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Altenburg Essengeldpauschale der Arbeiterwohlfahrt bringt Altenburger Eltern auf die Palme
Region Altenburg Essengeldpauschale der Arbeiterwohlfahrt bringt Altenburger Eltern auf die Palme
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05:54 06.10.2016
Im Zwergenland in der Barlachstraße protestieren Eltern – wie auch in den anderen drei Kindertagesstätten der Arbeiterwohlfahrt in Altenburg – gegen die eingeführte Essengeldpauschale. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

In Altenburger Kindertagesstätten erhitzen sich die Gemüter. Zumindest in den vier Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Grund dafür ist die Essengeldpauschale, die der Wohlfahrtsverband zum 1. September eingeführt hat. Demnach müssen Eltern nun monatlich 17 Tage Vollverpflegung ihrer Kinder zahlen – egal, ob sie da sind oder nicht. Das sind 73,10 Euro. Deswegen befürchten viele Familien im Vergleich zur bisherigen Abrechnungsmethode, die die tatsächliche Anwesenheit zugrunde legte, draufzuzahlen.

„Man kann doch nicht für eine Dienstleistung zahlen, die man nicht in Anspruch nimmt“, sagt eine Mutter. Hinzu komme, dass man für die Krankheitstage doppelte Kosten habe: die nicht in Anspruch genommenen in der Kita und die zu Hause, ergänzt ein Vater. „Denn das Essen darf aus hygienischen Gründen auch nicht abgeholt werden.“ Ein Problem, gerade für finanziell schwächere Familien oder Alleinerziehende.

Weil sie die Pauschale ungerecht finden und – insbesondere bei krankheitsanfälligen Kindern – Mehrkosten sehen, protestierte etwa der Elternbeirat der Kita Zwergenland mit einer Unterschriftenaktion gegen das Awo-Ansinnen. Jedoch ohne Erfolg. „Es gab eine Antwort mit null Inhalt“, hieß es jüngst auf einer Elternversammlung. Die Awo habe alle Argumente vom Tisch gewischt und verweise auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz, wonach das Ganze rechtens sei. Dadurch bleibt bei Müttern und Vätern der Eindruck, man wolle die Pauschale durchdrücken.

„Das kann ich so nicht bestätigen“, sagt Awo-Sprecher Dirk Gersdorf auf OVZ-Anfrage, räumt aber Nachfragen und Beschwerden ein. „Wir wollen eine einheitliche Regelung für alle unsere 53 Kindertagesstätten, aber unser Prokurist hat viel telefoniert und mit Elternbeiräten gesprochen, woraufhin wir Sonderregelungen für chronisch kranke Kinder, Kuraufenthalte oder andere längere Abwesenheit geschaffen haben.“ Allerdings beklagen betroffene Eltern, dass es die versprochenen Informationen und Anträge dazu bis heute nicht gibt.

Laut Gersdorf führte man die Pauschale gerade ein, weil die Einzelabrechnung immer wieder zu Fehlern und Diskussionen führte. „Es geht uns aber auch um eine Verwaltungseinsparung, so dass die Erzieherinnen mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe haben“, erklärt der Awo-Sprecher, ohne zu wissen, dass dieser Satz so mancher Mitarbeiterin sauer aufstößt. Zwar müssten weiter Anwesenheitslisten geführt werden, aber die Rechnerei entfalle. Er bestreitet auch nicht, dass man so den Awo-eigenen Caterer stärke, weil alles besser kalkulierbar sei.

Für ungerecht hält die Awo die Pauschale jedoch nicht und stellt sie daher auch nicht infrage. „Die Grundlage sind statistische Werte des Vorjahres unserer Kitas“, sagt Gersdorf. „Von 252 Öffnungstagen haben wir schon 48 Tage Abwesenheit, was fast zehn Wochen sind, rausgerechnet. Das ist sehr fair und keine versteckte Erhöhung.“ Die Gefahr, dass Eltern nun verstärkt kranke Kinder bringen, weil sie das Essen einmal bezahlt haben, hält er für denkbar, aber wenig wahrscheinlich. Zumal es bei Ansteckungsgefahr ohnehin verboten sei.

Ein Bestellsystem, wie anderswo üblich und von vielen Eltern gewünscht, ist für die Awo keine Alternative. „So eine Software ist sehr teuer und müsste umgelegt werden“, erklärt Gersdorf. Zudem verfüge nicht jeder über einen Internetanschluss. „Die Pauschale ist keine Lösung, die jeden glücklich macht, aber wir denken, dass es eine gute ist und hoffen, dass die Zeit das zeigt.“ Für Anfang 2017 plant die Awo eine Konferenz zum Thema mit allen Elternbeiräten. Wer nicht so lange warten will, dem bleibt nur der Weg der Klage oder ein Kita-Wechsel.

Von Thomas Haegeler

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