzen den Apollo zuvor neu entwickelt und mit einer Kombination aus Benzin- und Elektromotor ausgestattet. Zwar kam der Wagen wegen Getriebeschäden nur auf Rang 184 über die Ziellinie. Trotzdem galt die Bewährungsprobe als bestanden. Im September dann die Nachricht, dass auch jenseits des Atlantiks ein Händlernetz aufgebaut werde – für potenzielle Kunden aus den USA, Kanada und Mexiko. Im November stellte die Sportwagenmanufaktur auf der renommierten LA Auto Show in Los Angeles aus.

Doch bekanntermaßen lagen Gas und Bremse beim Apollo schon immer nah beieinander. Das Unternehmen, das zeitlebens immer wieder mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, ist seit 2014 nicht mehr existent. Rund zehn Jahre lang hatte die vom früheren Audi-Manager Roland Gumpert gegründete Manufaktur ihren Sitz unterm Dach des einstigen Nähmaschinenwerkes in der Friedrich-Ebert-Straße. Gut 70 Sportwagen wurden dort nach damaligen Unternehmensangaben produziert und verkauft, etwa 30 Mitarbeiter standen in Lohn und Brot.

Doch die Verkaufszahlen waren zu klein, um den Fahrzeughersteller sicher in die Spur zu bringen. Im August 2012 wurde erstmals ein Insolvenzverfahren eröffnet und die Suche nach Investoren gestartet. Tatsächlich wurden im Frühjahr 2013 Geldgeber gefunden, die konnten jedoch nicht zahlen. Das Unternehmen wurde schließlich im März 2014 verkauft, die Fertigungsstrecke samt Maschinen, Werkzeugen und technischem Knowhow abtransportiert. Es war das Ende der kurzen Sportwagen-Ära in Altenburg. Aber nicht das Ende des Apollo.

Ja, er rollt noch! Die Apollo Automobil GmbH im oberbayerischen Denkendorf, sitzt jetzt am Steuer. Doch nicht allein: Auch das Reich der Mitte hat die Hand am Ganghebel – das chinesische Konsortium Ideal Team Venture hat in die Marke Apollo investiert. Und ein italienischer Kleinserien-Hersteller ist Entwicklungspartner. Die Manifattura Automobili Torino, ansässig im oberitalienischen Turin, bringt den Supersportwagen in Form und Schwung.

Ebenso ein weiterer Partner – der amerikanische Rennstall Scuderia Cameron Glickenhaus. Das Altenburger Straßen-Kind, so scheint es, ist nun ein ziemlich internationaler Spross. Apollo Arrow heißt er jetzt, ist stark wie 1000 Pferde und kann bis zu 360 Kilometer pro Stunde flitzen. Technische Werte, die die ohnehin schon atemberaubenden Daten des einstigen Altenburger Apollos noch übertreffen.

Vor wenigen Wochen erst wurde mit dem Apollo Intensa Emozione ein neues Modell vorgestellt, das ab 2018 ausgeliefert werden soll. Ob den neuen Boliden – anders als den Altenburgern – auf lange Sicht die Überholspur vergönnt ist, bleibt abzuwarten. Fakt ist: Roland Gumpert, der 2004 die Skatstadt zur (kleinen) Autostadt machte, ist nicht mehr an Bord. Der inzwischen 72-Jährige ist 2016 als Geschäftsführer der Apollo Automobil GmbH ausgeschieden.

Von Kay Würker

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