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Fiber-Trommel-Chef gibt Buch heraus

Fiber-Trommel-Chef gibt Buch heraus

Es gibt drei Dinge, die man als Mann im Leben tun sollte, zitiert Rainer Pöhlmann ein bekanntes Sprichwort und wandelt es ab: Haus bauen, Sohn zeugen, Buch schreiben.

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Der Rositzer Unternehmer Rainer Pöhlmann hat sein Leben aufgeschrieben.

Quelle: Mario Jahn

Denn genau den letzten Punkt hat er sich gerade erfüllt. Unter dem Titel "Mein Leben. Gedanken und Erinnerungen" hat der Chef der Thüringer Fiber-Trommel GmbH in den vergangenen Jahren ein Buch über sein Leben, die Rositzer Geschichte und die Entwicklung der ehemaligen Zuckerraffinerie verfasst.

 

"Meine Eltern und ihre Geschwister haben sich bei Feierlichkeiten immer über das alte Rositz und ihre Erlebnisse ausgetauscht", erklärt der 69-Jährige, wie die Idee zu dem Buch entstanden ist. "Ich fand es schade, dass es nicht aufgeschrieben wurde." Vieles davon sei inzwischen in Vergessenheit geraten. Deshalb habe er sein Leben für die spätere Generation festhalten wollen. Für das Buch, das nicht nur seinen Kindern und Enkeln etwas über die Zeit vermitteln soll, hat sich Pöhlmann mehrfach mit der Leipzigerin Jana Männig getroffen, die seine Erinnerungen aufgeschrieben hat. Der Großteil des Buches widmet sich dementsprechend Pöhlmanns Leben.

 

1945 geboren, brachte seine leibliche Mutter ihn mit vier Wochen zum Vater, der sich künftig gemeinsam mit seiner Frau um den Jungen kümmerte. "Heute kann man sich kaum noch vorstellen, wie wir damals aufwuchsen", schreibt Pöhlmann und erinnert an Kindertage, die vorrangig im Freien stattfanden, an das damals übliche Einmachen von Lebensmitteln und vieles, vieles mehr. Es sind vor allem persönliche Alltagserinnerungen, die er festgehalten hat.

 

Die Erzählung, die in Ich-Form gehalten ist, schlängelt sich entlang wichtiger Lebensstationen wie Ausbildung, Heirat und den unterschiedlichen Arbeitsplätzen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Arbeitsleben, auch wenn private Anekdoten ebenfalls enthalten sind. Die Begebenheiten vermischen sich dabei mit Erklärungen für Entscheidungen und persönlichen Andenken. Offen geht der Unternehmer mit seiner Vergangenheit um. So berichtet er von seiner Mitarbeit für das Ministerium für Staatssicherheit, bei der er laut eigenen Aussagen "Erkundigungen" über einen Cousin aus dem Westen einholen sollte. "Ich habe lange überlegt, ob ich es reinschreiben soll", sagt er heute. "Aber wenn man das macht, dann muss man auch alles schreiben." Auch seine Zeit im DDR-Gefängnis spart er nicht aus. Anfang der 80er-Jahre kam er in Untersuchungshaft, weil er Literatur und anderes Material besaß, das sonst in sogenannten Giftschränken lagerte, unter anderem aus der Zeit des Nationalsozialismus. "Ich war geschichtsinteressiert, habe alte Sachen gesammelt", erklärt er. Unter dem Titel "Suchen" hat er diese Zeit zusammengefasst, für die Zeit ab den 80er-Jahren hat er sich für "Finden" entschieden.

 

Das Kapitel ist den Jahren gewidmet, in denen er Betriebsleiter im Hartpappewerk, dem Vorgänger der Thüringer Fiber-Trommel GmbH, in Rositz wurde und schließlich das Unternehmen nach der Wende übernahm. "Ich war kaum 50 Jahre alt, und ich wollte noch immer etwas bewegen. Die Chance hatte ich hier in Rositz mit den Fibertrommeln." Es war eine gut genutzte Chance, heute arbeiten 215 Mitarbeiter an der Produktion der Trommeln, Hülsen und Papiertragetaschen mit. Im Chefsessel sitzt immer noch Pöhlmann, weil ihm die Arbeit Spaß mache. Im Buch verrät er aber auch, dass möglicherweise in einigen Jahren sein Enkel die Nachfolge antreten wird.

 

Insgesamt ist es ein sehr persönliches Werk, das vor allem diejenigen interessieren wird, die Rainer Pöhlmann als Rositzer Persönlichkeit kennen und mehr über seine Kindheit und seinen beruflichen Werdegang erfahren wollen. Aber auch Heimatgeschichte spielt eine Rolle - vor allem die Entwicklung der Zuckerraffinerie wird dargestellt. Auf den 168 Seiten erfährt der Leser zum Beispiel, dass die Zuckerfabrik Mitte des 19. Jahrhunderts zwar rund 400 Beschäftigte hatte, aber kaum Rositzer unter ihnen waren. Oder, dass die Rositzer Zuckerraffinerie als Versuchsobjekt der Edison-Gesellschaft wohl der erste Industriebetrieb Deutschlands war, dessen Beleuchtung komplett elektrisch betrieben wurde. Auch die Entwicklung zur Trommelfabrik in den 60er-Jahren dokumentiert Pöhlmann, immer gepaart mit persönlichen Erinnerungen.

 

Für Freunde der Heimatgeschichte ist das Buch vor allem interessant, weil viele Abbildungen enthalten sind. Pöhlmann hat nicht nur zahlreiche private Fotos integriert, sondern auch historische Dorfansichten.

 

Das Buch ist bei der Format Druckerei und Verlagsgesellschaft erschienen und kostet 24,50 Euro.

Jenifer Hochhaus

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