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Firma greift nach Bus-Sattlerei in Ehrenhain

Firma greift nach Bus-Sattlerei in Ehrenhain

Die Firma Gößnitzer Stahlrohrmöbel hat einen Teil der Insolvenzmasse des früheren Fahrzeugherstellers Göppel-Bus im Nobitzer Ortsteil Ehrenhain übernommen.

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Doris Botz ist einer von zehn früheren Göppel-Bus-Mitarbeitern, die sofort mit übernommen wurden.

Quelle: Jörg Reuter

Das zur oberfränkischen Stechert-Gruppe gehörende Unternehmen kaufte die ehemalige Göppel-Bus-Sattlerei im Gewerbegebiet Thomelt-Grund. Seit März wird in den Hallen bereits produziert. Komplett abgeschlossen wird der Deal aber erst dieser Tage. Alles in allem sollen am neuen Standort in den kommenden zwei Jahren fast 1,5 Millionen Euro investiert werden.

 

Wie der Geschäftsführer der Gößnitzer Stahlrohrmöbel, Christoph Martsch, erklärt, gestattete der Insolvenzverwalter seiner Firma die vorfristige Nutzung der Produktionsanlagen. In Ehrenhain werde ein zusätzlicher Standort aufgebaut, betont Martsch. Die Produktion und Verwaltungen in Gößnitz bleiben erhalten. Gemeinsam mit der großen Halle auf dem Gewerbegebiet in Ehrenhain übernahm der Gößnitzer Möbelhersteller auch zehn frühere Göppel-Bus-Mitarbeiter.

 

Diese brachten den Stein übrigens ins Rollen. "Wir sind erst so richtig aufmerksam geworden, dass hier eine komplette Sattlerei steht, als sich Ex-Mitarbeiter von Göppel-Bus bei uns beworben haben", erzählt Martsch. Anfänglich wollten die Möbelbauer lediglich einige der Maschinen erwerben, wie den modernen, Computer gesteuerten Zuschneidetisch. Doch dann entschied man sich in der Unternehmensgruppe, die aus den Firmen Stechert Stahlrohrmöbel GmbH, Gößnitzer Stahlrohrmöbel GmbH, STW GmbH und TIL GmbH besteht, dem Insolvenzverwalter ein Angebot für die gesamten Produktionsstätte zu machen. "Und er hat dann recht überraschend unser Angebot angenommen."

 

Trotz der guten Gelegenheit musste Martsch in der Stechert-Gruppe gute Argumente vorbringen, warum diese Investition nötig ist. Schließlich habe die Stechert-Gruppe bereits an etlichen Standorten in den vergangenen Jahren investiert, so Martsch. Offensichtlich konnte er überzeugen. "Unsere Auftragslage gibt es her." Momentan erzielt der Gößnitzer Mittelständler einen Jahresumsatz von 8,5 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr sind unter anderem rund 30 000 Stühle, 25 000 Drehstühle und 20 000 Tische gefertigt worden. Einer der größten und wichtigsten Kunden ist die Bundeswehr. Zu den Großaufträgen zählen auch zahlreiche Stadionbestuhlungen. Gerade wurde beispielsweise eine Sportarena im russischen Krasnodar ausgestattet.

 

Nach der Erweiterung peilt Martsch einen Umsatz von zehn Millionen Euro an. Nicht zuletzt, weil die neue Halle Möglichkeiten bietet, die Fertigungstiefe zu erhöhen und neue Produkte und Dienstleistungen ins Portfolio aufzunehmen. Wie der Geschäftsführer erläutert, könnten mit den Maschinen nun beispielsweise sehr hochwertige Polster gefertigt werden. Außerdem gibt es in Ehrenhain, anders als am Standort in Gößnitz, genügend Platz, um eine Holzbearbeitung aufzubauen. "Die ersten Maschinen sind schon da", sagt Martsch. Ebenfalls schon geliefert und aufgebaut ist eine Airbag-Nähmaschine. Mit dieser können spezielle Bezüge für Fahrzeug-Airbags genäht werden. "Einige Muster haben wir bereits verschickt." Damit sollen nun Kunden in der Automobilindustrie gewonnen werden.

 

Außerdem soll der Reparatur-Service für Bussitze und Fahrzeugpolster weitergeführt werden, den es bereits zu Göppel-Bus-Zeiten gab. Der Geschäftsführer verweist in diesem Zusammenhang einmal mehr auf das erfahrene Personal in Ehrenhain. Überhaupt sind neben der Halle samt Maschine vor allem Mitarbeiter mit ihrem Know-how der Schatz, auf den es der Gößnitzer Möbelbauer abgesehen hat. Derzeit beschäftigt Stahlrohrmöbel Gößnitz 71 Mitarbeiter. Fünf bis sechs sollen in der nächsten Zeit dazukommen.

 

Die Abwicklung der letzten Formalitäten zum Kauf der etwa 20 Jahre alten Werkhallen in Ehrenhain wurden vom plötzlichen Tod des Geschäftsführer-Mitglieds der Stechert-Gruppe, Franz Stegner überschattet. "Natürlich reißt der schmerzliche Verlust eine große Lücke. Dennoch wird der Trauerfall keine Auswirkungen auf den Fortbestand des Unternehmens haben", erklärt Christoph Martsch.

 

Der Fahrzeughersteller Göppel-Bus musste Ende Oktober 2014 Insolvenz anmelden. Grund dafür waren die Sanktionen, die die Europäische Union gegen Russland im Zuge der Ukraine-Krise verhängte (die OVZ berichtete).

Jörg Reuter

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