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Altenburg Erinnerungsschrift erhellt ein fast vergessenes Verbrechen in Altenburg
Region Altenburg Erinnerungsschrift erhellt ein fast vergessenes Verbrechen in Altenburg
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16:57 29.10.2018
Illustrator Anthony Lowe, Bernhard Stengele und Autor Christian Repkewitz (v.l.) vor der Präsentation der Erinnerungsschrift „Schicksalstage“. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

„Schicksalstage“ heißt das neueste Werk von Christian Repkewitz, das am Sonntag erstmals offiziell im Paul-Gustavus-Haus vorgestellt wurde. Der Autor, der im Eigenverlag bereits drei Bücher über das Schicksal der jüdischen Gemeinden im Altenburger Land veröffentlicht hat, widmet sich darin einer weiteren, aber nicht minder düsteren Facette der jüdischen Familien zu Zeiten der Naziherrschaft.

Die Buchvorstellung am Sonntag im Rahmen einer Matinee war als Termin bewusst gewählt. Denn am 28. Oktober 1938, also genau vor 80 Jahren, fand auch in Altenburg sowie umliegenden Städten die so genannte „Polenaktion“ der Nazis statt, bei der 54 jüdische Mitbürger gen Polen abgeschoben wurden. „Hierzulande sind diese Ereignisse weitgehend nicht mehr bekannt. Aber neben anderen waren sie ein Vorläufer, der am 9. November 1938 in der Pogromnacht mündete und zeigte, dass die Nazis die Verfolgung der jüdischen Mitmenschen mit einer brutalen Härte und großer Energie vorantrieben“, so der Autor.

100 Seiten erinnern an Einzelschicksale

Auf den 100 Seiten erinnert der 38-Jährige an die Einzelschicksale und gibt dank etlicher Fotografien den Betroffenen wieder ein Gesicht. Zudem fand er bei seinen Recherchen im Hauptstaatsarchiv auf einem alten Film die bis dahin als verschwunden geltende Namensliste der Betroffenen.

Bewusst wurde die Einführung der „Erinnerungsschrift“, wie der Autor sein Werk selbst bezeichnet, am Sonntag in eine Matinee eingebettet, an der Musiker sowie Schauspieler von Theater und Philharmonie Thüringen mitwirkten. Unter anderem lasen Nolundi Tschudi, Manuel Kressin und Johannes Emmerich aus ganz persönlichen Erlebnisberichten von damals betroffenen Juden, die damals in Altenburg gelebt haben. Die zum Thema passende Musik steuerten Milena Ivanova und Olav Kröger bei, die Moderation übernahm Bernhard Stengele.

Anthony Lowe hat Zeichnungen beigefügt

Das Besondere an dem in einer Auflage von 300 Exemplaren erschienenen Werk „Schicksalstage“ ist, dass es neben Fotos auch Zeichnungen von Anthony Lowe zum Thema Vertreibung enthält. Die sehr gut besuchte Matinee war zugleich der Auftakt von Gedenkwochen, die ihren Höhepunkt mit einem Gedenkweg am 9. November finden, der ebenso von Schauspielern des Theaters gestaltet wird.

Von Jörg Wolf

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