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Faszinierende Entdeckungsreise: Lindenau-Museum zeigt Werke von Werner Heldt

Faszinierende Entdeckungsreise: Lindenau-Museum zeigt Werke von Werner Heldt

Zum zweiten Mal offeriert das Lindenau-Museum im Rahmen seiner im Vorjahr ins Leben gerufenen Reihe "Altenbourg im Dialog" eine Präsentation zu diesem Thema.

Altenburg.

Diesmal steht der eindeutig zu Unrecht (fast) vergessene Maler und Zeichner Werner Heldt im Mittelpunkt. Mit einer überaus gut besuchten Auftaktveranstaltung ist die Sonderschau am Sonnabendnachmittag eröffnet worden.

 

Werner Heldt erweist sich als Entdeckung. Als einzige Einrichtung dieser Art in ganz Deutschland nimmt das Lindenau-Museum Altenburg in diesem Jahr zwei Gedenktage zum Anlass, den bemerkenswerten Künstler und Menschen Werner Heldt mit einer solchen Ausstellung zu ehren. Der 1904 Geborene würde in diesem Jahr seinen 110. Geburtstag feiern, zugleich jährt sich zum 60. Mal sein Todestag.

 

Ein Künstlerleben, das nur fünf Jahrzehnte umfasste, von denen er bedauerlicherweise nur wenige Abschnitte zu produktiv kreativem, halbwegs unbeschwertem Schaffen nutzen konnte. Dennoch gelang ihm in kurzer Zeit ein bemerkenswertes Werk, in das Interessierte nunmehr in der Übersichtsschau des Lindenau-Museums Einblicke gewinnen können.

 

Rund 50 Arbeiten auf Papier hat Museumsdirektorin Julia M. Nauhaus für die Präsentation ausgewählt, vielfach selten oder nie gezeigte sind darunter. Neben diesen faszinierenden optischen Eindrücken stellt die Kuratorin der Schau einen umfassenden Katalog als Begleitmaterial zur Seite, der aus unterschiedlichen Blickwinkeln Leben und Schaffen von Werner Heldt beleuchtet und in diesen Erörterungen ein greifbares und ausdrucksstarkes Bild eines Künstlers zeichnet, dessen Biografie von tiefen Rissen und mannigfachen Belastungen gekennzeichnet ist.

 

Werner Heldt wurde 1904 als Sohn eines Pfarrers in Berlin geboren. Ab 1922 entstehen erste Arbeiten, zwei Jahre später beginnt er ein Studium an der Berliner Kunstgewerbeschule, die er aber bald wieder verlässt, um an die Akademie der Künste nach Charlottenburg zu wechseln. Eine erste Tragödie in seinem Leben, der tödliche Unfall seiner Jugendliebe 1929, wird zum Trauma und steht am Anfang einer lang andauernden depressiven Phase, der durch weitere Schicksalsschläge und Lebensumstände immer wieder Zusammenbrüche folgen werden.

 

Als 1933 Hitler an die Macht kommt, emigriert Heldt nach Mallorca, muss aber nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges auch dieses Land wieder verlassen. Er findet ab 1936 eine neue Heimat in einem Berliner Atelierhaus, in dem rund 40 Künstler ihr Domizil hatten und knüpft hier wichtige Kontakte zu bedeutenden Zeitgenossen. Doch Heldt, der neben den Repressionen durch die Reichskunstkammer auch wegen seiner Homosexualität ständigen Verfolgungsängsten ausgesetzt ist, kann infolge seiner Depressionen kaum arbeiten. Er geht in die innere Emigration, so konsequent, dass sein künstlerisches Schaffen bis 1945 fast völlig zum Erliegen kommt.

 

Erst nach dem Krieg, ab 1946, entsteht mit nunmehr neu erwachender Energie der Hauptteil seines malerischen und zeichnerischen Œuvres. Werner Heldt avanciert binnen weniger Jahre zu einem geschätzten, auch mit Preisen bedachten Künstler, der die Nachkriegszeit zu prägen versteht. Sein früher Tod 1954 setzt dieser späten Selbstfindung und stetig wachsenden öffentlichen Anerkennung ein jähes Ende.

 

Die Reihe "Altenbourg im Dialog", die ihre Premiere im vergangenen Jahr mit dem Schweizer Martin Disler als Dialogpartner zu Gerhard Altenbourg feierte, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Werk des lange in Altenburg lebenden Meisters in Beziehung zu anderen Künstlerpersönlichkeiten zu setzen. Auf diese Weise, so die erklärte Absicht von Museumsdirektorin Julia M. Nauhaus, würden neue Sichtachsen auf vermeintlich Bekanntes eröffnet und bislang möglicherweise weniger beachtete Aspekte seines Lebenswerks in ein neues, ein anderes Licht gerückt. Diejenigen bildenden Künstler, die ausgewählten Exponaten Altenbourgs gegenübergestellt werden, können sowohl Anreger, Freunde, Wegbegleiter sein, aber auch Geistesverwandte, die in ihrem künstlerischen Konzept, ihrer Philosophie oder ihrem Lebensanspruch Parallelen zu Altenbourg aufweisen.

 

Disler und Altenbourg waren sich persönlich nie begegnet, auch für direkte Kontakte zwischen Werner Heldt und Altenbourg gibt es keine Belege. In letzterem Falle aber existieren etliche Dokumente und eindeutige Nachweise, dass Gerhard Altenbourg Heldt überaus schätzte. Bereits 1949 und 1951 sah Altenbourg erste Werke und befasste sich mit deren Schöpfer, später befanden sich mindestens acht Blätter in seinem Besitz. Eines aus dem Nachlass ist jetzt in der Ausstellung zu sehen.

 

Im Katalog zur aktuellen Sonderschau widmet sich Julia M. Nauhaus der Aufarbeitung eines weit verzweigten Beziehungsgeflechtes, das auf verschiedenen Wegen Erhellung sucht in Bezug auf Gemeinsamkeiten zweier so unterschiedlicher Künstler. Wer tiefer eintaucht in die Materie, wird auch für sich alsbald nachvollziehen können, warum der Thüringer Gerhard Altenbourg die Werke des Berliner Malers Werner Heldt zu schätzen wusste. Die Begegnung mit Werner Heldt im Lindenau-Museum ist eine Entdeckungsreise, die sich lohnt.

 

iAm Sonnabend führt die Direktorin Julia M. Nauhaus durch die Ausstellung. Beginn ist um 15 Uhr.

Frank Engelmann

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