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Altenburg Erstes deutsch-japanisches Firmenfest bei Hanns Glass GmbH
Region Altenburg Erstes deutsch-japanisches Firmenfest bei Hanns Glass GmbH
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00:24 31.08.2018
Das neue Führungstrio bei Hanns Glass in Meuselwitz: Christian Wunderlich, Kazuaki Baba und Masahiro Nakano (v.l.) – gut gelaunt beim Firmenfest am Samstag. Quelle: Mario Jahn
Meuselwitz

Am Ende wurde sogar getanzt. Beschwingte Schritte im großen Festzelt, in dem sich am Samstag mehrere Hundert Gäste eingefunden hatten, um zu plauschen über das, was war – und was kommen mag. Firmen-Sommerfest nannte es die Geschäftsleitung, großzügig ausgestattet mit Buffet, Musik und Kindergaudi. Ein Ereignis, zu dem die Chefs nicht nur die Mitarbeiter mit ihren Familien eingeladen hatten, sondern auch viele Ehemalige. Eine Geste fürs Wir-Gefühl bei der Hanns Glass GmbH in Meuselwitz, wo für beschwingtes Miteinander im Arbeitsalltag nicht so viel Zeit ist.

Volles Festzelt am Samstag: Zahlreiche Mitarbeiter und Ehemalige waren gekommen. Quelle: Mario Jahn

Vielleicht war das ein Grund dafür, dass Masahiro Nakano bei der Begrüßung deutlichen Beifall, sogar Jubelrufe erntete. Dass der Japaner noch recht neu an der Spitze des Unternehmens ist, dass Unsicherheit herrscht, wohin die neue Führung im Hause die Firma lenkt, das war zumindest in diesem Moment nicht zu spüren. Masahiro Nakano und Landsmann Kazuaki Baba scheinen angekommen im Meuselwitzer Traditionsbetrieb, der mit der Herstellung von Autofußmatten sein Geld verdient und mit Japan noch vor Kurzem nichts zu tun hatte.

Neue Firmenchefs: Wissen um die Verantwortung für die Mitarbeiter

Die neue Zeitrechnung begann am 3. April dieses Jahres. Da wurde der Kauf der Hanns Glass GmbH durch die Japan Vilene Company (JVC) abgeschlossen (die OVZ berichtete). Auch die Hanns-Glass-Standorte in Paderborn und im tschechischen Cheb gehören nun zu JVC – und damit zum in Baden-Württemberg ansässigen Weltkonzern Freudenberg mit insgesamt 46 000 Mitarbeitern.

„Trotz der Größe ist Freudenberg ein Familienunternehmen“, betonte Nakano. „In diesem Sinne leben wir unsere Philosophie. Wir wissen um die Verantwortung für die Mitarbeiter und für die Region.“ Er sei mit seiner Familie von Tokio nach Leipzig gezogen und seit April nahezu jeden Werktag in Meuselwitz, um zu schauen, welches Know-how und welche Kundenkontakte der hiesige Betrieb von JVC übernehmen kann – und umgekehrt. „Es geschieht ein Transfer in beide Richtungen“, erklärte Nakano. Denn Fußmatten sind auch das Geschäft bei JVC – allerdings im Unterschied zu Hanns Glass nicht mit Auftraggebern in Europa, sondern in den USA, Mexiko und Asien.

„Es geht darum, durch die Symbiose im globalen Geschäft Aufträge und Kunden zu gewinnen und dadurch auch den Standort Meuselwitz zu stärken. Nicht nur personell, sondern auch mit Investitionen in Maschinen“, sagte Masahiro Nakano, der als Prokurist in der Schnauderstadt agiert und zudem als Geschäftsführer der JVE, des europäischen JVC-Ablegers. JVE-Präsident Kazuaki Baba steht ihm zur Seite. Ebenso Christian Wunderlich, bis April Werkleiter vor Ort und nun ebenfalls Prokurist.

Lohnzahlungen oberhalb des Mindestlohns nicht realisierbar

Was bedeutet die neue Führung für die rund 230 Mitarbeiter in Meuselwitz? Nach der Verlagerung einiger Produktionsteile nach Tschechien im Zuge der Mindestlohneinführung geht die Sorge um, dass dieser Schritt gen Osten nicht der letzte war. „Eine weitere Auslagerung nach Cheb ist derzeit nicht geplant“, sagte Nakano auf Nachfrage, ohne ins Detail zu gehen. „Wir wussten vor der Übernahme, dass es den Mindestlohn gibt.“

Allerdings: Lohnzahlungen oberhalb des Mindestniveaus hält Nakano auf absehbare Zeit für nicht realisierbar. Dafür sei der Markt zu angespannt. Christian Wunderlich verweist vor allem auf den Preisdruck der großen Auftraggeber, der Autokonzerne. „Um diesen Druck auszuhalten, müssen wir immer wieder Prozesse optimieren, doch auch hier sind die Möglichkeiten endlich.“ Die Stärke des Unternehmens durch Erfahrung und spezielle Veredelungstechniken sei deshalb ein wichtiges Pfund. So können die Meuselwitzer etwa für noble Fahrzeuge Lederbänder in die Fußmatten einnähen. Der Betrieb hat zudem eine Stickerei.

Ehemaliger Betriebsleiter blickt zurück

Nischen besetzen, sich an neue Kundenwünsche anpassen, das sind die Meuselwitzer gewöhnt. Der langjährige Betriebsleiter Dieter Harder kann davon ein Lied singen. „Als ich 1968 in den Betrieb kam, waren wir noch eigenständig im Kombinat Baumwolle. Ein Jahr später wurden wir dem Kombinat Technische Textilien Meerane angegliedert und waren nur noch das dritte von acht Werken“, erinnerte sich der heute 77-Jährige. Als Babydecken-Hersteller habe sich die Meuselwitzer Weberei in der DDR einen Namen gemacht.

Dieter Harder übernahm 1985 die Leitung – und begegnete in den Wendejahren Jutta Baumgartner aus München, die in Maschinen investierte und 1992 aus dem DDR-Betrieb die Weberei Juba gründete. „Immerhin 80 der 600 Mitarbeiter wurden übernommen“, erzählte Harder. Und auch einige, die zunächst auf der Straße standen, seien im späteren Wachstum der Firma wieder eingestellt worden. 2003 wurde, immer noch unter Baumgartner-Führung, aus der Juba die Hanns Glass GmbH & Co. KG. „Es war ein steiniger Weg, aber wir haben uns immer weiterentwickelt“, sagte Harder. Zuversichtlich, dass der Betrieb in der Altenburger Straße 7 auch in Zukunft ein großer Arbeitgeber bleibt.

Von Kay Würker

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