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Flüchtlinge aus Eritrea absolvieren Praktikum in Altenburger Käserei

Berufsvorbereitung Flüchtlinge aus Eritrea absolvieren Praktikum in Altenburger Käserei

Vier Flüchtlingen aus Eritrea durchlaufen gerade ein Praktikum in der Käserei Altenburger Land.Das Praktikum ist Bestandteil des Berufsvorbereitungsjahrs mit Schwerpunkt Deutsche Sprache, dass die Afrikaner seit September an der Johann-Friedrich-Pierer Schule absolvieren. Alle der 32 Schüler dieser Klasse haben einen Praktikumsplatz gefunden.

Awet Haile aus Eritrea absolviert ein zweiwöchiges Praktikum in der Käserei Altenburger Land.

Quelle: Jörg Reuter

Lumzig. Klickend und schnaufend verpackt eine Maschine im Sekundentakt Käselaibe. Samuel Hagos Legerse bestückt den Automaten unentwegt mit Pappschachteln. „Ich bin froh, arbeiten und lernen zu können“, sagt der jungen Mann und strahlt über das ganze Gesicht. Er ist einer von vier Flüchtlingen aus Eritrea, die gerade ein zweiwöchiges Praktikum in der Käserei Altenburger Land im Lumpziger Ortsteil Hartha durchlaufen.

Samuel Hagos Legerse ist glücklich über seinen Praktikumsplatz in der Käserei Altenburger Land

Samuel Hagos Legerse ist glücklich über seinen Praktikumsplatz in der Käserei Altenburger Land.

Quelle: Jörg Reuter

Das Praktikum ist Bestandteil des Berufsvorbereitungsjahres mit Schwerpunkt deutsche Sprache, das die Afrikaner seit September an der Johann-Friedrich-Pierer Schule absolvieren. Alle der 32 Schüler dieser Klasse haben einen Migrationshintergrund. Zum dritten Mal findet ein solcher Kurs an der Bildungsstätte statt. „Diesmal sind die meisten von den jungen Leuten Flüchtlinge. Doch das Angebot richtet sich an alle Nicht-Muttersprachler, die Förderbedarf in Deutsch haben“, sagt Ralf Herzer. Wie der Schulleiter informiert, haben alle Kursteilnehmer einen Praktikumsplatz gefunden. „Dass es einfach war, will ich nicht unbedingt sagen, aber wir haben es geschafft, nicht zuletzt mit Unterstützung der Diakonie.“

Diakonie vermittelt Praktika

Bei der Hilfsorganisation ist seit September Salome Fischer für das Projekt „Bleib dran – Berufliche Perspektiven für Flüchtlinge in Thüringen“ angestellt. Sie hat das Gros der Praktika vermittelt. „Die Schere geht seit der ersten Thügida-Demonstration im Oktober auseinander“, sagt sie. Auf der einen Seite würden immer mehr Betriebe auf sie zukommen, die speziell Flüchtlingen eine Chance geben wollen und darin auch eine Möglichkeit sehen, Fachkräftenachwuchs zu gewinnen. „Auf der anderen Seite werden es aber auch immer mehr Betriebe, die Angst haben. Sie haben Angst, ihre Kunden zu verlieren, Angst Probleme mit ihrer Belegschaft zu bekommen und so weiter“, erklärt Fischer.

Claus Katzenberger, Geschäftsführer der Käserei Altenburger Land, gehört zu der Gruppe, die kein Problem damit haben, Flüchtlinge einzustellen. Für ihn war es keine Frage, die vier Männern aus Eritrea aufzunehmen. Katzenberger ist nämlich kein Freund des ewigen Gejammers um die Flüchtlinge. „Ich bin das ehrlich gesagt Leid“, meint der Geschäftsmann. Zwar ist auch er nicht mit allem einverstanden. Besonders verärgert ist Katzenberger über die seiner Meinung nach Planlosigkeit der großen Politik in Berlin. „Die Leidtragenden davon sind die Kommunen und Länder. Das ist Fakt. Da kann man nun mit in das Lamentieren drüber einstimmen oder das Beste aus den Umständen machen und etwas Vernünftiges tun. Denn die Leute sind ja da.“ Am besten sei es, Vorurteile abzubauen und Integration tatsächlich zu versuchen.

Eritreer auch im Verein integriert

„Ich möchte ein Zeichen setzten“, meint der Käsereichef. Dazu gehört für ihn, den jungen Leuten eine Chance zu geben. Sowohl im Arbeitsleben als auch in der Freizeit. Denn die vier Eritreer kennt Katzenberger bereits seit Monaten, weil sie beim SV Osterland Lumpzig, wo er Präsident ist, Fußball spielen. „So ist am Ende auch das Praktikum zustande gekommen“, erklärt er. Ein Spieler aus dem Verein kannte einen der Flüchtlinge und habe ihn gefragt, ob er nicht Lust hätte, mit zu kicken, erzählt Katzenberger. Natürlich habe er das unterstützt. Besonders freut er sich in diesem Zusammenhang, dass die Leute im Verein das Drumherum selbst organisiert haben. „Sie kümmern sich, dass die jungen Männer zum Tranig kommen und bringen sie auch wieder nach Hause“, lobt Katzenberger. So läuft das im Übrigen auch in der Käserei. Auch dort haben die Mitarbeiter einen Fahrdienst für die Flüchtlinge organisiert.

Es sei ein schöner Job, und es gefalle ihm, erzählt Debay Yemane. Seit etwa einem Jahr ist er nun wie seine drei Landsleute aus Eritrea in Deutschland. Doch die Freude über das gefundene Praktikum ist seit Montag nicht mehr ungetrübt. Denn Yemane war vom Brand in der Altenburger Asylunterkunft betroffen und wurde mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht. „Ich habe schon ziemlich Angst. Das ist nun das Risiko meines Lebens“, seufzt er. Trübsal bläst er dennoch nicht. Schließlich akzeptieren ihn seine neuen Kurzzeit-Kollegen. Und im Verein haben die Eritreer inzwischen deutsche Freude gefunden.

Von Jörg Reuter

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