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Fenstersturz: Altenburger Stadträtin tot in Garten gefunden

Annette Fischer Fenstersturz: Altenburger Stadträtin tot in Garten gefunden

Die vermisste Altenburger Stadt- und Kreisrätin Annette Fischer (Linke) ist am Samstagabend tot in einem Garten Am Steinweg gefunden worden. Sie war vermutlich aus dem Fenster eines der Obergeschosse gestürzt und hatte sich schwere Kopfverletzungen zugezogen. Die Staatsanwaltschaft will sich erst nach der Obduktion zur Todesursache äußern.

Aus einem Fenster dieses Hauses am Steinweg soll Annette Fischer gestürzt sein.
 

Quelle: Jens Rosenkranz

Altenburg.  Großeinsatz in der Straße Am Steinweg in Altenburg: Von Sonnabend von kurz vor 20 Uhr bis in die frühen Sonntagmorgenstunden belagerten etliche Polizeikräfte das leere und völlig verwahrloste Gebäude Am Steinweg 9.

Da es in dem Haus keinen Strom gibt, mussten sich die Beamten bei ihrem stundenlangen Einsatz mit Taschenlampen behelfen. Auch Rettungssanitäter und Notarztfahrzeuge versetzten die Anwohnern in Spannung, aber niemand der Schaulustigen wusste so recht, um was es eigentlich ging.

Mittlerweile ist klar, dass der Einsatz der seit Donnerstag vermissten Stadt- und Kreisrätin der Linken, Annette Fischer, galt. Sie wurde von Anwohnern tot am Samstagabend in einem kleinen zugewucherten Garten des Hauses gefunden. Offenbar lag sie dort bereits länger. Von zwei Tagen war die Rede.

Annette Fischer hatte Kopfverletzungen, die offenbar von einem Sturz aus einem der Obergeschosse des Hauses herrührten. Ob diese die Ursache des Todes waren, ist nicht bekannt. Die Polizei bestätigte am Montag lediglich, dass die Kripo „nach dem Auffinden einer toten weiblichen Person am Samstag nunmehr ein Todesermittlungsverfahren“ führt. Man habe die Person eindeutig identifiziert.

Zunächst müsse erst das Ergebnis der beantragten Obduktion abgewartet werden, sagte Staatsanwalt Martin Zschächner der OVZ. Erst danach könne er Angaben zur Todesursache machen. Nach dem ersten Erkenntnisstand gebe es keine Hinweise auf Fremdeinwirkung. Ob es aber tatsächlich Selbstmord oder ein Unfall war, kläre erst die Obduktion, sagte der Staatsanwalt.

Und weil es keine belastbaren Informationen gibt, schossen über das Wochenende die Gerüchte ins Kraut. So hieß es zunächst, dass außer Annette Fischer noch eine weitere, wesentlich jüngere Frau nach einem Fenstersturz gefunden worden sei. Von dem Fall einer 20- bis 30-Jährigen war dabei die Rede, was bis Montag auch bei den Anwohnern Am Steinweg die Runde machte. Von einer solchen jüngeren Person wusste die Polizei jedoch nichts, wie eine Sprecherin auf OVZ-Nachfrage versicherte.

Somit war klar, dass es sich bei der am Steinweg gefundenen Frau nur um die 62-jährige Annette Fischer handeln kann. Sie befand sich vor ihrem Verschwinden in psychiatrischer Behandlung und hatte seit Tagen ihren Rückzug aus der Kommunalpolitik vorbereitet. Ihre beiden Töchter hatten am Donnerstag via Facebook einen Suchaufruf gestartet. „Wir waren einfach tief verzweifelt. Vor allem wegen dieser Ungewissheit. Auch von der Polizei hat man ja nichts erfahren“, sagt eine der beiden unter Tränen der OVZ. Dass dieser Aufruf eine derartige Eigendynamik entwickelt, hätten beide nicht geahnt. „Hätten wir das gewusst, dann wären wir diesen Schritt auch nicht gegangen.“

Binnen weniger Stunden wurde der Suchaufruf weit über 1000-mal geteilt. Und unter den Posts war ein Videoclip, auf dem die Vermisste schwimmend im Großen Teich zu sehen ist. Ein unsäglicher Kommentar inklusive. „Wir haben Strafanzeige bei der Kriminalpolizei wegen dieses Sachverhalts gestellt. Unter anderem ist dies unterlassene Hilfeleistung“, meint die eine Tochter und die andere ergänzt aufgebracht: „Ich finde es empörend, dass wir uns trotz des ohnehin schon schlimmen Todes unserer Mama mit sowas auseinandersetzen müssen.“

Anwohner Am Steinweg erhoffen sich unterdessen, dass die Ermittlungen endlich auch ans Tageslicht bringen, was es mit dem Gebäude Nummer 9 auf sich hat. Zwar sei es unbewohnt, jedoch trieben sich vor allem nachts dort zwielichtige Gestalten herum, raunten die Bewohner, die vor allem Drogenhandel vermuten.

Von Jörg Wolf, Thomas Haegeler und Jens Rosenkranz

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