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Altenburg Feuchtes Gemäuer: Drohne untersucht Altenburger Brüderkirche
Region Altenburg Feuchtes Gemäuer: Drohne untersucht Altenburger Brüderkirche
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05:00 01.07.2016
Eine Kamera-Drohne der Bauhaus-Uni Weimar kontrolliert die Türme der Brüderkirche. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Tauben und andere Vögel umkreisen die ehrwürdigen Türme der Brüderkirche tagtäglich. Das Flugobjekt, dass am Mittwoch an dem 76 Meter hohen roten Backsteinturm des 111 Jahre alten Gotteshauses emporstieg, war aber noch nie zu erleben: Mit einer Drohne nahm Norman Hallermann in circa 60 Metern Höhe konkret die Spitzen der Fialen-Türme der Kirche genau in Augenschein. Auf der Suche war der Fachmann nach der Herkunft von Wasser, das dort das Bauwerk schon erheblich durchnässt hat und zu schwersten Schäden an der Substanz führen kann. „Das ist wirklich keine herkömmliche Drohne, wie man sie im Spielzeughandel bekommt, sondern ein Hightech-Gerät, dass über die entsprechenden Messgeräte nicht nur gestochen scharfe Bilder vom Bauzustand an solchen hohen und deshalb nur schwer zugänglichen Bauwerken liefert, sondern bei Bedarf auch entsprechende Messdaten“, erklärt der Diplom-Ingenieur, der sich an der Bauhaus-Universität Weimar speziell mit dieser Problematik befasst und in ganz Deutschland mit der Hightech-Drohne unterwegs ist.

Der Job in Altenburg sei von der Aufgabenstellung her eine eher sehr leichte Aufgabe gewesen, meint der Experte. Denn schon nach kurzem Flug lieferten aus luftiger Höhe die Bilder eine sehr wahrscheinliche Ursache, die zur extremen Durchnässung des Mauerwerks geführt haben könnten. „Die Wasserspeier der unter den Turmspitzen angebrachten Dachrinnen sind verstopft, das Wasser kann nicht ablaufen und sucht sich eben einen anderen Weg durch das Mauerwerk“, so Hallermann. „Mit der Drohne wurden jetzt auch entsprechende Bilder aus der Höhe gemacht, die Aufschluss über die weiter anstehenden Arbeiten an dem Bau geben“, so der 35-Jährige.

Aufschlussreich wie informativ war diese Untersuchung aus der Luft auch für den zuständigen Pfarrer Reinhard Kwaschik. „Im ersten Bauabschnitt der Sicherungsarbeiten wurde ein Riss im Turm gesichert und saniert. Da dabei weitere Risse gefunden wurden, sollten auch diese Stellen gesichert werden. Aber bei den dabei anfallenden Bohrungen wurde die Nässe mit unbekannter Herkunft festgestellt“, so der 64-Jährige.

Kwaschik trägt als geschäftsführender Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Altenburg sozusagen auch als Bauherr die Verantwortung für die drei Stadtkirchen in der Skatstadt, wozu neben der Brüderkirche die Bartholomäikirche sowie die Agneskirche gehören. „Müsste unsere Kirchgemeinde allein die dringend erforderlichen Sicherungsarbeiten an den Kirchen allein stemmen, wäre sie finanziell hoffnungslos überfordert. Glücklicherweise gibt es öffentliche Förderprogramme dafür“, sagt der Gottesmann.

Denn allein was an der für ein Gotteshaus an Jahren mit 111 noch eigentlich noch sehr jungen Brüderkirche ansteht, erschrickt ein wenig. „Wir müssen jetzt nochmals genau untersuchen, ob die zugesetzten Wasserspeier die einzige Ursache für die Nässe sind, und dann die Ursachen schnellstens beheben“, sagt der Pfarrer. Denn gerade in einem aus Backstein mit unzähligen Fugen bestehenden Bauwerk könne Feuchtigkeit schnell zu massivsten Schäden führen. „In jede undichte Fuge kann Wasser eindringen, dass sich bei Frost ausdehnt und zu regelrechten Absprengungen führt“, weiß Kwaschik. Sowas sei auch schon in der Brüderkirche passiert, weshalb in absehbarer Zeit auch eine komplette Fugensanierung nötig wird. Zudem weisen die Emporen arge statische Probleme auf, die dringend behoben werden müssen. „Allein für die Sicherungsarbeiten dürften im konkreten Fall um die 500 000 Euro nötig sein, womit aber noch kein Handschlag für die Sanierung gemacht wäre“, ahnt der Pfarrer.

Ohnehin scheint die Brüderkirche schon immer ein besonderes Sorgenkind der Kirchgemeinde zu sein. „Schon zwölf Jahre nach der Fertigstellung 1905 verschwand das eigentliche Kupferdach, weil das Metall wie auch die Kirchglocken für die Rüstungsindustrie gebraucht wurden. Und das dafür aufgesetzte Schieferdach war bald an etlichen Stellen undicht und ließ Wasser durch“, weiß Kwaschik aus der Chronik. In den 1970-er Jahren sei der Zustand der Kirche dann schon wieder derart desolat gewesen, dass in der an Baukapazitäten knappen DDR sogar ein Abriss erwogen wurde. „Das konnte damals durch einen Grundsatzbeschluss des Kirchengemeinderates in einer bewegenden Sitzung abgewendet werden. Für die Reparatur des Turmdaches in eigener Regie wurde Geld gesammelt und über die Landeskirche von der westdeutschen Partnergemeinde sogar ein Baugerüst zur kompletten Einrüstung des Turmes beschafft. Ein Unikum in der Geschichte“, weiß der 64-Jährige aus der Chronik kaum zu glaubender Episoden.

Eine konkrete Zeitschiene, innerhalb der die Sicherungsarbeiten an der Brüderkirche abgeschlossen sein werden, vermag Reinhard Kwaschik angesichts des zutage getretenen Umfanges der Schäden nicht zu sagen. „Aber eines dürfte klar sein: Wie bei jedem Eigenheim wird an der Kirche immer Baubedarf bestehen.“

Von Jörg Wolf

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