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Erste Altenburger Kleingartenanlage wird wegen Leerstands und steigender Pacht aufgegeben

Erste Altenburger Kleingartenanlage wird wegen Leerstands und steigender Pacht aufgegeben

Die Kleingartenanlage "Zum Wetterhahn", direkt zwischen Kauerndorfer Allee und Mehringstraße, wird aufgegeben. Damit stirbt die erste Sparte in Altenburg.

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Die Lauben sind bereits abgerissen. Jetzt wird das Gelände planiert und am Ende wieder eine Wiese.

Altenburg. Genau 30 Jahre bestand die kleine Sparte an jener Stelle, auf der in 15 Parzellen ebenso viele Kleingärtner rund 5200 Quadratmeter privaten Pachtgrund bewirtschafteten. Das schwere Abrissgerät räumte dieser Tage das einst grüne Idyll inmitten Altenburgs binnen kürzester Zeit ab. "Zum 31. Dezember geht der Grund und Boden zurück zum Besitzer", sagt der Chef vom Regionalverband der Kleingärtner, Wolfgang Preuß. Und zwar so unbebaut, wie er einst gepachtet wurde. "Sämtliche Gartenlauben und Schuppen, Pflanzungen sowie nachträgliche Geländeveränderungen müssen bis dahin beseitigt sein", erklärt der Verbandschef.

Die erste Sparte in dem an Kleingärten so reichen Altenburg stirbt damit. Überraschend kommt das nicht: "Wir haben in der Stadt ein deutliches Überangebot an Kleingärten. Dieser Leerstand wird weiter wachsen, da sich der Bevölkerungsschwund weiter fortsetzt und das Durchschnittsalter weiter drastisch steigen wird", sagt Preuß voraus.

Beim "Wetterhahn" war die Konstellation ebenso: Das Durchschnittsalter der Pächter der 1981 gegründeten Anlage mit 15 Parzellen lag zuletzt bei 62 Jahren. Zudem wären ab 2012 nur noch neun Gärten bewirtschaftet worden.

Hinzu kam, dass der 1991 zwischen Vorstand und Grundstückseigentümern geschlossene Pachtvertrag nach 20 Jahren fristgemäß auslief und zu den alten Konditionen nicht verlängert werden sollte. "In einem neu angebotenen Pachtvertrag hätte sich der jährliche Pachtzins von derzeit 30 auf 78 Euro pro Parzelle erhöht. Angesichts des weiter zu erwartenden Leerstandes, bei dem die verbleibenden Kleingärtner die Kosten für die ungenutzten Flächen automatisch hätten mittragen müssen, wäre die Pacht pro Nutzer noch weiter gestiegen", rechnet Preuß vor.

"Beim bekannten Überangebot an Kleingärten hätte im konkreten Fall nie eine Chance bestanden, den Leerstand mit neuen Pächtern aufzufüllen. Aus diesen Gründen habe man sich entschlossen, den "Wetterhahn" zu beerdigen. Als Regionalverband habe man den verbliebenen Kleingärtnern Alternativen für einen Neubeginn angeboten. "Aber nur zwei haben sich einen neuen Garten gesucht", sagte Preuß.

Ulrike Kern, deren Familie das Grundstück gehört, bedauerte diesen Rückzug sehr. Nun werde hier wieder Wiese entstehen, so wie sie einst hier bestand. Den Pachtzins habe man nur den gegenwärtig üblichen und geforderten Werten angepasst.

Abriss und Planierung hätten die Gartenpächter in voller Höhe selber bezahlen müssen, gäbe es in Altenburg nicht seit sechs Jahren das städtische Entwicklungskonzept für Kleingärten. Die Stadt verpflichtet sich darin, sämtliche Pachteinnahmen aus Kleingärten auf städtischem Grund wieder als Fördermittel für jene Anlagen auszuschütten, die trotz sinkender Nachfrage eine Zukunft haben. Schon fünfmal wurden diese Gelder, jedes Jahr rund 55 000 Euro, ausgereicht. Was bislang keiner so gerne erwähnte: In der Förderrichtlinie ebenso verankert ist die Möglichkeit, Gelder für den Abriss zu verwenden. "Sterbegeld" heißt es hinter vorgehaltener Hand. Jetzt kam dieser Passus erstmals zur Anwendung: Für die Planierung des Wetterhahn-Geländes reichte die Stadt 8459 Euro aus, freigegeben per Eilbeschluss des Stadtrats. Jeder betroffene Kleingärtner muss somit "nur" noch rund 600 Euro der Kosten aus eigener Tasche tragen.

"Dass die Bewilligung so problemlos außerhalb der Antragsfristen geschah, dafür bin ich sehr dankbar", sagt Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD). Natürlich bedauere er, dass mit der Sparte eine Tradition beendet werde. "Aber wir als Stadt stehen zu dem Kleingartenwesen als ganz wichtigem sozialen Faktor in der Stadt. Deshalb haben wir dieses in Deutschland einzigartige Programm freiwillig mit ins Leben gerufen, um trotz Bevölkerungsrückganges und steigenden Durchschnittsalters die zukunftsträchtigen Sparten gezielt entwickeln und damit für Altenburg erhalten zu können", erklärt das Stadtoberhaupt.

Für Regionalverbandschef Preuß ist das Aus für den Wetterhahn kein Einzelfall: "Im Gegenteil. Das Durchschnittsalter der Kleingärtner ist seit 2005 von 56 auf 68 Jahre angestiegen. Es wird nicht mehr viel Zeit vergehen, bis weitere Anlagen das Schicksal vom Wetterhahn teilen müssen", ahnt Preuß.

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