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Finsternis, Dämonen, Liebe und Sex – Altenburgs „Rigoletto“ hat alles

Landestheater Altenburg Finsternis, Dämonen, Liebe und Sex – Altenburgs „Rigoletto“ hat alles

Endlich wieder einmal ein Verdi auf hiesiger Bühne. Lange hat es gedauert. Selbst das Verdi-Jubiläum 2013 ließ die Theaterleitung unerwähnt verstreichen. Nun also der „Rigoletto“. Die Oper in der Inszenierung erlebte in Altenburg eine umjubelte Premiere. Zu Recht.

Nehmen nach der Aufführung freudig den Beifall und die Bravo-Rufe des Publikums entgegen – die Sängerinnen und Sänger sowie das Regieteam.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. Endlich wieder einmal ein Verdi auf hiesiger Bühne. Lange hat es gedauert. Selbst das Verdi-Jubiläum 2013 ließ die Theaterleitung unerwähnt verstreichen. Nun also der „Rigoletto“. „Wenn ich Dilettant wäre, würde ich Traviata lieben, als Künstler erkläre ich mich für Rigoletto“, ist eine Äußerung Verdis überliefert. Vielleicht denkt Kay Kuntze als Opernchef und Regisseur genauso, wenn man seinen „Rigoletto“ nicht als veristischen Opernreißer sieht, sondern als ein Charakterdrama mit großartigen Situationen und packenden Motiven – und mit entsprechend großartiger Musik.

Diese Oper verlangt in Stimme und Spiel eine hintergründig-tragische Dämonie. Alles Dunkle und Dämonische spricht aus Rigolettos, Sparafucile und Monterone. Es rechtfertigt das Dunkle, das die ganze Aufführung prägt.

Verdis Vertrag mit der Oper in Venedig verpflichtete ihn aber, eine neue Oper für die Karnevalssaison 1851 zu komponieren. Das erklärt etwas das Maskenhafte, das der Regisseur jeder Person angeeignet hat. Dass dabei manches etwas zu grell, vielleicht zu satanisch, zu karnevalistisch verspielt geraten ist, steht auf einem anderen Blatt wie auch das Abgleiten der Handlung in die SM-Szene. Aber schlüssig ist alles vom Anfang bis zum Ende, wenn auch manches ungewohnt. Das uneingeschränkt ausgezeichnet Musikalische findet sofort Resonanz, die technisch monströse Ausgestaltung der Bühne durch Duncan Hayler braucht etwas Zeit zur Entschlüsselung.

Textvorlage für das Werk war das sofort nach seiner Uraufführung 1832 verbotene Theaterstück „Le Roi s’amuse“ des Franzosen Victor Hugo. Rigoletto ist eine Titelgestalt, wie die Opernbühne sie bis zu seiner Entstehung nicht kannte. Seiner Missbildung entspricht seine charakterliche Deformation: Er ist böse, weil er hässlich ist, und für Kuntze ist er der Inszenator all dessen, was auf der Bühne geschieht. Erst als die Liebe Gildas zum Herzog deutlich wird und sie sich als junge Frau emanzipiert, entgleitet Rigoletto die Führungsrolle, und das Schicksal nimmt gegen ihn seinen Lauf bis zum bitteren, erschütterndem Ende.

Herausgekommen ist eine Inszenierung von überzeugender Wucht, an der alles stimmt. Das Musikalisch-Gesangliche erreicht ein Niveau, das einfach beglückt und eigentlich schon zum Standard an diesem Theater geworden ist. Takahiro Nagasaki hat für die Altenburger Aufführungen die musikalische Leitung übernommen und lässt das Orchester fulminant aufspielen und die ganze Farbigkeit der verdischen Partitur deutlich werden. Es wird intensiv und präzise gespielt und teilweise ein Tempo aufgenommen, das keine Geschwindigkeitsbeschränkung kennt. Der erweiterte Chor, wie immer einstudiert von Holger Krause, fühlt sich in der intensiven Maskierung gesanglich wohl und beweist das durch Klangschönheit. Auch die kleinste Rolle ist gut besetzt, die Technik leistet Außergewöhnliches und die Hauptpartien sind mit dem Besten ausgestattet, was das Theater aufbieten kann. Das alles bewirkt ein Gesamtkunstwerk, das schon an Vollkommenheit grenzt. Wohl dem Theater, das sich so etwas leisten kann.

Die Hauptrollen tragen diese Oper. Eine Frau gegen viele Männer. Akiho Tsujii steht gesanglich mit den beiden männlichen Hauptpartien unbestritten auf Augenhöhe. Ihre jugendlich-frische Sopranstimme zaubert leicht und beweglich übersprühende Koloraturen, kraftvoll genug sind ihre Spitzentöne. Sie zeigt eindrucksvoll, wie sie rebellierend aus den Fängen des Vaters auszubrechen versucht.

Mit kraftvollem Gesangsvolumen und höhensicherem Tenor interpretiert Rodrigo Porras Garulo den despotisch arroganten, sexgesteuerten Womanizer-Herzog, dem man sogar die kurzzeitige Echtheit seiner Gefühle zu Gilda abnimmt. Stark singt Ulrich Burdack den Sparafucile, bemerkenswert Merja Mäkelä die Maddalene, Kai Wefer den Grafen von Monterone und Claudia Müller die Giovanna, Gesellschafterin der Gilda.

Den Rigoletto singt und spielt Dae-Hee Shin als Gast vom Staatstheater Meiningen. Er ist zynischer Mittäter, krankhaft besorgter Vater, rasender Rächer und am Ende Opfer zugleich. Er spielt das alles intensiv überzeugend und singt so differenziert überragend, findet Töne für die tragische Zerrissenheit seiner Figur, dass man von einer überragenden Leistung sprechen muss.

Der Beifall war lang und teilweise frenetisch stark, mit vielen Bravos durchsetzt. Altenburg hat wieder seinen Verdi.

Nächste Aufführungen am 22. und 25. Dezember, 19.30 Uhr; 12. März und 9. April, 14.30 Uhr, 10. Juni, 19.30 Uhr. Karten unter Tel. 03447 585160 oder 574942

Von Manfred Hainich

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