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Flüchtlinge im Altenburger Land erhalten Integrationswegweiser

Infomappe in verschiedenen Sprachen Flüchtlinge im Altenburger Land erhalten Integrationswegweiser

Flüchtlinge mit Aufenthaltsgenehmigung erhalten voraussichtlich in der kommenden Woche einen Integrationswegweiser. Damit soll unter anderem doppelte Arbeit in Institutionen und Behörden verhindert und den Migranten ein nützlicher Leitfaden in die Hand gegeben werden. Im Oktober erhielt die Arbeiterwohlfahrt den Zuschlag vom Kreis, diese Wegweiser zu erarbeiten.

Der Arbeitsgruppe Integrationswegweiser gehören Volker Liebelt, Jörg Neumerkel, Marleen Stroka,Christoph Schmidt, Silvia Herden, Lutz Dittel, Ivy Bieber und AWO-Mitarbeiterin Kristin Heinig (v.l.) an .
 

Quelle: Jörg Reuter

Hainichen/Altenburg.  Selbst für Deutsche ist der bundesrepublikanische Bürokratie-Dschungel bisweilen kaum zu durchdringen. Für Flüchtlinge ist die Situation ungleich schwieriger. Was zum einen mit fehlenden Sprachkenntnissen zu begründen ist. Zum anderen kommen die Menschen aus Staaten, in denen es keine vergleichbaren staatlichen Strukturen gibt. Zu Begriffen wie Mittel der Grundsicherung, Rundfunkgebühren oder Umzugsmeldungen gibt es in den Heimatländern der Migranten meist keine Entsprechung. Besonders unübersichtlich wird die Situation, sobald die Asylbewerber eine Aufenthaltsgenehmigung haben. Ein Integrationswegweiser, der voraussichtlich kommenden Woche verteilt wird, soll nun Flüchtlingen und Behördenmitarbeitern helfen.

Bis zur Klärung des Status haben alle Flüchtlinge mit der Ausländerbehörde nur einen Ansprechpartner. Doch halten die Migranten ihre Aufenthaltsgenehmigung in der Hand, seien sie sofort und in vollem Umfang mit der deutschen Bürokratie konfrontiert, erläutert Christoph Schmidt vom Diakonat Altenburger Land. Bei der dann notwendigen Tour durch x-verschiedene Ämter, vom Jobcenter bis zum Wohnungsamt, seien die Leute meist völlig überfordert. Gleiches gelte auch für die Sachbearbeiter ihnen gegenüber. Denn Fragen wie: Wo waren Sie schon? Und was haben Sie bereits beantragt?, bleiben häufig unbeantwortet. „Die Folge ist, dass Arbeit doppelt und dreifach erledigt wird“, beschreibt Silvia Herden vom Inka-Projekt, was viele Behördenmitarbeiter derzeit erleben.

Die Lösung all dieser Probleme soll nun der Integrationswegweiser werden. In verschiedenen Sprachen, beispielsweise Arabisch, Tigrinya, Somali oder Englisch, wird auf zehn Seiten erläutert, was Asylbewerber wo erledigen können beziehungsweise müssen. Das reicht von der Krankenversicherung über die Anmeldung beim Stromanbieter oder Sprachkurs bis hin zur Eröffnung eines Kontos.

„Das Besondere daran ist, dass die Sachbearbeiter Vermerke in der Mappe hinterlassen, damit die Kollegen in anderen Institutionen wissen, wo der Flüchtling schon war und was noch offen ist“, erläutert Jörg Neumerkel, Teamleiter beim Jobcenter.

„Das wird eines der wichtigsten Dokumente, welches die Flüchtlinge in die Finger bekommen“, kündigt Lutz Dittel, Regionalleiter der Arbeiterwohlfahrt (Awo), an. Die Awo hat in Kooperation mit dem Projekt Inka, der Caritas, der Diakonie und dem Landkreis den Wegweiser entwickelt und erstellt. Den Auftrag dafür hatte 2015 das Landratsamt ausgeschrieben und mit Mitteln aus dem lokalen Aktionsplan finanziert. Trotz der Tatsache, dass der Wegweiser letztlich ein Projekt der Awo ist, sind alle Partner bis zum Schluss bei der Stange geblieben, sagt Dittel und bedankt sich für die sehr gute Zusammenarbeit seit Oktober.

Diese ist auch dem Integrationswegweiser anzusehen, der im engeren Sinn nur ein Teil einer ganze Mappe voller Informationen ist. Zu denen gehört neben dem Wegweiser unter anderem eine Liste mit Adressen von Vermietern oder ein Faltblatt über unser Trinkwasser. „Denn die Flüchtlinge sind aus ihrer Heimat nicht gewohnt, dass Leitungswasser getrunken werden kann“, erklärt Christoph Schmidt.

350 Mappen und 500 Wegweiserhefte konnten mit den vorhandenen Mitteln gedruckt werden. Die Flüchtlinge erhalten die Mappen im Jobcenter und bei der Migrationsberatung der Caritas. Weil die Flüchtlinge, die im Landkreis bleiben wollen und dürfen, zwangsläufig zu diesen Stellen müssen, so Volker Liebelt vom Altenburger Caritasverband. Damit soll verhindert werden, dass die Migranten mit den aufwendigen Mappen sorglos umgehen. Außerdem werden so nur die erreicht, für die der Integrationswegweiser konzipiert ist, eben jene Migranten mit geklärten Aufenthaltsstatus, die im Landkreis bleiben wollen. „Dafür müsste die Auflage fürs Erste reichen. Wenn die jetzt herausgegebenen Exemplare alle sind, werden wir sehen, wie eine zweite Auflage finanziert werden kann“, meint Dittel zuversichtlich.

„Neben der gedruckten Variante ist der Integrationswegweiser auch bei uns auf der Homepage als Download zu finden“, ergänzt Marleen Stroka, vom Inka-Projekt.

Von Jörg Reuter

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