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Altenburg Erinnerungen an Schmalspurbahn von Gera nach Mumsdorf
Region Altenburg Erinnerungen an Schmalspurbahn von Gera nach Mumsdorf
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05:54 03.12.2018
Zwei Fliegen mit einer Klatsche: Sowohl Personen als auch Güter wurden auf der Schmalspurbahn transportiert. Quelle: Berger/Pestel, Verlagsgruppe Bahn
Meuselwitz

Vielleicht kann sich der eine oder andere aus dem Altenburger Land an die Gera-Meuselwitzer-Wuitzer Eisenbahn erinnern. Die Schmalspurbahn wurde vor rund 50 Jahren geschlossen. Zu diesem Jubiläum und wegen neuer Erkenntnisse haben die Autoren Dietmar Franz und Rainer Heinrich das Buch „Die Schmalspurbahn Gera-Pforten – Wuitz-Mumsdorf und der Güterverkehr auf der Geraer Straßenbahn“ verfasst.

Eine Eisenbahn mit einer Lok, wie aus einem alten Film. Der Schornstein stößt mal schwarzen, mal weißen Dampf in die Luft. Hin und wieder pfeift die Bahn und rauschende Geräusche ertönen beim Fahren. Das stellen sich die Leser wohl vor, wenn sie das Buch „Die Schmalspurbahn Gera-Pforten – Wuitz-Mumsdorf und der Güterverkehr auf der Geraer Straßenbahn“ durchblättern.

Von Station zu Station

Es ist Juni 1968, als Autor Dietmar Franz mit der „Wuitzer“ von Gera-Pforten nach Wuitz-Mumsdorf und umgekehrt fährt. Das macht er mehrmals und kommt dabei unter anderem an Meuselwitz vorbei, wo die Schmalspurbahn allerdings nicht gehalten hat. Zusammen mit Rainer Heinrich nimmt er nun seine Leser auf eine dieser Fahrten mit, was sich wie eine Zeitreise anfühlt.

Die Autoren erzählen, wie die Fahrt damals verlief. Von Station zu Station beschreiben sie detailliert die Landschaft, wie sie sich verändert und was Franz dabei erlebt. Detailgetreu ist auch die Erzählung über Abfahrtzeiten, Pünktlichkeit, längere Aufenthalte und den Schienenverlauf. So hören Leser förmlich den Dampf, spüren das Rattern der Schmalspurbahn und sehen die alten Bahnhöfe vor sich liegen.

Verstärkt wird die bildhafte Sprache im Buch mit Fotografien und Zeichnungen. Auf jeder der 350 Seiten lassen sich Fotos von den alten Loks, der Gleise, des Zugpersonals, der Landschaft, der Fahrkarten und Abfahrtpläne entdecken. Weiterhin haben die Autoren seltene Fotografien abgedruckt, die beispielsweise das Umladen des Quarzsandes in regelspurige Güterwagen zeigen. Denn nicht nur zur Personenbeförderung wurde die Schmalspurbahn genutzt. Insbesondere Massengüter wie Braunkohlebriketts, Kalk und Zuckerrüben wurden transportiert.

So wundert es nicht, dass das Komitee, das 1878 den Bau einer Schmalspurbahn erstmals vorschlug, vor allem aus Besitzern der Braunkohlengruben in unmittelbarer Nähe von Meuselwitz bestand. „Durch den Bau einer solchen Eisenbahn versprachen sie (das Komitee) sich einen guten Absatz in der aufstrebenden Industriestadt Gera“, heißt es im Kapitel „Vorgeschichte und Bau der Schmalspurbahn Gera-Pforten – Wuitz-Mumsdorf“.

Unwetter führte zu Überschwemmungen

Doch die privat betriebene Nebenbahn eröffnete erst später am 12. November 1901, nachdem mehrmals Vorschläge des Trassenverlaufs vorgelegt und Anträge abgelehnt wurden. 1969, also vor knapp 50 Jahren, wurde die 31 Kilometer lange Eisenbahnstrecke dann geschlossen, was einer der Gründe zur Veröffentlichung dieses Buches ist.

Am 3. Mai 1969 fuhr der letzte Personenzug nach Wuitz-Mumsdorf. Um 14.21 Uhr kam er in Gera-Pforten an. Nachdem er in den Bahnhof einfuhr, verdunkelte sich der Himmel. So beschreiben es die Autoren und erzählen von einem heftigen Unwetter, das zu Überschwemmungen führte. „Der sonst so harmlose Zaufensgraben am Bahnhof Gera-Pforten wurde nach kurzer Zeit durch das von den umgebenden Talhängen regelrecht einstürzende Oberflächenwasser zu einem „reißenden Wasserlauf“ und trat aus seinem Flußbett“.

Neue Forschungsergebnisse

Doch kein Unwetter war der Grund für die Schließung der Bahn. Schon 1965 wurde untersucht, ob sich die Schmalspurbahn rentiere. 1960 ging der Heizkraftwerk in Betrieb, so dass die Kohletransporte auf der Schmalspurbahn weiter zurückgingen. Dies war einst der Hauptgrund die Strecke zu eröffnen, der nun wegfiel und somit auch der Sinn hinter der Schmalspurbahn.

Die Autoren wollen neue Forschungsergebnisse aufzeigen, die es in den vorherigen zwei Ausgaben noch nicht gab. So erarbeiten Franz und Heinrich den Prozess der Stilllegung 1969/1970 in ihrem Buch heraus. Weiterhin schreiben sie über zahlreiche Fakten zur Betriebsführung, zum Wagenpark und zu den Dieselloks des Dachziegelwerkes in Cretzschwitz, wofür bisher unveröffentlichte Angaben aus Archiven im ganzen Bundesgebiet in die Texte eingearbeitet sind.

Die Leser steigen also am Anfang in die Gera-Meuselwitzer-Wuitzer Eisenbahn (GMWE) ein; lassen sich von der Lok ziehen; erleben den Güterverkehr; steigen kurz aus, um sich über den Bergbau zu informieren und beenden ihre Fahrt durch das Buch im Straßenbahnverkehr. Besonders Eisenbahnliebhaber, aber vor allem Zeitzeugen, die die GMWE noch erlebt haben, werden sich über eine Fahrt mit aufkommender Kleinbahnromantik freuen.

„Die Schmalspurbahn Gera-Pforten – Wuitz-Mumsdorf und der Güterverkehr auf der Geraer Straßenbahn“ erschien in der Verlagsgruppe Bahn und kostet 59,95 Euro. ISBN: 978-3-8375-2029-3

Von Nicole Grziwa

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