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Familienfreundlich?

Familienfreundlich?

Gemeinsam wollen sich Landkreis und Kreisstadt einer unabhängigen Prüfung unterziehen, inwieweit sie "familiengerecht" ausgestattet sind und ihre Politik, Aktivitäten und Planungen entsprechend ausgerichtet haben.

Die dazu notwendigen Beschlüsse wurden auf den jüngsten Sitzungen von Kreistag und Stadtrat mehrheitlich gebilligt. Landrätin und Oberbürgermeister sind damit ermächtigt, die Verträge mit dem auf solche Projekte spezialisierten Verein Familiengerechte Kommune mit Sitz im nordrhein-westfälischen Gütersloh zu unterzeichnen. Die Kosten belaufen sich auf rund 30 000 Euro für den Kreis und 20 000 Euro für Altenburg, die jeweils komplett vom Land Thüringen übernommen werden.

 

Denn für den Freistaat hat die gleichzeitige sogenannte Auditierung für einen Landkreis und eine Stadt Pilotcharakter. Das Thüringer Sozialministerium hatte deshalb gemeinsam mit der Stiftung Familiensinn zur Teilnahme an einer solchen Bewertung aufgerufen und der Landkreis und die Stadt Altenburg bekundeten gemeinsam ihr Interesse. Nicht zuletzt, weil Erfurt mit dem dezenten Hinweis, die Region sei schließlich vom demografischen Wandel besonders betroffen, schon frühzeitig den Erfolg der Bewerbung in Aussicht gestellt hatte.

 

Über vier Jahre hinweg wird der Verein Familiengerechte Kommune nun unter anderem Aspekte wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Bildung und Erziehung, Wohnumfeld und Lebensqualität sowie Beratung und Unterstützung überprüfen. Ziel dieser umfangreichen Bestandsaufnahme aller örtlichen familienbezogenen Leistungen ist die Entwicklung einer familiengerechten Gesamtstrategie, heißt es in den praktisch gleichlautenden Begründungen der beiden Beschlussanträge.

 

Doch während das Papier im Kreistag diskussionslos durchgewinkt wurde, gab es im Altenburger Stadtrat Gesprächsbedarf. "Wir haben viele Familien, die Unterstützung brauchen, aber ein Zertifikat nützt ihnen herzlich wenig", kritisierte Detlef Zschiegner (FDP) und meinte drastisch: Ein solches Zertifikat könne man auf dem Briefkopf verwenden - oder auf dem stillen Örtchen. Auch Stefanie Apel (Pro Altenburg) meldete Bedenken an, denn von der Informationsveranstaltung im Landratsamt sei sie "maßlos enttäuscht" gewesen. Es sei bedenklich, wenn deutschlandweit Zertifikate ausgestellt würden, die den Kommunen nichts bringen.

 

"So ein Zertifikat ist ein Standortvorteil", hielt Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) dagegen und bekam auch Unterstützung vom Stadtrat. Ein Stempel für Briefköpfe und Ortsschilder sei das eine, so Linken-Fraktionsvize Harald Stegmann. Aber wenn Studenten in den nächsten Jahren Stadt und Region gründlich auf ihre wirkliche Familenfreundlichkeit checken, "dann wissen wir, was zu tun ist".

 

Der Weg ist das Ziel, meinte auch Christoph Zippel. Entscheidend in dem Prozess der Auditierung seien "all die Dinge, die mit dem Blick von außen aufgedeckt werden", so der Christdemokrat. Günter Neumann

Günter Neumann

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Von Redakteur Gabriele Neumann

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