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Familie aus dem Altenburger Land soll Krankenkasse betrogen haben

Aus dem Gerichtssaal Familie aus dem Altenburger Land soll Krankenkasse betrogen haben

Eine Familie aus dem Altenburger Land soll die Krankenkasse über Jahre übers Ohr gehauen und so 19 000 Euro zusätzlich kassiert haben. Jetzt mussten sich die Eheleute dafür vor dem Schöffengericht verantworten.

Ein Ehepaar aus dem Altenburger Land musste sich jetzt wegen Krankenkassenbetruges vor Gericht verantworten.

Quelle: dpa

Altenburg. Nein, auf Rosen gebettet sind Daniela und Andreas T. wirklich nicht. Die Eheleute haben vier Kinder, leben in einem kleinen Häuschen in einem kleinen Ort im Altenburger Land und alleiniger Geldverdiener ist der 47-jährige Ehemann. Daniela T. ist hingegen schon immer Hausfrau und bringt deshalb keinen eigenen Cent in die ohnehin klamme Familienkasse ein, hat aber augenscheinlich mehr als genug mit dem Haushalt und den Kindern zu tun, von denen der Mittlere zudem schwer erkrankt ist.

Und der wegen seiner Erkrankung regelmäßige wie teure und langwierige Spezialbehandlungen brauchte, die nur in der knapp 500 Kilometer entfernten Universitätsklinik Münster angeboten wurden. Weitere Behandlungen fielen zudem regelmäßig in Jena an.

Und Vater Andreas zirkelte es mit seiner Arbeit immer so hin, dass er die langen Fahrten mit seinem Sohn zu den Behandlungen nach Münster oder Jena selber übernahm. Die anfallenden Fahrkosten konnte er bei der gesetzlichen Krankenkasse abrechnen, bei der der Sohn versichert ist. Recht unbürokratisch verlief dabei die Abrechnungsprozedur und das dringend benötigte Geld floss dann faktisch schon am nächsten Tag auf das Konto des Ehemannes, der alleiniger Inhaber dessen war und ebenso allein die Verfügungsgewalt über die Finanzen hatte. Für die einfache Fahrt nach Münster wurden von der Kasse knapp 180 Euro gezahlt, für eine Jena-Fahrt um die 14 Euro. Die entsprechend beglaubigten Sammelbelege akzeptierte die Kasse sogar lange per Fax, die zumeist die Ehefrau schickte.

Und dieses lockere Verfahren brachte Daniela T. wohl auf die Idee, die Fahrtbelege zu manipulieren und Fahrt um Fahrt dazu zu erfinden.

Weshalb sich beide Eheleute jetzt vor dem Schöffengericht verantworten mussten. Gemeinschaftlicher Betrug in einem besonders schweren Fall warf die Staatsanwaltschaft beiden Eheleuten vor. Alles in allem sollen sie mit dieser Masche um die 19 000 Euro unberechtigt eingestrichen haben.

„Ich weiß von nichts und habe damit nichts zu tun. Die Abrechnungen hat allein meine Frau eingereicht. Darum habe ich mich nie gekümmert“, beteuerte der Mann. Was Daniela T. bestätigte: „Andreas hat damit nichts zu tun. Das war ich ganz allein“, gestand sie unumwunden. Wobei die Tricksereien der 44-Jährigen ziemlich simpel waren und eigentlich rasch auffallen mussten. Mit Tipp-Ex und Tintenkiller veränderte sie auf den Originalen die genauen Fahrtdaten oder trug zusätzliche frei erfunden ein. Da sie für den schnellen Versand der Belege immer ein Fax benutzte und nie die Fälschungen auf einen Blick offenbarende Originale ankamen, ging die Masche dreieinhalb Jahre lang auch gut.

Wenngleich die Frau, die mit ihren Betrügereien ja das Konto ihres Mannes dicker werden ließ und darauf keinerlei Zugriff hatte, überhaupt keinen Nutzen von den Betrügereien hatte. „Ich habe einfach gehofft, dass mal etwas mehr auch für mich abfällt. Ich habe ja nichts und kann auch nicht sagen, warum ich sowas gemacht habe“, sagte sie unter Tränen.

Ohnehin war das Bild, das sich von Familie T. in der Verhandlung unter Leitung von Richter Sandy Reichenbach zeichnete, ein ziemlich freudloses. Daheim hatte der Mann als Alleinverdiener halt das Sagen. Die Frau, beide Eheleute kümmern sich übrigens hingebungsvoll um ihre Kinder, hingegen führte ein regelrechtes Schattendasein. Eigentlich konnte sie einem leid tun.

Aber sowas schützt nicht vor Strafe: Der Mann wurde freigesprochen, weil es glaubhaft war, dass er keinerlei Manipulationen an den Belegen gemacht hatte. Und Daniela T. wurde wegen Betrugs in besonders schwerem Fall in 32 Fällen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt Ihr wurde eine Bewährungshelferin zur Seite gestellt, die auch helfen soll, dass Daniela T. nicht permanent mit der Familie hart an der eigenen Belastbarkeitsgrenze ist.

Das Urteil ist rechtskräftig. Wo die zuviel gezahlten knapp 19 000 Euro geblieben sind, wurde in der Verhandlung nicht geklärt. Denn auch Andreas T. als Alleininhaber des Kontos bestritt vehement, einen zusätzlichen Geldeingang bemerkt zu haben, wie die Frau auch bestritt, Zugriff auf das Konto zu haben. Letztendlich ist es auch egal, wer das Geld in der Familie wofür ausgegeben hat oder ob es tatsächlich unbemerkt versickerte. Zurückzahlen muss es Familie T. jetzt allemal. Und einiges Unverständnis blieb auch für das Agieren der Krankenkasse, die den Betrug offensichtlich dreieinhalb Jahre nicht bemerkt haben soll.

Von Jörg Wolf

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