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Erinnerungen an eine bewegte Zeit - Altenburger Land feiert 20-jähriges Bestehen

Erinnerungen an eine bewegte Zeit - Altenburger Land feiert 20-jähriges Bestehen

Mit knapp 300 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Verwaltung hat der Landkreis Altenburger Land sein 20-jähriges Bestehen gefeiert.

Windischleuba.

Allerdings blieben beim Festakt am Freitag in der Thüsac-Halle im Gewerbegebiet Windischleuba zahlreiche Plätze leer. Ob das den hochsommerlichen Temperaturen um die 30 Grad Celsius, dem Viertelfinalspiel Deutschland gegen Frankreich bei der Fußball-WM oder etwas anderem geschuldet war, ließ sich nicht mit Sicherheit sagen.

 

Fest steht aber, dass mit Christian Carius (CDU) und Heike Taubert (SPD) gleich zwei Landesminister den Weg in den östlichsten Teil Thüringens fanden, um zu gratulieren. "20 Jahre sind eine ordentliche Zeit", sagte Sozialministerin Taubert in einer Runde mit den Moderatoren Paula Weitz und Helge Klein und hob auf die Frage, was sie mit dem Kreis verbinde, das Klinikum als "Stolz des Altenburger Landes" heraus. "Es war richtig, sich für ein kommunales Klinikum zu entscheiden, und man wird in 20 oder 40 Jahren noch immer ein gut entwickeltes Haus haben." Dafür erntete die 55-Jährige viel Applaus - im Gegensatz zu Carius.

 

Dass die Reaktionen auf die Aussagen des Verkehrsministers wesentlich verhaltener ausfielen, lag allerdings nicht an deren Inhalt, sondern an der schlechten Akustik. So bekam man nur schwerlich mit, dass der 37-Jährige zur Gründung des Kreises 18 Jahre alt war und drei Anläufe für seinen Führerschein brauchte. Als er diesen dann hatte, machte er einen Ausflug ins Altenburger Land. Vielleicht sprach er sich auch deshalb am Rande der Veranstaltung gegen eine neuerliche Gebietsreform mit einem "anonymen Großkreis von Altenburg bis Greiz" aus.

 

Unter der Akustik hatten neben den Moderatoren und Gästen auch die beiden Schauspieler zu leiden, die Themen aus der Kreisgeschichte kabarettistisch aufarbeiteten. "Es ist schade, dass das und die Talkrunde mit den Ministern in der Geräuschkulisse untergegangen ist", sagte Landrätin Michaele Sojka (Linke), die die Ursache in den Gesprächen der Anwesenden sah. "Es wäre höflicher gewesen, dafür rauszugehen." Beim Testlauf habe man noch alles gut verstanden.

 

Ansonsten zeigte sich die 51-Jährige angesichts der Wahl der Lokalität, die sie hauptsächlich mit der Vermeidung von Kosten begründete, aber selbstkritisch: "Jetzt sind wir ein Stück schlauer." Auf die übrigen Umstände hatte man bereits reagiert, den Beginn kurzfristig um eine Stunde nach vorn verlegt und einen Fernseher zum Fußball-Schauen aufgestellt.

 

Sojka, die selbst seit 1994 im Kreistag sitzt, war bei ihrer Rede übrigens relativ gut zu verstehen. Darin thematisierte sie sowohl die historischen Wurzeln des Altenburger Landes, als auch die Erfolge der vergangenen 20 Jahre. "Wir müssen uns des Stolzes wiederbesinnen, den unsere Region verdient, damit wir unsere wichtige Rolle im mitteldeutschen Raum manifestieren können", sagte die Landrätin, um danach das künftige Heil in der mitteldeutschen Metropolregion und als familienfreundlicher Wohnstandort zu beschwören.

 

Auch Peter Diedrich (SPD), der bis 1994 Schmöllner Vize-Landrat war und bis jetzt im Kreistag saß, bewertet die Entwicklung positiv. "Besonders den Rückgang der Arbeitslosigkeit, die bundesweit Mitte der 1990er Jahre am höchsten war, und die Mitgliedschaft im MDV", so der 72-Jährige, der Sojkas künftige Ausrichtung begrüßte. "Denn wer in Mitteldeutschland nicht mitspielt, geht unter." Dazu, dass es zwischen Altenburgern und Schmöllnern heute zuweilen noch immer Probleme gibt, sagte er nur: "Es sind Einzelne, die in Animositäten leben."

 

Das teilten weitestgehend Sozialstaatssekretär Hartmut Schubert (54, SPD), der einst Umweltdezernent beider Kreise war, und der Landtagsabgeordnete Christian Gumprecht (63, CDU), der dem heutigen Kreis als Erster vorstand. "Restlos beseitigt sind die Probleme nicht, aber die Kommunen stehen jetzt in einer gesunden Konkurrenz", erklärte Schubert und Gumprecht ergänzte: "Der Konflikt hat stark nachgelassen, weil sich die Befürchtungen der Schmöllner, untergebuttert zu werden, nicht bewahrheitet haben."

 

Zudem erinnerten sich beide an eine Sache gleich gern: Daran, wie der in Gößnitz lebende Schmöllner Umweltdezernent Schubert unter dem Altenburger Ex-Kreischef Vize-Landrat wurde. Gumprecht hatte dem Youngster übers Wochenende die umfangreichen Unterlagen für die neue, aber viel zu teure Mülldeponie mitgegeben. Schubert fand den Fehler - eine falsche Kommastelle -, woraufhin Gumprecht sagte: "Ich unterstütze Sie!"

Thomas Haegeler

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