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Altenburg Ferrucio Bartoletti begeistert an Altenburger Trost-Orgel
Region Altenburg Ferrucio Bartoletti begeistert an Altenburger Trost-Orgel
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18:00 10.08.2017
Ferruccio Bartoletti gab ein furioses Konzert auf der Altenburger Trost-Orgel – und ließ sich dabei nicht zuletzt von Bach inspirieren. Quelle: Felix Friedrich
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Altenburg

Dieses Mal saß im Konzert an der Trost-Orgel ein üppiges Energiepaket aus Italien: Ferruccio Bartoletti. Kaum gab es je zuvor ein derartig von südländischem Temperament durchpulstes Orgelkonzert.

Ferruccio Bartoletti, weltweit bekannter Organist aus La Spezia, ließ seiner virtuosen Technik freien Lauf und griff mit ungehemmter Kraft in die Tasten. Bereits in den beiden einleitenden Toccaten von Girolamo Frescobaldi und Jacob Froberger legte er mit spritzigen Tempi und sprühenden Klang-Girlanden so richtig los. Den ganz stillen Klängen der Trost-Orgel war er hingegen weit weniger zugetan. Dafür erfreute er sich und auch das Publikum mit dem strahlenden Tuttiklang der barocken Orgel.

Die Auswahl der Kompositionen kam diesem Klangrausch entgegen: Dietrich Buxtehude mit einem brillanten Praeludium und der oft gespielten Passacaglia und Johann Sebastian Bach mit der massiven Magnificat-Fuge und der Toccata mit Fuge in d-Moll BWV 538. In diesem Stück wird kraftvolles Zupacken und Virtuosität gefordert.

Ferruccio Bartoletti ließ keine Gelegenheit ungenutzt, mit nahezu dämonisch entfachtem Feuer seiner Leidenschaft freien Lauf zu lassen. Er lebte ganz in dieser Musik, summte ab und zu, so wie man es von Aufnahmen mit dem bekannten Pianisten Glenn Gould gewohnt ist, unüberhörbar die Themen mit und ging mit starker Körperlichkeit die Stücke an. Fast bei jedem Triller schüttelte er im Rhythmus sein Haupt und spielte mit schwungvoller Unterarmtechnik. Zwischen den einzelnen Programmteilen nahm er stets einen großen Schluck aus seiner neben der Orgelbank stehenden Wasserflasche, um danach mit aufgetankter Energie die Bachschen Werke zu interpretieren und auszuformen.

Bei der finalen dorischen Toccata gab es dann für ihn kein Halten mehr. Das Tempo war atemberaubend und für die Zuhörer gleichermaßen faszinierend wie auch beängstigend: Wann würde es ihn bei den enormen technischen Schwierigkeiten dieses Werks aus der Bahn werfen? Doch souverän eilte er ohne jegliche Entgleisungen auf dieser Hochgeschwindigkeitsstrecke dahin und stürzte sich ohne die geringste Pause in die anschließende Fuge, meißelte deren Thema gleichsam in Stein. Da war wiederum der volle Orgelklang angesagt. Und dieses Mal hatte man erneut Angst, dass er nun die Trost-Orgel ganz zerlegen würde.

Nur wenige Ruhepunkte waren einem in diesem Konzert vergönnt, nämlich zwei wunderschön ausgeformte Choralbearbeitungen von Bach über die Choräle „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ und „Schmücke dich, o liebe Seele“. Das war gut so, dass er sich und den Zuhörern diese Erholung, diese meditative Einkehr und Ruhepause gönnte. Das Publikum, das gebannt eine Stunde lang seinem Spiel gelauscht hatte, zollte begeisterten Beifall für dieses außergewöhnliche und bravouröse Konzert.

‚Allora‘ war neben einigen italienischen Sätzen sein in den Beifall lautstark hineingerufener Kommentar. Flugs setzte er sich wieder an die Trost-Orgel und spielte introvertiert, man konnte es kaum glauben, eines der stillsten Stücke von Bach, die Choralbearbeitung „Lieber Jesu, wir sind hier“. Das war dann doch noch ein ganz meditativer Ausklang seines Orgelabends.

Übrigens war Bach, als er 1739 die Trost-Orgel in Altenburg besuchte und spielte, 54 Jahre alt. Bartoletti selbst, so gab er zu Protokoll, sei ebenfalls 54 Jahre alt. Jene Tatsache habe ihn stimuliert, dieses Konzert ganz im Geiste von Bach und mit kraftvollem Temperament zu spielen. Das ist ihm absolut überzeugend gelungen.

Von Felix Friedrich

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