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Fast 4000 Besucher bei Gerhard Altenbourg – am Sonntag letzte Chance

Beeindruckende Bilanz Fast 4000 Besucher bei Gerhard Altenbourg – am Sonntag letzte Chance

Sie sollten wieder in jene Stadt zurück, in der sie entstanden sind. Das war das Credo von Suse und Werner Pfäffle. Deshalb überließ das Stuttgarter Ehepaar 24 Zeichnungen und eine Skulptur von Gerhard Altenbourg dem Lindenau-Museum. Die Ausstellung mit diesen Werken sahen seit der Eröffnung am 3. Dezember fast 4000 Besucher. Am Sonntag ist die letzte Gelegenheit.

Schon die Ausstellungseröffnung war über alle Maßen gut besucht, sogar der Thüringer Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff kam (3.v.l.) kam nach Altenburg, um Altenbourg zu sehen.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Sie sollten wieder in jene Stadt zurück, in der sie vor vielen Jahren entstanden sind. Das war das Credo von Suse und Werner Pfäffle. Deshalb überließ das Stuttgarter Ehepaar 24 erlesene Zeichnungen und eine Skulptur von Gerhard Altenbourg in einem Gesamtwert von schätzungsweise einer halben Million Euro dem Lindenau-Museum. Bedingungslos und voll der Überzeugung, dass die Arbeiten hier sensibel wahrgenommen und ausgestellt werden. Und genau dies tat das Museum zum 90. Geburtstag jenes Mannes, der sich seiner Stadt so verbunden fühlte, dass er sich nach ihr benannte. Kombiniert wird die Präsentation der Schenkung Pfäffle mit bislang nie gewährten Einblicken in das Leben des Malers, Grafikers und Lyrikers.

Mit überwältigendem Erfolg. Fast 4000 Gäste besuchten seit der spektakulären Eröffnung am 3. Dezember – mit der Uraufführung einer Vertonung von Altenbourg-Texten durch Musiker des Landestheaters – die Sonderausstellung. Das Lindenau-Museum konnte dabei eigenen Angaben zufolge auffallend viele jüngere Besucher begrüßen, die oftmals extra aus diesem Anlass aus großer Ferne angereist waren. „Der Run in den letzten Wochen war unglaublich, am vergangenen Sonntag waren es allein 170 Einzelbesucher“, freut sich Museumschef Roland Krischke. Zu den zwei Vorträgen kamen statt der erwarteten 40 bis 50 Leute beide Male beinahe 80. Beim dritten, der wegen Erkrankung der Referentin leider ausfallen musste, haben Krischke und seine Mitarbeiterin Angelika Wodzicki die Gäste kurzerhand zu Rundgängen eingeladen. Auch hier zählten sie mindestens 70. Nicht minder gut besucht waren die öffentlichen Führungen, wobei es zum Ende immer mehr Leute wurden.

Außerdem haben zwischen 350 und 400 Kinder und Jugendliche die Ausstellung gesehen. Sie beschäftigten sich zudem in Führungen, Workshops und an Projekttagen mit dem Werk des ihnen noch unbekannten Altenburgers. Inspiriert wurden sie unter anderem auch durch die großartigen Metallarbeiten des Künstlers. Ein Novum: Die Metallwerkstatt des Innova-Sozialwerkes bot Möglichkeiten zur eigenen künstlerischen Auseinandersetzung mit diesen Werkstoffen und sowohl Schüler aus der Gemeinschaftsschule „Erich Mäder“ als auch des Friedrichgymnasiums nutzten diese Möglichkeit.

„Angesichts eines solch großen Interesses haben wir uns kurzerhand entschlossen, die Ausstellung um eine Woche bis zum 12. März zu verlängern. Noch bis zum Sonntag besteht also die Möglichkeit, den Künstler und Menschen Gerhard Altenbourg näher kennenzulernen“, lädt Roland Krischke alle, die es bisher verpasst haben oder noch einmal kommen wollen, in das renommierte Haus in der Gabelentzstraße ein.

Bei der Pfäffle-Sammlung handelt es sich um Werke, die das gesamte Schaffen Altenbourgs umspannen – die früheste Arbeit stammt von 1948, der Messingguss „Verlobte“ entstand 1989 kurz vor seinem Unfalltod. Die Zeichnungen sind von ausgesuchter Qualität sowie im besten Zustand. „Unsere Nachbarn haben uns oft gefragt, ob wir eigentlich nie zu Hause wären, denn bei uns seien immer die Jalousien heruntergelassen“, hatte Werner Pfäffle einmal der ehemaligen Museumsdirektorin Julia M. Nauhaus, die die Schenkung auf den Weg brachte, erzählt. Doch die Sammler wollten damit „nur“ die wertvollen Zeichnungen vor Licht schützen.

Die Kunstfreunde Suse und Werner Pfäffle erwarben 1993 spontan ihren ersten Altenbourg. „Sie waren so begeistert, dass sie gleich eine Flasche guten Wein geköpft haben“, weiß der Kurator der Ausstellung, Lucius Grisebach, Kunsthistoriker und Gründungsdirektor des Neuen Museums Nürnberg, zu berichten. Bis 2013 haben sie gesammelt, ganz gezielt, sehr individuell und keinesfalls schleppnetzartig, so Grisebach. „Das alles sind herausragenden Einzelarbeiten.“

So eröffnet sich aus der Dichte ihrer Kollektion ein interessanter Blickwinkel auf das Schaffen eines Mannes, mit dem sich der Kunstbetrieb in der DDR schwer tat. Altenbourg, geboren 1926 als Gerhard Ströch, war 1950 wegen „Amoralität der Motivwahl“ nach zwei Jahren von der Weimarer Kunsthochschule exmatrikuliert worden und ließ sich im Sozialistischen Realismus kaum verorten. Erst zu seinem 60. Geburtstag gab es 1986 offiziell große Ausstellungen in Dresden und Leipzig, während er zu diesem Zeitpunkt im Westen längst einen Namen hatte.

Dank der Gerhard-Altenbourg-Stiftung gelingt es der Schau, viel von jenem Umfeld zu offenbaren, in dem die herausragenden Werke entstanden. Das Wohnhaus im Braugartenweg ließ Altenbourgs Vater 1930 erbauen. Der Künstler lebte hier mit seiner Schwester Anneliese Ströch. Er gestaltete sein Domizil nach dem Tod seiner Mutter ab 1965 nach eigenem Gusto, als „Verwirklichung meiner selbst“, wie er es nannte.

Einblicke in dieses „Gehäuse“ geben eine Vielzahl von Fotografien, aber auch Teile der umfangreichen Bibliothek des Künstlers und ganz besondere Objekte aus dem Haus: Kleinplastiken, Entwurfszeichnungen, Grafiken und auch zwei Türen. Zu sehen sind Bilder des Fotografen Ulrich Lindner, der Altenbourgs ganz privaten Lebensraum kurz nach dessen Tod dokumentierte. Dabei sucht Lindner eher die Verfremdung durch Schwarz-Weiß, während Claus Bach in seinen Fotos von 2013 auf Farbe setzt. Zu sehen ist nicht zuletzt ein kurz nach der Wende im Wohnhaus gedrehter Fernsehfilm.

Die Ausstellung ist noch bis zum Sonntag, dem 12. März, zu sehen. Das Museum ist heute von 12 bis 18 Uhr sowie am Sonnabend und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Ellen Paul und Ingrid Leps

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