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Fast vergessene Geschichte

Fast vergessene Geschichte

"Das schwarze Gold im Altenburger Land" heißt die neue Sonderausstellung, die heute in der sanierten Orangerie in Altenburg öffnet. Für viele ist die Schau eine Reise in die eigene Geschichte.

Altenburg.

Denn die Bergbrüderschaft Meuselwitz-Rositzer Braunkohlenrevier erinnert an die Historie des Bergbaues in Altenburg und in der Region. Die OVZ schaute sich schon vorab um und entdeckte viel Sehenswertes.

 

 

 

"Bitteschön", sagt Bernd Lindner mit einer einladenden Geste. Sorry, aber der Eingangsbereich zum eigentlichen Ausstellungsraum wirkt in der sonst so schmuck sanierten Orangerie ziemlich provisorisch. Denn wer sich auf die Spuren des Bergbaues begeben will, der muss erst durch ein Stück Bergbauschacht. "Deutscher Türstock, so wurden früher unter Tage die Schächte ausgebaut, die das Deckgebirge halten sollten", erklärt der 71-Jährige. Wie seine Mitstreiter von der Bergbrüderschaft ist Lindner vom Fach, war von 1972 bis zum Schluss im Bergbau tätig.

 

Dass man jetzt mit einer solchen Ausstellung - vorerst bis zum Jahresende - an so prominenter Stelle wie dem Teehaus an dieses Kapitel Industrie- geschichte erinnern kann, macht Bernd Lindner sichtlich stolz. "Wie uns alle, denn hier schließt sich vorerst ein Kreis. Fünf Jahre haben wir seit der Gründung unserer Brüderschaft dafür gearbeitet und gekämpft, über längere Zeit so einen Ort für die Präsentation zu haben."

 

Wenngleich der sicher nur ein Anfang sein kann. Denn Belege wie Fotos oder Dokumente sowie originale Zeitzeugnisse mitsamt der wohl größten ausstellbaren Schmuckbrikettsammlung Mitteldeutschlands haben die Bergbrüder im Laufe der Jahre bergeweise zusammengetragen. "Die jetzige Ausstellung auf ihren 80 Quadratmetern ist deshalb nur ein Konzentrat aus unserem Fundus", meint der gelernte Ingenieur fast ein wenig entschuldigend.

 

Entsprechend dicht gedrängt springt den Besucher diese facettenreiche Geschichte auf so kleinem Raum regelrecht an. "Wir haben uns in einer fünfköpfigen Arbeitsgruppe seit Januar, als das Angebot von der Stadt für diesen Ausstellungsort unterbreitet wurde, einmal pro Woche zur Vorbereitung getroffen. Und es kamen immer neue Ideen hinzu. Irgendwann musste ein Machtwort gesprochen werden und die Umsetzung erfolgen", erinnert sich Lindner.

 

Manches kann da nur angerissen werden oder kommt sogar ein wenig zu kurz. Immerhin gab es im hiesigen Revier 36 Brikettfabriken und Tagebaue. Auf Schautafeln werden alle näher vorgestellt. Aufgrund des begrenzten Platzes können aber nicht alle auf einmal präsentiert werden. "Wir werden diese Tafeln jeden Ausstellungsmonat austauschen, sodass es immer etwas Neues zu sehen gibt", sagt Lindner.

 

Ab heute wird der 71-Jährige mit zwei anderen Bergbrüdern die Führungen durch die Ausstellung an den Sonnabenden oder zu extra vereinbarten Terminen übernehmen. Dass ihm in dieser kleinen Schau der Stoff ausgehen könnte, befürchtet der Experte aber nicht. "Stundenlang könnten wir über den Bergbau mit seinen Kapiteln erzählen. Geschichten haben wir so viele." Diese fachkundigen Erklärungen machen die Ausstellung erst zum Erlebnis.

 

Wenngleich so manches präsentierte Exponat seine eigene Geschichte erzählt: Beispielsweise die Schmuckbrikettsammlung, von der auch nur ein Teil in der Orangerie gezeigt werden kann. Dass diese Briketts auch westlich der Elbe viele Fans hatten, zeigt jener liebevoll bemalte Ganzstein, der in Verehrung des 1. FC Köln entstand.

 

Oder das 2010 sanierte große Wappen des hiesigen Reviers. "Unser Schmuckstück", sagt der Experte. Es zierte im 19. Jahrhundert ein Ausstellungszelt bei einer Industrie-Schau in Leipzig und lag vergessen auf dem Dachboden des Rositzer Kulturhauses.

 

Und gerne verharrt Bernd Lindner in jener Ecke, in der an das sonstige Leben im einstigen Kollektiv erinnert wird. Da steht natürlich auch eine Flasche des obligatorischen Bergmannsschnapses, den früher die Kumpel als Teil der Entlohnung für ihre harte Arbeit bekamen - für lächerliche 1,12 Ostmark die Flasche. Nicht umsonst hieß der Klare umgangssprachlich auch Bergmannsfusel.

 

Manche dieser Fläschchen wurde sicher auch in jenen fröhlichen Runden geleert, von denen - neben anderen Aktivitäten - in zahlreichen Brigadetagebüchern berichtet wird. "Auch davon haben wir noch sehr viele. Schon allein darin zu stöbern, ist ein Erlebnis für sich."

 

iDie Sonderausstellung in der Orangerie ist jeden Sonnabend von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Termine für Gruppenführungen können mit Bernd Lindner (% 03447 314274) oder Hans-Jürgen Franke (% 034498 41416) vereinbart werden.

Jörg Wolf

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