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Europa-Premiere in Altenburg

Europa-Premiere in Altenburg

Es darf als spektakulär bezeichnet werden: Erstmals in Europa wird das malerische Schaffen von Raden Saleh in einer Ausstellung in dieser Breite gezeigt - im Altenburger Lindenau-Museum.

Altenburg.

Zum Teil werden Gemälde präsentiert, die seit ihrer Entstehung nicht mehr in Deutschland zu sehen waren, sagt Direktorin Julia M. Nauhaus. Entsprechend groß ist das Publikumsinteresse zur Vernissage am Sonnabend, entsprechend hochkarätig besetzt die erste Reihe der Ehrengäste.

 

Kraftvoller Überschwang und opulente Üppigkeit bei Motiven und Gestaltung seiner Malerei, Präzision und Zartheit in den Zeichnungen, hier wie dort gediegenes Handwerk - diese Sonderschau dürfte dem Lindenau-Museum so manchen Besucherzuspruch garantieren. Wünschenswert wäre ein Ansturm aufs Haus an der Gabelentzstraße in jedem Falle. Denn jener Mann, der hier im Mittelpunkt steht, ist eine Entdeckung wert: Raden Saleh (1811-1880).

 

Erstmals haben Kunstinteressierte in Deutschland überhaupt Gelegenheit, das Werk des javanischen Malers in einem solch breitgefächerten Spektrum kennenzulernen. Bislang ist es eher eine begrenzte Klientel, die Saleh zu schätzen weiß, teils in aufsehenerregendem Maße. Für ein Hauptwerk zahlt ein Sammler erst kürzlich auf einer Kölner Kunstauktion stattliche zwei Millionen Euro. Doch in seiner Heimat Indonesien war Saleh lange Zeit vergessen. Erst eine umfassende Ausstellung 2012 in Jakarta weckt Aufmerksamkeit, rückt seine Bedeutung in ein neues Licht und wird am Ende als großer Erfolg gefeiert.

 

Dass Saleh nunmehr auch in Europa, in Altenburg, ein Podium findet, ist der Vermittlung von Werner Kraus zu verdanken. Der promovierte Wissenschaftler aus Passau, ausgewiesener Kenner der Kunst Asiens, hat 2011 die Exposition "Indien als Bilderbuch" im Lindenau-Museum kuratiert und Julia M. Nauhaus nach deren Amtsantritt vor einem Jahr ein Projekt zu Saleh angetragen. "Da ich in meiner bisherigen Tätigkeit sehr viel zum 19. Jahrhundert gearbeitet habe, fiel seine Anregung bei mir auf fruchtbaren Boden", so die Museumschefin. Und auch das konzeptionell Verbindende zu Lindenau stellt sich rasch heraus. Abgesehen davon, dass ein Blatt zu den Beständen der hiesigen Grafischen Sammlung zählt, gilt es als sicher, dass sich Raden Saleh und Lindenau des Öfteren begegnet sein müssen. Dokumentarisch belegt ist es indes nicht.

 

Geboren 1811 in der damaligen holländischen Kolonie Java als Sohn einer gebildeten Herrscherfamilie erhält Raden Saleh mit acht Jahren seinen ersten Kunst- und Zeichenunterricht. Mit 18 beginnt er ein Studium der Porträt- und Landschaftsmalerei in Den Haag und ist damit der erste Asiate, der in Europa eine klassische akademische Ausbildung dieser Art erhält. Später arbeitet er als unabhängiger Künstler in Holland und begibt sich auf Reisen durch Deutschland. 1840 lässt er sich in Dresden nieder. Erst 1851 kehrt der Maler nach Java zurück. Bis dahin bewegt er sich in obersten Gesellschaftskreisen und auf gehobenen Künstlerparkett in Frankreich, England, Holland. Allerorten schwindet sein anfänglicher Status als "Prinz" aus einem Märchenreich, als der er sich gefällt und auch porträtiert wird, stets einer uneingeschränkten Akzeptanz.

 

Doch nicht nur die exotische Aura, sondern vor allem die Exotik in den Sujets seiner Kunstwerke und die schwärmerische Leidenschaft, mit der er zu Werke ging, finden Gefallen. Detailbesessene Darstellungen von Löwen- und Büffeljagden, Reiterszenen, Tierstudien wecken Fernweh und die Sehnsucht nach Erkundung fremder Kulturen. Insofern wird Raden Saleh nicht nur zum Begründer der modernen indonesischen Malerei, sondern gleichermaßen zu einem Mitgestalter bei der Weiterentwicklung des deutschen Orientalismus.

 

An die großen Erfolge seiner ersten Europa-Jahre kann Saleh später nicht mehr anknüpfen. Zwar avanciert er nach 1850 auch auf Java zum anerkannten Maler, doch nach einem auf unbegründetem Verdacht beruhenden Gefängnisaufenthalt erholt er sich nie wieder von diesen zerstörerischen Erfahrungen. Daran kann auch eine neuerliche Europareise zwischen 1875 und 1878 nichts mehr ändern. Saleh stirbt 1880 verarmt und traumatisiert in seiner Heimat. Dass sein Werk lange Zeit zu Unrecht vergessen war, zeigt diese Ausstellung im Lindenau-Museum.

 

Nicht von ungefähr also ist die Prominentendichte am Sonnabend zur Vernissage besonders groß. Durch Vermittlung von Kurator Werner Kraus kann das Museum den ehemaligen indonesischen Präsidenten, Professor Bacharuddin Yusuf Habibie, und den derzeitigen indonesischen Botschafter in Deutschland, Eddy Pratomo, als Gäste willkommen heißen. Habibies verstorbene Frau soll sogar eine Blutsverwandte des Künstlers sein. Dies und der sensationelle Erfolg der Saleh-Ausstellung im Vorjahr in Jakarta hätten ihn gar keine andere Wahl gelassen, als nach Altenburg zu kommen, sagt der ehemalige Präsident augenzwinkernd und in ausgezeichnetem Deutsch. Denn wie der Künstler hat auch er in Deutschland studiert, bringt es später bis zum zum Vize-Generaldirektor bei Messerschmitt-Bölkow-Blohm. Noch heute besitzt Habibie ein Haus in Hamburg. In Thüringen indes war der 77-Jährige bislang noch nie. Dafür zeigt er sich um so mehr von den Altenburgern und ihrer Gastfreundschaft, aber auch von der Thüringer Küche beeindruckt. Der Sauerbraten hat es ihm besonders angetan.

 

Wenn solch hohe Staatsgäste in der Skatstadt weilen, dann ist selbstverständlich auch die Thüringer Landesregierung präsent. Weil Kulturminister Christoph Matschie verhindert ist, springt Wirtschaftsminister Matthias Machnig (beide SPD) ein und hält am Sonnabend das Grußwort. Eine Chance, in kulturellem Umfeld auch die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder zur Sprache zu bringen.

Frank Engelmann und Ellen Paul

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