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Flächendeckender Gifteinsatz gegen Mäuse geht am Altenburger Land vorbei

Flächendeckender Gifteinsatz gegen Mäuse geht am Altenburger Land vorbei

Die Feldmausplage auf Thüringens Äckern macht sich mittlerweile auch im Altenburger Land bemerkbar. Seit Montag können Landwirte im Freistaat deswegen beantragen, flächendeckend Giftpellets auszustreuen.

Altenburg. Von Florian Theis

Nach Angaben von Berndt Apel, Chef des Kreisbauernverbandes Altenburger Land, ist die Mäusepopulation in den vergangenen Monaten auf den Feldern im Landkreis stark angestiegen. "Die Lage ist aber nicht so dramatisch wie in anderen Gebieten in Thüringen", erklärte Apel. Deswegen würden nur vereinzelt Betriebe über die vielen Nagetiere klagen. Auf einigen Flächen sei die Feldmausdichte jedoch so stark gestiegen, dass die Besitzer über eine oberirdische Bekämpfung nachgedacht hätten, nachdem das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit den Einsatz von Giftpellets Ende September für Thüringen genehmigt hatte.

Allerdings werden die Landwirte im Altenburger Land die sogenannten Ratron Feldmausköder nicht flächendeckend auf ihren Äckern verteilen dürfen. Eine Allgemeinverfügung der Thüringischen Landesanstalt für Landwirtschaft vom vergangenen Montag begrenzte die Nutzung des Pflanzenschutzmittels auf die Landkreise Sömmerda, Weimarer Land, Ilmkreis, Gotha, Unstrut-Hainich-Kreis und den Kyffhäuserkreis sowie die kreisfreien Städte Erfurt und Weimar.

"Das sind die Gebiete, bei denen im Juni eine viel zu hohe Feldmauspopulation nachgewiesen wurde", erklärte Katrin Gößner von der Landesanstalt für Landwirtschaft. Die Entwicklung nach dem Monat Juni könnten nicht berücksichtigt werden. "Das sind die neusten Zahlen, die wir haben, und mit denen müssen wir arbeiten", sagt Gößner. Im August hatte Apel den Feldmausbefall im Altenburger Land gegenüber OVZ als "nicht so gravierend" bezeichnet.

Grundsätzlich müssen vor der flächendeckenden Giftstreuung Untersuchungen über die Feldmausdichte durchgeführt werden. Außerdem solle das Gift nur in den am stärksten betroffenen Gebieten zum Einsatz kommen.

Damit ein Landwirt die Giftköder auf größeren Flächen auslegen darf, muss er zuerst einen Antrag bei dem zuständigen Landwirtschaftsamt stellen, das die Anfrage an die jeweilige Naturschutzbehörde zur Prüfung vorlegt. So soll sichergestellt werden, dass die Auswirkungen auf die übrigen Tierarten gering bleibt.

Laut Birgit Seiler, Fachdienstleiterin für Natur- und Umweltschutz im Altenburger Landratsamt, bleibt den betroffenen Bauern im Landkreis so nur die Nutzung von Giftkörnern übrig, um die Feldmäuse auf ihren Äckern zu bekämpfen. Die Körner werden dabei direkt in das Mäuseloch gelegt, welches dann mit Erde zugeschüttet wird. Die vergifteten Mäuse können so nicht mehr ins Freie gelangen und von anderen Tieren gefressen werden. "Generell ist es zwar möglich, dass sich auch bei dieser Methode andere Tiere vergiften, weil sich wenige Mäuse trotzdem noch ins Freie graben, uns sind aber bis jetzt keine derartigen Fälle im Altenburger Land gemeldet worden", so Seiler.

Wegen der Feldmausplage in Thüringen hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit die flächendeckende Nutzung der Feldmausköder für einen Zeitraum von 120 Tagen, vom 24. September 2012 bis zum 21. Januar 2013, in Thüringen erlaubt. Dabei dürfen höchstens 26 Tonnen des Giftköders verbraucht werden. Zudem dürfen nur Äcker behandelt werden, auf denen Raps, Weizen oder Gerste angebaut wird.

Für den Landesvorsitzenden des Naturschutzbundes (Nabu) Mike Jessat aus Altenburg ist die behördliche Kontrolle kein Grund, das Ausstreuen von Giftködern zu verharmlosen: "Es ist im Endeffekt egal, ob der Bauer das Gift unter Aufsicht streut oder nicht. Die Auswirkungen für die Umwelt sind dieselben." Der Naturschützer bemängelt, dass vor allem Gänse und andere Zugvögel die Körner von den Äckern auflesen und daran sterben könnten. "Es lässt sich schlicht nicht kontrollieren, welche Tiere das Gift wirklich aufnehmen", kritisiert er. Weiter befürchtet Jessat, dass auch Haustiere die vergifteten Mäuse fressen könnten. Schon 2004 seien im Umfeld des Rückhaltebeckens Straußfurt zahlreiche Kraniche und Gänse mit den Feldmausködern vergiftet worden. Der Naturschutzbund hatte das Thüringer Landwirtschaftsministerium deshalb aufgefordert, den Gifteinsatz zu verhindern.

Die mit dem Wirkstoff Chlorphacinon angereicherten Pellets werden dabei mit Düngemaschinen großflächig auf den betroffenen Ackerböden verteilt. Feldmäuse, die den Köder schlucken, sterben nach kurzer Zeit an inneren Blutungen. Seit 2011 dürfen Pflanzenschutzmittel, die den Wirkstoff enthalten, nicht mehr eingesetzt werden. Das Bundesamt für Verbraucherschutz hatte die Zulassung von Chlorphacinon aufgrund einer Entscheidung der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2007 widerrufen.

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