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Eröffnungsgala des Landestheaters bleibt hinter Erwartungen zurück

Eröffnungsgala des Landestheaters bleibt hinter Erwartungen zurück

In Altenburg muss man den Begriff Gala neu definieren: Veranstaltung mit überraschenden außergewöhnlichen Leistungen und einer Atmosphäre in Glanz und Glamour.

"Zum Wohl!": Peter Prautsch als Tevje im Musical "Anatevka" (3.v.l.) und seine Sängerkollegen Paula Rummel, Chrysanthi Spitadi, Kai Wefer und Kim Sheehan.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. Bis auf den Schluss war dies bei der Theatergala am Sonntagabend nicht der Fall. Musste es aber auch nicht sein, denn Anliegen dieser Eröffnungsveranstaltung war die Vorstellung neuer Künstlerinnen und Künstler mit Beiträgen aus Inszenierungen, die das Publikum in der gerade begonnenen Spielzeit erwartet. Und das sind in Gänze betrachtet erfreulich viele, die sicher den Erwartungen der Theaterfreunde in beiden Städten gerecht werden.

Das Konzept der Verantwortlichen - Cornelia Poppe für die Regie, Jan Hoffmann für die Bühnengestaltung und Lennart Naujoks für die Dramaturgie - muss man akzeptieren: Die Neuverpflichteten zeigen nicht das, was sie am besten können, sondern das, was sie im Augenblick noch proben und womit sie auf der Bühne stehen werden. Da wäre künstlerische Vollendung in jedem Fall zu viel verlangt. Dann aber bitte nicht die Erwartungen auf eine Gala wecken!

Die Einleitungsmusik mit einer der drei Fidelio-Ouvertüren Beethovens, die im ersten Philharmonischen Konzert wieder zu hören sein wird, war qualitativ einwandfrei. Ansonsten muss man sich der Kritik der Moderationspuppe, wunderbar geführt und gesprochen von Marcella von Jan, anschließen: als Galaeröffnung ungeeignet. Moderationspartner der kleinen schnoddrig-vorlauten, aber klugen Handpuppe war Schauspieler Rüdiger Rudolph, glänzend in Sprache und körperlicher Gestik, nicht nur in seiner überzogenen Selbstdarstellung. Die Dialoge der beiden waren geistreich und witzig, zuweilen etwas zu lang. Eine Reduzierung im zweiten Teil tat der Veranstaltung gut, ließ aber keinen Platz mehr, um näher auf die jeweiligen Inszenierungen einzugehen. Dass zwei so wichtige Operninszenierungen wie die Zauberflöte und Ulenspiegel in Altenburg gänzlich unerwähnt blieben, ist unverzeihlich.

Der Opernchor war zu hören mit einem kurzen Lied aus Händels Oratorium "Der Messias", unterstützt vom Philharmonischen Chor, und mit dem Mondchor aus Otto Nicolais Oper "Die lustigen Weiber von Windsor", klangschön gesungen und beweisend: Dieser Chor ist am Theater eine sichere Bank.

Außergewöhnlich und galawürdig war die Präsentation des gesamten Thüringenballetts durch die nun wieder am Theater wirkende Ballettdirektorin Silvana Schröder. Ihr Vortrag gipfelte darin, dass, wenn alle Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft scheitern, nur noch die körperliche Bewegung zur Verständigung führt. Eben dies bewies sie, als sie alle 23 Tänzerinnen und Tänzer nacheinander auf die Bühne eintanzen ließ, dabei Namen, Alter und Herkunftsland nannte und Kindheitsfotos zeigte. Das gab nicht nur Auskunft über die multikulturelle Zusammensetzung des Ensembles, sondern war auch sehr anrührend.

Paula Rummel machte mit dem Lied "Schlösser, die im Monde liegen" Appetit auf Paul Linkes "Frau Luna". Kai Wefer stellte sich mit der Verleumdungsarie aus Rossinis "Barbier von Ssevilla" als guter Sängerdarsteller vor. Das Schauspielensemble zeigte zwei Ausschnitte aus Brechts "Dreigroschenoper": Die Eifersuchtsszene - nicht wirksam genug für eine Gala - in der sich Nora Undine Jahn als neues Mitglied vorstellte, und den Kanonensong. Beide ließen befürchten, dass gute Sprechkultur in dieser Spielzeit wieder einmal auf der Strecke bleiben wird.

Die neue Leiterin des Puppentheaters, Sabine Schramm, bewies viel Mut, mit einer gleichgroßen Puppe und einer Szene aus Schillers "Maria Start" ihr Debüt zu geben, das eindrucksvoll gelang und die Hoffnung weckte, dass zukünftig wieder mehr mit Puppen gearbeitet wird. Dramaturgisch war es aber problematisch, mit dieser tragischen Szene das Publikum in die Pause zu schicken. Hätte man nicht die Schlussszene aus Anatevka mit Peter Pratsch und den Mitwirkenden hier bringen und mit "Das ist die Altenburger Luft" an das Ende setzen können? Eine Gala verlangt zwei schwungvolle Abschlüsse.

Etwas Hauch von einer Gala brachte der zweite Teil mit den Auftritten der irischen Sopranistin Kim Sheehan, die das schwindelerregende Koloraturlied der Cunégonde aus Candide von Leonard Bernstein zelebrierte, und der griechischen Altistin Chrysanthi Spitadi, der Carmen in der Neuinszenierung in Gera, mit "Draußen am Wall von Sevilla". Schön, dass das Theater mit ihr wieder eine gute Altistin im Ensemble hat.

Das Ballett brillierte mit einem Ausschnitt aus Peter Werner-Rankes Choreografie "Dix 2011", vom Publikum begeistert applaudiert. Und Jens Troester, Thomas Wicklein, Ueli Häsler und Olav Kröger zeigten, dass das Theater in der musikalischen Leitung bestens aufgestellt ist. Mit einem pyrotechnischen Knall endete die Veranstaltung.

Der neue Generalintendant Kay Kuntze begrüßte das Publikum in einer Videobotschaft. So ehrenhaft das ist: Seine Abwesenheit zur Eröffnungsvorstellung einer Spielzeit, in der er selbst neu an die Spitze des Theaters tritt, gibt Wasser auf die Mühlen all derer, die die Möglichkeit einer geteilten Verantwortung bezweifeln.

Manfred Hainich

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