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"Es macht keinen Spaß mehr"

"Es macht keinen Spaß mehr"

Das Juni-Hochwasser hat dramatische Folgen für zahlreiche Kleingartenanlagen im Landkreis. Dies betrifft nicht nur die teils hohen Sachschäden.

Altenburg.

Mindestens eine komplette Anlagen wird nun geschlossen, zwei weiteren droht das Aus. Daneben haben viele einzelne Pächter ihre Gärten bereits aufgegeben oder tragen sich mit dem Gedanken daran zu kündigen.

 

Es grünt und blüht, Vögel zwitschern, in der Sonne blinkert frisch gemähter sattgrüner Rasen. In der Anlage Tiergarten Saara-Selleris deutet auf den ersten Blick nicht viel darauf hin, dass hier bis vor Kurzem fast alles unter Wasser stand. Die Sprotte trat am 2. Juni am Klaffholz über ihr Ufer und bahnte sich über ein Maisfeld dem Weg zur Anlage. Die meisten Gärten wurden verschlammt, Lauben unter Wasser gesetzt, eingeweicht und verdreckt. Wäre das kleine Maisfeld unmittelbar an der Sprotte eine Wiese gewesen, wäre man zumindest von der Schlammlawine verschont worden, meinen die Kleingärtner.

 

Noch dieser Tage versuchen sie, ihre Lauben zu lüften, damit die Feuchtigkeit und der modrige Geruch entweichen. Mindestens drei Spartenmitglieder aber haben die Faxen dicke und gekündigt. Einer steht kurz davor. Es ist Wolfgang Fröbel. Der Altenburger hat seit 30 Jahren seine Parzelle bei Saara. "Ich weiß nicht, was beim nächsten Mal auf mich zukommt", sagt der Altenburger. Das ist doch nur noch eine einzige Zitterpartie. Es macht einfach keinen Spaß mehr."

 

"Die Kündigungen sind zwar kein Schlag ins Kontor, aber für den Verein dennoch nicht schön", kommentiert Jörg Schwitalla, der Vorsitzende des Vereins Tiergarten Saara-Selleris den Verlust von drei Pächtern wegen des Hochwassers. Von 43 Parzellen stehen damit nun 14 in seiner Anlage leer. Immer weniger Pächter müssen damit immer mehr zahlen, was den Ärger bei jenen verstärkt, die sich ohnehin mit dem Gedanken an eine Kündigung tragen.

 

Denn auch die Schäden an Lauben und in den Beeten waren immens. 182 000 Euro hat der Regionalverband der Kleingärtner in acht seiner Mitgliedssparten errechnet. Vom Hochwasser betroffen sind die Gartenanlagen Knau, Dreschaer Tal, Hellwiese und Fortschritt in Altenburg und jene in Wilchwitz, Zschechwitz II, Molbitz und besonders die Gute Hoffnung in Lucka. Bei letzterer wurden sämtliche 63 Parzellen überflutet. Allein in dieser Anlage wurden Schäden in Höhe von 59 700 Euro festgestellt. Total überschwemmt wurden auch die 17 Kleingärten in Molbitz sowie die 30 Parzellen an der Hellwiese sowie 27 in Wilchwitz.

 

Die Schadenssumme hat der Regionalverband jetzt der Schadenskommission im Landratsamt gemeldet. "Außerdem haben wir als Regionalverband ebenso eine Spendenaktion für die Betroffenen gestartet, wie auf Landes- und Bundesebene", erklärt Wolfgang Preuß, Chef des Regionalverbandes der OVZ. Zudem habe man bereits in Erfurt vorgesprochen und um Landeshilfen für den Wiederaufbau ersucht. Wahrscheinlich werden nicht alle Kleingärtner einen Neuanfang wagen oder dies können. "Das kann so weit gehen, dass ganze Anlagen verschwinden", ahnt Preuß.

 

Schon deutliche Signale für das Aufgeben hat der Regionalverbandschef aus Molbitz erhalten. "Dort wurde die Anlage nun bereits zum fünften Mal überschwemmt. Fünf von 17 Gartenpächtern haben bereits ihre Kündigung abgegeben.

 

Besiegelt ist das Aus der Anlage "Pleißenaue" am Ortseingang von Treben. Hier hatte das Pleißehochwasser die ganze Anlage verwüstet. Weil die Kleingärtner bereits zum wiederholten Mal vor den Trümmern ihrer Arbeit stehen, haben sie den Entschluss gefasst, die Anlage aufzugeben. In der Verwaltungsgemeinschaft Pleißenaue war zu erfahren, dass der Rückbau der Gärten und Lauben in diesem und im nächsten Jahr erfolgen soll.

 

Noch völlig offen ist das Schicksal der Pleißenaue in Gößnitz, die ebenfalls völlig überflutet wurde. Dort muss behördlich entschieden werden, ob die in einem Überschwemmungsgebiet liegende Anlage eine Gefahr darstellt, etwa durch umhertreibende Lauben. In etwa sieben Wochen soll klar sein, ob die Sparte bestehen bleibt oder nicht.

 

Für die Gartenanlage in Wilchwitz sieht der Nobitzer Bürgermeister Hendrik Läbe hingegen gute Überlebenschancen, trotz 32 000 Euro Gesamtschäden. "Da bin ich sehr zuversichtlich, dass es weitergeht, auch weil ein vor dem Wasser schützender Damm nun endlich direkt an der Anlage entlang gebaut werden soll." Marlies Neumann, Jörg Wolf, Jens Rosenkranz

 

© Kommentar

Jens Rosenkranz

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