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Altenburg Ertrunkenes Baby: Altenburger Mutter zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt
Region Altenburg Ertrunkenes Baby: Altenburger Mutter zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt
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15:57 12.11.2015
Im Prozess um den Tod eines Babys war Sandra F. aus Altenburg vor dem Landgericht Gera angeklagt. Am Donnerstag wurde das Urteil verkündet.  Quelle: Jens Rosenkranz
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Altenburg/Gera

 Fünf Tage hat die heute 30-jährige Frau noch mit der Babyleiche in der Wohnung in Altenburg gelebt. Später fanden Ermittler das tote Mädchen versteckt in einem Plastikeimer im Badezimmer. Dort hatte die Frau das Baby am Abend des 8. März allein zur Welt gebracht - dann ließ sie es ertrinken. Die vierte Strafkammer des Landgerichts Gera sprach die Altenburgerin deswegen am Donnerstag des Totschlags schuldig. Das Urteil lautet auf drei Jahre und sechs Monate Jahre Haft.

Die Frau mit schwarzer Kurzhaarfrisur und dunkler Kapuzenjacke wirkt blass. Als sie am Donnerstag den Gerichtssaal betritt, verbirgt sie ihr Gesicht vor den Kameras hinter einem Schreibblock. Den Tod des Mädchens hat sie im Prozess als Unfall dargestellt. Sie sei von der Geburt überrascht worden, habe wegen starker Rückenschmerzen nicht aus der Badewanne steigen können, um Hilfe zu holen. Nach der Geburt habe sie dann das Baby hochgenommen. „Es hat seine Ärmchen bewegt.“ Sie habe die Nabelschnur mit einem Cutter-Messer durchtrennt und sei dann bewusstlos geworden - wie auch schon unter der Geburt. Als sie wieder zu sich gekommen sei, habe das Baby „mit dem Kopf nach unten“ im kalten Wasser gelegen.

Die Ohnmachten hat ihr das Gericht nicht abgenommen. Sie habe das Mädchen nach der Geburt „aktiv wieder ins Wasser gelassen“ und dabei gewusst, dass das Kind sterben würde, sagte Richter Gerhard Rassier in der Urteilsbegründung. Die Frau sei damals seelisch völlig überfordert gewesen. „Was Ihnen vorzuwerfen ist: Um Konflikten aus dem Weg zu gehen, haben Sie niemandem etwas gesagt.“ Denn die Schwangerschaft hatte sie verheimlicht und sich weder ihren Adoptiveltern, noch ihren Freundinnen anvertraut. Auch nicht dem Vater des Kindes, von dem sie sich wieder getrennt hatte, und der keine Kinder wollte.

Von Zeugen wird die Frau, die bereits einen vier Jahre alten Sohn hat und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt, als sehr verschlossen geschildert. „Sie ist ein Mensch, der Verdrängung und Verleugnung einsetzt, um mit Problemen fertig zu werden“, hatte die psychiatrische Gutachterin konstatiert und von einer „verdrängten Schwangerschaft“ gesprochen. Die Angeklagte habe sich in einer „seelischen Notlage“ befunden. Das bewegte das Gericht schließlich dazu, von einem „minderschweren Fall“ des Totschlags auszugehen.

Allerdings stellte Richter Rassier klar: „Ein Mensch ist zu Tode gekommen.“ Dabei spiele das Alter keine Rolle. Im Gegenteil - das Mädchen hätte sogar noch sein ganzes Leben vor sich gehabt. Er erkenne aber an, dass sich die Frau dem stelle, was vor mehr als acht Monaten passierte. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten fünf Jahre Haft für die Frau gefordert, die Verteidigung zwei Jahre, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollten. Die Angeklagte selbst zeigte in ihrem Schlusswort Reue: „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich heute alles anders machen.“

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von LVZ

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