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Erfurt bricht Zusage

Erfurt bricht Zusage

Das ist eine ganz bittere Nachricht für den Ausbildungsstandort Altenburg. In einer seiner letzten Amtshandlungen kurz vor der Amtsübernahme durch die neue Thüringer Landesregierung hat der Staatssekretär im Kultusministerium Roland Merten (SPD) kräftig den Rotstift bei der Schulnetzplanung in der Berufsbildungsregion Ostthüringen angesetzt.

Insgesamt sind sechs Fachklassen betroffen, die nicht mehr oder nicht wieder genehmigt wurden.

 

Darunter befinden sich zum großen Entsetzen von Landrätin Michaele Sojka (Linke) die Umwelttechnikberufe im Beruflichen Schulzentrum "Johann Friedrich Pierer". Denn Sojka hatte sich gemeinsam mit Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) im Sommer vehement für deren Erhalt eingesetzt. Sie waren dabei vom Zweckverband Trinkwassserversorgung und Abwasserentsorgung "Weiße Elster" Greiz, vom Verband der Rohr- und Kanaltechnik-Unternehmen sowie den Azubis unterstützt worden.

 

Bei einem Gespräch im Ministerium hatte Merten deshalb zugesagt, dass sich in den nächsten zwei Schuljahren am Ist-Zustand nichts ändern werde, wie der OB und der damalige SPD-Landtagskandidat Norman Müller Anfang August stolz verkündeten. Vier Monate später ist Merten wortbrüchig geworden.

 

In seinem Schreiben an des Altenburger Landratsamt vom 26. November, das unserer Zeitung vorliegt, begründete er dies mit der unzureichenden Zahl von Azubis. "Für Umwelttechnik-Berufe konnten aufgrund zu geringer Schülerzahl in den vergangenen drei Jahren keine beziehungsweise keine ordnungsgemäßen Berufsschulklassen am Standort Altenburg eingerichtet werden", heißt es. Daraus resultiere ein unverhältnismäßig hoher Lehrkräftebedarf. Künftig soll die Ausbildung deshalb in Weimar erfolgen, weil dort in unmittelbarer Nähe zur Schule zudem die überbetriebliche Lehrunterweisung stattfinden könne.

 

Für Michaele Sojka ein Unding. "Dann würde ich die Lehrlinge auf jeden Fall nach Böhlen schicken. Das ist preiswerter und schneller für die jungen Leute, und sie bleiben vielleicht nach der Ausbildung bei uns in der Region." Zudem hat die Landrätin die neue Bildungsministerin Birgit Klaubert gebeten, die Entscheidung des Ex-Staatssekretärs zurückzunehmen. "Denn das ist ganz schlechter Stil und schlägt all unseren Bemühungen ins Gesicht", so Sojka mit Blick auf Mertens Zusage vom Sommer. Da Klaubert aus Altenburg kommt und ebenfalls der Linkspartei angehört, könnte dieses Kalkül aufgehen.

 

Doch Sojka will sich nicht allein darauf verlassen. Sie kündigte im Gespräch mit unserer Zeitung an, dass IHK und Handwerkskammer gegen den Bescheid klagen wollen. "Die Chancen, dass die Entscheidung vom Verwaltungsgericht in Gera schon aus formalen Gründen gekippt wird, stehen nicht schlecht", sagt sie.

 

Allerdings sind die Umwelttechnik-Klassen nicht die einzigen, die von der Streichung betroffen sind. Keine Zustimmung zur Aufnahme in den Schulnetzplan der Berufsbildungsregion Ostthüringen ab 2015/2016 bekommen zudem folgende Bildungsgänge: Einzelhandelskaufmann, Elektroniker (Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik), Produktionsmechaniker im Textilbereich, Friseur sowie Koch/Restaurantfachmann/Hotelfachmann. Während die beiden letztgenannten Fachklassen schon seit einigen Jahren nicht mehr in Altenburg ausgebildet werden, wären die drei anderen ein erneuter, großer Verlust.

 

Weil seit mehreren Jahren eine ordnungsgemäße Klassenbildung nach dem Ausscheiden der Azubis im Beruf Verkäufer nicht mehr sichergestellt sei, müssen neue Lehrlinge ab kommenden Schuljahr zur Berufsschule Gera wechseln, teilte Merten mit. Wegen ebenso schlechter Klassenstärken werden zukünftig auch Elektroniker in der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik nicht mehr in Altenburg ausgebildet und müssen nach Jena oder Unterwellenborn. Und für die Produktionsmechaniker im Bereich Textil heißt es ab Sommer 2015, nach Jena beziehungsweise Plauen zu fahren. © Kommentar

Jens Rosenkranz

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