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"Es ist Zeit für einen Marshallplan" - Neujahrsrede des Altenburger OB mit neuen Tönen

"Es ist Zeit für einen Marshallplan" - Neujahrsrede des Altenburger OB mit neuen Tönen

"Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr denke ich zu leben." Unter diesem Motto gebenden Albert-Einstein-Zitat stand der diesjährige Neujahrsempfang der Stadt Altenburg.

Altenburg.

 

 

 

 

Von Ellen Paul

Michael Wolf präsentierte sich dabei im Vergleich zu den Vorjahren überaus emotional und mitreißend. Ein Gast glaubte am Ende des 45-minütigen Vortrags sogar einen geläuterten OB ausgemacht zu haben. Das dürfte vermutlich vor allem mit dem Beginn der Rede zu tun haben, in der der SPD-Politiker zu diesem Anlass bislang ungewohnte Töne anschlug. "Wir alle haben, jeder an seiner Stelle, im großen Räderwerk des Lebens die Chance, jeden Tag zu einem erfüllten Tag zu machen. Es ist ein wunderbares Gefühl, für Ziele und Ideale zu arbeiten und die Früchte dieses Engagements zu ernten. Zu einem erfüllten Leben gehört es aber noch viel mehr, den Menschen, die wir lieben und schätzen, genügend Zeit zu widmen", plädierte Wolf für eine angemessene Balance zwischen Arbeit und Familie.

Den weitaus größten Teil seiner, im Wahljahr mit besonderer Spannung erwarteten Rede nutzte Michael Wolf indes traditionell, um Erreichtes aufzulisten und die wichtigsten Vorhaben des gerade begonnenen Jahres zu skizzieren. Die Palette reichte von den Investitionen in eine stattliche Zahl von Bauvorhaben über Wirtschaftsförderung, Bildung, Straßenverkehr, Innenstadtbelebung und Tourismus bis hin zu Sport und Kultur. Bei letzterem erneuerte der Redner das Bekenntnis zu Unterstützung und Finanzierung des Altenburg-Geraer Theaters.

Mit besonderer Schärfe attackierte der Oberbürgermeister - wie schon der Landrat vor Wochenfrist - die Landespolitik, ohne dabei auf die eigene, mitregierende Partei Rücksicht zu nehmen. "Thüringen ist für mich kein fortschrittliches Bundesland, weil es zu unbewegliche und reformunwillige Entscheidungsträger hat", so der OB wörtlich. Während die Stadt Altenburg in den letzten zwölf Jahren die Schulden von 42 auf 16 Millionen Euro abbaute, seien im Freistaat ständig neue Schulden in dreistelliger Millionenhöhe gemacht worden. Bei dem jetzt notwendigen Sparzwang drehe man in seiner Orientierungslosigkeit nun den Kommunen einfach den Geldhahn zu. Mehr noch. Altenburg und das Altenburger Land würden permanent benachteiligt, was seinen traurigen Höhepunkt im politisch determinierten Aus für die Justizvollzugsanstalt gefunden habe. "Es ist Zeit für einen Marshallplan für das Altenburger Land", so Wolf.

Da solcherart Forderungen aber aktuelle Haushaltskassen nicht füllen, bleibt auch der Stadt Altenburg nichts anderes übrig, als den rigorosen Sparkurs in der Verwaltung fortzusetzen. Dadurch wächst der Instandhaltungsstau weiter, muss die Qualität der städtischen Dienstleistungen zurückgefahren werden. Freiwerdende Stellen können nicht wieder besetzt und Azubis 2012 nicht übernommen werden. Auch sollen in diesem Jahr das Altstadtfest ins Bundestrachtenfest Anfang Juni integriert und alle Veranstaltungen und Projekte zum Thema Barbarossa und Weihe der Roten Spitzen auf ein Mindestmaß reduziert werden. Ins Haus stehen außerdem weitere Gespräche mit den Beschäftigten der Stadtverwaltung über Arbeitszeitverkürzungen mit Lohnverzicht.

"Wenn diese Maßnahmen nicht reichen, müssen wir Einnahmen erhöhen", sagte Michael Wolf und meint Gebühren für öffentliche Einrichtungen und Steuern. Dass er dies aber nicht will, daraus machte er keinen Hehl. Überhaupt keine Abstriche indes will er an den geplanten Investitionen machen. Denn: "Wir brauchen in dieser Stadt Attraktivität durch Wertschöpfung. Nur so können wir der demografischen Entwicklung, der Fachkräfteknappheit und der Abwanderung junger Menschen den Kampf ansagen."

So emotional der Beginn der OB-Rede, so emotional das Ende der gesamten Veranstaltung. Nach der Auszeichnung von 15 ehrenamtlich engagierten Bürgern gab es unter der Überschrift "Wir wissen es - warum ändern wir nichts?" eine vom Stadtratsvorsitzenden Peter Friedrich (SPD) initiierte, ungewöhnliche Videopräsentation: die mit Fotos sowie Musik von Enya unterlegten Worte amerikanischen Schauspielers George Carlin, die er unter dem Motto "Zeit zum Leben und Lieben" anlässlich des Todes seiner Frau verfasst hatte.

 

-Kommentar

 

Erreichtes 2011: Sanierung Hallenbad; Neubau Berufsfeuerwehr; millionenschwere Investitionen in Teehaus und Orangerie, Rittergut Oberzetzscha, Regelschule "Erich Mäder", die ehemaligen Gaststätten Weißes Ross und Schwarzer Bär sowie das Familien- und Freizeitzentrum Nord; Abriss zahlreicher zerfallener Gebäude

Vorhaben 2012: Beginn der Sanierung des Marstalls (3,5 Millionen Euro); Neubebauung Areal am Markt (4,8 Millionen Euro); Beginn der Sanierung des Ernestinums (1,5 Millionen Euro); Fertigstellung Kreisverkehr Zeitzer Straße/Breitscheidstraße (460 000 Euro); Ausbau Torgasse (380 000 Euro); Fortsetzung der Rettungs- und Sanierungsarbeiten am Weißen Ross und Schwarzen Bären (480 000 Euro); Unterstützung von Wohnungsbauvorhaben von Wohnungsgesellschaft und -genossenschaft

 

 

 

Der Marshallplan war ein großes Wiederaufbauprogramm der USA, das nach dem Zweiten Weltkrieg Westeuropa zugute kam. Es bestand aus Krediten, Rohstoffen, Lebensmitteln und Waren. Das nach US-Außenminister und Friedensnobelpreisträger George C. Marshall benannte 13-Milliarden-Dollar-Programm wurde 1948 vom Kongress der Vereinigten Staaten verabschiedet und lief vier Jahre.

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