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Fachärztin aus Weißrussland fühlt sich vom Landratsamt bei Niederlassung gegängelt

Einbürgerung Fachärztin aus Weißrussland fühlt sich vom Landratsamt bei Niederlassung gegängelt

Die Medizinerin Nazeya Dubovik würde sich im Altenburger Land gern als Fachärztin niederlassen. Doch der hervorragend ausgebildeten Weißrussin, die seit 2010 in Schmölln lebt und fließend deutsch spricht, wird vom Landratsamt die Erlaubnis verweigert. Sie fühlt sie gegängelt und hat resigniert. Der Fall landet nächste Woche vor dem Verwaltungsgericht.

Nazeya Dubovik mit ihrem Ehemann und Anwalt in Altenburg. Womöglich kehrt sie dem Altenburger Land den Rücken.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg/Schmölln. Nazeya Dubovik ist eine Fachärztin für Endokrinologie aus Minsk. Als solche ist die Weißrussin speziell für Diabetes- und Schilddrüsenerkrankungen qualifiziert und besitzt besondere Fähigkeiten im Bereich von Herz- und Gefäßkrankheiten. Solche Ärzte sind an sich sehr begehrt. Das Altenburger Land hat für die 45-Jährige, die in Schmölln lebt und fließend Deutsch spricht, keine Verwendung. Ihren Antrag auf Niederlassung lehnte das Landratsamt ab, mittlerweile besitzt sie nicht einmal mehr eine Aufenthaltserlaubnis. Ihr Schicksal beschäftigt nun die Justiz. Am Mittwoch wird ihr Fall vor dem Verwaltungsgericht Weimar verhandelt.

Dabei hatte Nazeya Dubovik einen guten Start in Deutschland. 2007 lernte sie in Weißrussland ihren jetzigen Ehemann aus Schmölln kennen, mit dem sie gemeinsam hier leben wollte. Am 25. Oktober 2010 reiste sie in die Bundesrepublik ein, erhielt zwei Tage später vom Landesverwaltungsamt eine Erlaubnis zur Ausübung des ärztlichen Berufes und weitere zwei Tage darauf auch eine Aufenthaltserlaubnis vom Landratsamt. Das alles geht aus Unterlagen hervor, die der OVZ vorliegen. Dort ist ebenso ihre Approbation als Ärztin vom 16. Oktober 2013 dokumentiert.

Dem voraus ging eine Anstellung im Kreiskrankenhaus Greiz ab 2010, an die sich 2014 eine Tätigkeit in der Pleißental-Klinik in Werdau anschloss. „Die Qualifikation und die Persönlichkeit von Frau Dubovik entsprechen genau den Anforderungen, die ein Arzt in unserem Haus einbringen sollte“, freute sich Wolfgang Rost, Geschäftsführer des Greizer Krankenhauses in einem Schreiben an das Landesverwaltungssamt, weil er diese Stelle bis dahin trotz intensivster Bemühungen nicht besetzen konnte.

Das alles half Nazeya Dubovik nicht, als sie am 11. November 2014 einen Antrag auf Niederlassungserlaubnis im Landratsamt stellte, mit dem sie nun endlich auch ein uneingeschränktes Aufenthaltsrecht in Deutschland erlangen wollte. Am 9. Juni 2015 lehnte die Kreisbehörde diesen Antrag ab. Begründung: Dubovik könne nicht nachweisen, dass sie ihren Lebensunterhalt sichern könne, denn das sei Voraussetzung für die Niederlassungserlaubnis. Von da an schlitterte der Fall über juristisches Glatteis, denn Nazeya Dubovik, die bis dahin bereits dutzende Belege für alle möglichen anderen Anträge vorbringen musste, hatte die Nase von der deutschen Bürokratie voll.

Sie übergab die Angelegenheit ihrem Lebenspartner aus Schmölln, mit dem sie seit 2015 verheiratet und der ein Rechtsanwalt ist – ein kompromissloser noch dazu. Die Fronten zwischen ihm und der Kreisbehörde verhärteten sich drastisch. Der Anwalt trat vor dem Kreistag auf und schrieb im April 2015 an Landrätin Michaele Sojka (Linke): „Es ist menschlich nicht nachvollziehbar, dass meine Mandantin über zwei Jahre einen Anspruch auf Erteilung einer unbefristeten Aufenthaltserlaubnis hat, diese nicht bekommt, ihre Arbeit verliert und aus Dank, dass sie als Ärztin Menschen geholfen hat, aus Deutschland abgeschoben wird“, heißt es. „Ich bitte Sie daher um Mithilfe bei der Suche nach einer vernünftigen Lösung“.

Antwort bekam der Anwalt von Sojka nicht. Die zuständige Sachbearbeiterin teilte ihm 14 Tage später mit, Nazeya Dubovik solle doch eine Aufenthaltserlaubnis beantragen. Nun reichte der Anwalt Klage ein.

Die Landrätin bedauerte den Vorfall gegenüber OVZ, wollte sich wegen des Klageverfahrens dazu aber nicht äußern. Natürlich brauche der Landkreis Ärzte, jeder sei herzlich willkommen, sagte sie. Nur müssten eben die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein. Darauf habe sie ihre zuständige Behörde ausdrücklich hingewiesen. Anlass dafür war vor allem der Fall des Österreichers Mario-Max zu Schaumburg Lippe. Der Prinz war im Januar 2009 durch das Landratsamt in Deutschland eingebürgert worden. Danach tobte ein Streit, ob dies juristisch sauber war.

Nazeya Dubovik ist nach dem jahrelangen Hick-Hack mit den Nerven am Ende. Sie fühlt sich vor allem von der zuständigen Sachbearbeiterin im Landratsamt gegängelt, sagte sie der OVZ. Die Ärztin fragt sich, warum ihr Fall grundlos in die Länge gezogen wurde, warum ihr die Behörde nicht entgegenkam, sich die Landrätin nicht eingeschaltet hat, als dies noch möglich war. „Ich dachte, ich kann dem Landkreis als Ärztin helfen. Stattdessen bin ich nun arbeitslos.“

Von Jens Rosenkranz

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