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Ex-Altenburger tischt beim Prozess wegen Widerstands unglaubliche Geschichten auf

Justiz Ex-Altenburger tischt beim Prozess wegen Widerstands unglaubliche Geschichten auf

Ein ehemaliger Altenburger ist wegen Widerstands gegen Polizisten vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden. In der Verhandlung hatte er seine Tat mit unglaublichen Geschichten begründet. So habe er verdeckte Überwachungstechnik des Bundeskrimnalamtes in seiner Wohnung schützen müssen, erklärte er.

Der Angeklagte tischte dem Richter vorm Altenburger Amtsgericht abstruse Räuberpistolen auf. (Symbolfoto)

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Als die Polizisten am 7. Juli 2015 kamen, um seine Wohnung in der Rousseaustraße zu räumen, stellte sich Andreas Klimmeck vor die Tür. Nach zehn Minuten guten und später energischen, aber eben erfolglosen Zuredens wurden die Beamten rabiat, drückten ihn zu Boden, fesselten und setzen ihn in einen Wagen.

Am Dienstag nun war zu erfahren, warum Klimmeck Widerstand gegen die Staatsmacht leistete. Er stand deswegen vor dem Amtsgericht Altenburg, weil er einen Strafbefehl über 600 Euro nicht akzeptiert hatte, mit dem das Querulantentum dann gesühnt gewesen wäre. Das aber wollte Klimmeck nicht. Er wollte seinen Widerstand öffentlich begründen und zauberte mit seinen Geschichten ungläubiges Staunen und bald auch Schmunzeln auf die Gesichter von Richter und Staatsanwalt.

Denn Kimmecks Widerstand vor der Tür hatte einen Grund. In der Wohnung befand sich geheime Übertragungstechnik von Bundeskriminalamt (BKA), Verfassungsschutz und kriminellen terroristischen Vereinigungen, wie der Angeklagte erläuterte und auch auf die Frage des Staatsanwaltes ein Antwort hatte, was an Terror-Technik schützenswert sei. Eine Enttarnung könnte jahrelange Ermittlungen gefährden, behauptete Klimmeck.

„Musste geheime Technik des BKA schützen“

Solcherlei Gerätschaften fand die Polizei in der Wohnung freilich nicht, wie ein Beamter als Zeuge erklärte, der eigens dazu aus Nordhausen angereist war. Diese Technik könne er auch gar nicht entdecken, entgegnete wiederum der Angeklagte, weil normalen Polizisten eine solche Ausbildung dazu fehle. Nun wurde es dem Staatsanwalt offensichtlich zu bunt. Auch weil Klimmeck nur passiven Widerstand geleistet hatte, geständig war und Reue zeigte, bot er dem Angeklagten an, das Verfahren einzustellen.

Das lehnte Klimmeck, der sich selbst verteidigte, ab, weil er einen kompletten Freispruch wollte. Deswegen beantragte er, acht Zeugen vorzuladen, die bestätigen würden, dass er wegen seiner verdeckten Tätigkeiten in Altenburg Personenschutz bekommen würde. Bestätigen sollten dies unter anderem Altenburgs Polizeichef Andreas Pöhler, zwei Staatsanwälte und zwei Insassen von Haftanstalten, die im Kahn ebenso verdeckt für das BKA ermitteln würden. Einer der verlangten Zeugen, ein Polizeihauptkommissar, war zufällig geladen und erklärte, von Personenschutz für Klimmeck rein gar nichts zu wissen.

Nach anderthalbstündiger Verhandlung fiel das Urteil in einem der merkwürdigsten Prozesse vor dem Amtsgericht. Klimmeck wurde zu einer Geldstrafe von 300 Euro verurteilt und muss die Kosten des Verfahrens tragen. Dagegen legte er natürlich sofort Einspruch ein.

Seine Geschichten vom BKA und den verdeckten Ermittlungen sind einigen im Landkreis bekannt. Klimmeck hatte sie vor der Verhandlung bereits Kommunalpolitikern, Behördenleiter, Geschäftsleuten und auch der Osterländer Volkszeitung aufgetischt.

Von Jens Rosenkranz

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