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Altenburg Festumzug, Feierfreude und Folklore begeistern Tausende
Region Altenburg Festumzug, Feierfreude und Folklore begeistern Tausende
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20:23 07.10.2018
Der Festumzug startete auf der Teichpromenade, angeführt von den Bauernhöfevereins-Mitstreiterinnen Michaele Sojka (rechts) und Ute Lukasch als Marche und Malcher. Quelle: Kay Würker
Altenburg

Über diesen Tag werden die Altenburger noch lange reden. Tausende, darunter unzählige Gäste der Stadt, sind an diesem Sonntag auf den Beinen, um das Altenburger Land in seinen schönsten Facetten hochleben zu lassen. Anlass und Programm könnten kaum größer sein: Nicht nur das Landeserntedank- und das Landestrachtenfest gilt es zu feiern, auch das Altenburger Bauernreiten hat sein 200-jähriges Jubiläum. So wird der Tag der Altenburger für die Traditionsbegeisterten im Lande zu einem kleinen Thüringentag. Ein Stelldichein der Trachtenträger und Heimatvereine, der Landwirte und Lebensmittelproduzenten, der Kirchen und Künstler.

Start am Teich bei Gegenverkehr

Bereits um 9.30 Uhr startete dieser außergewöhnliche Sonntag mit einem ersten Höhepunkt, dem ökumenischen Erntedank-Gottesdienst. Mehrere Hundert Gäste hatten sich dazu am Rande des Kleinen Festplatzes eingefunden – darunter Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und weitere Landespolitiker. Der Altenburger Posaunenchor und Jugendliche der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde begleiteten den Gottesdienst akustisch. Und nicht nur sie: Auch das Trommeln von Traktormotoren und Pferdewiehern mischte sich in die Klangkulisse. Denn einen Steinwurf entfernt bereiteten sich bereits zahlreiche Teilnehmer für den großen Festumzug vor. Ein enormes Aufgebot an Fahrzeugen, Trachten-, Fahnen- und Kostümträgern. Und eine enorme Logistik, damit in Zeit und Ablauf alles funktioniert.

Zunächst lief’s wie am Schnürchen: Sogar ein paar Minuten vorfristig, kurz vor 11 Uhr, setzte sich der Tross in Bewegung. Doch dann der Schreck: Drei Fuhrwerke hatten sich verspätet – und standen dem Umzug in der Teichvorstadt im Weg. Was tun? Aufgeregte Absprachen an den Funkgeräten von Stadtverwaltung und Polizei. „Es gibt nur eine Möglichkeit: Die Verspäteten müssen an der Kolonne vorbei und sich an geplanter Stelle einreihen“, sagte Susanne Stützner vom Kultur- und Veranstaltungsmanagement der Stadt Altenburg. Kein leichtes Unterfangen auf der engen, südöstlichen Teichpromenade. Minutenlang quetschten sich die drei Fuhrwerke an den aufgereihten Teilnehmern vorbei, während die Kolonne wartete – und MP Ramelow die knappe halbe Stunde Stehzeit unter anderem mit einem Erntedankapfel überbrückte.

Dicht an dicht mit Smartphone und Kamera

Erst um 11.20 Uhr setzte sich der Tross schließlich in Bewegung. Und die geduldig wartenden Schaulustigen – Tausende an den Straßenrändern vom Teichplan bis zum Lindenau-Museum – wurden belohnt. Dicht an dicht mit gezückten Handys und Kameras ließen sich die Schaulustigen nur allzu gern begeistern – von den Klängen der Fanfarenzüge und den Jüngsten, den Mädchen und Jungen verschiedener Kindergärten, die quietschvergnügt die Zugspitze bildeten.

Dafür, dass es beim Umzug – wie überhaupt am gesamten Wochenende – nicht nur um die Pflege des Brauchtum ging, stand der Block Landmaschinentechnik. Der war nicht nur von Oldtimern, sondern auch von hochmodernen Systemen geprägt, deren alleinige Größe so manches „Oh“ und „Ah“ erzeugte. Dazu gab es am Theaterplatz ein Moderatorenteam, das launig die gezeigten Bilder erklärte und betonte: Die Landwirtschaft ist auf den fruchtbaren Böden damals und heute einer der wichtigsten Wirtschaftszweige im Altenburger Land.

Bei dem einstündigen Spektakel auf den Straßen Altenburgs löste ein Hingucker den nächsten ab. Gerade ließen Hobby-Geflügelzüchter Tauben fliegen, da zogen auch schon farbenfroh und Fahne schwingend Trachtengruppen aus ganz Thüringen vorbei. Dem folgte ein Block Gothaer Gäste, in dem unter anderem der letzte Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg dargestellt wurde, der vor 100 Jahren abgedankt hat.

Der Tag der Altenburger ist ein Erlebnis für die Sinne, vor allem für Augen und Ohren: Mehrere Tausend Schaulustige verfolgten am Sonntag am Straßenrand den Höhepunkt dieses Sonntages, den großen Festumzug vom Großen Teich zum Lindenau-Museum. Und der machte Appetit auch mehr: Auch im Festzelt hinterm Marstall, im Schlosshof und auf der Teehauswiese wartete ein umfangreiches Programm.

Der Höhepunkt hoch zu Ross am Ende

Auf die Zeit, als im Residenzschloss noch der Adel zu Hause war, geht auch die 200-jährige Tradition des Altenburger Bauernreitens zurück. Die Malcher hoch zu Ross und in ihren geschmückten Kutschen waren für viele Zuschauer der krönende Abschluss eines gelungenen Umzugs. Der wiederum Lust machte, auch das Festprogramm auf den Teehauswiesen und im Schloss zu besuchen.

Briefmarken, Trödel und die Robe des Sanftmütigen

Auf der Teehauswiese stellten sich Sponsoren und Vereine der Öffentlichkeit vor. Darunter örtlichen Geldinstitute wie Volksbank und Sparkasse. „Wir haben uns im Kostümfundus der Prinzenraub-Festspiele bedient“, lud Juliane Schramm von der Sparkasse zu einer außergewöhnlichen Fotosession ein: Wer wollte, konnte sich die Robe des Friedrich des Sanftmütigen, der 1455 als Kurfürst von Sachsen in Altenburg residierte, überwerfen und sich damit ablichten lassen.

Natürlich waren auch die OVZ und die Tourismusinformation Altenburger Land mit von der Partie. Während sich das OVZ-Glücksrad unentwegt unter erwartungsvollen Kinderaugen drehte und der LVZ-Schlingel Kinderherzen höherschlagen ließ, freute sich Lisa Piller über die Resonanz am Stand. „Unsere neue Rad- und Wanderkarte steckt fast jeder ein. Und die Briefmarken der LVZ-Post zur Altenburger Tracht sind auch sehr gefragt“, sagte die Chefin der Tourismusinformation.

Derweil schien Tilo Henschel, dessen Stand ebenfalls eine Traube Menschen angelockt hatte, mit seinem Trödel aus der Art geschlagen zu sein. „Ich komme aus Schirnewitz bei Jena. Wir haben 666 Jahre gefeiert und dort Traditionen und Handwerk nachgestellt. Und das ist übrig geblieben“, erklärte er mit Fingerzeig auf all die Werkzeuge vom Hobel bis zur Kurbelbohrmaschine, um die sich vor allem männliche Festgäste scharten. Andrang herrschte allerdings auch an den Verpflegungsständen. Das sorgte bei so manchem Besucher ein wenig für Stirnrunzeln. Doch bei all dem Trubel, zu dem auch ein Kinderfest am Teehaus gehörte, musste niemand lange Trübsal blasen.

Von Kay Würker und Jörg Reuter

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