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Altenburg Flüchtlinge in Altenburg haben die „Heiste“ für sich entdeckt
Region Altenburg Flüchtlinge in Altenburg haben die „Heiste“ für sich entdeckt
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05:00 02.09.2016
Leitet den „Heiste“ genannten Sozialladen in Altenburg: Ludmila Olahova. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Für Ludmila Olahova und ihr 13-köpfiges Team beginnt der Tag im „Heiste“ genannten Sozialladen an der Luxemburgstraße gegenüber dem Altenburger Lindenau-Museum zeitig. „Gegen 6.30 Uhr legen wir los, fahren mit unseren drei Lieferwagen die spendenden Märkte an und bestücken unseren Laden, machen sauber und richten alles her“, erzählt die 40-Jährige. Alles in allem acht Supermärkte sowie diverse kleine Händler zählen zu den freiwilligen Lieferanten des Sozialladens. Sie spenden Lebensmittel, die im normalen Verkauf nicht mehr abzusetzen sind.

Wenn die „Heiste“ dann werktags um 10 Uhr öffnet, warten die meisten der Kunden schon etliche Stunden. „So zeitig kommen eigentlich ausschließlich Flüchtlinge, die hier in unserer Stadt untergekommen sind. Deutsche Bedürftige kommen in der Regel erst später“, erzählt die 40-jährige Tschechin Olahova, die es vor 20 Jahren der Liebe wegen gen Altenburg gezogen hat.

„Um rund 60 Prozent ist die Zahl der Kundschaft gestiegen, seit in Altenburg Flüchtlinge untergebracht werden. Sie haben unseren Laden für sozial Bedürftige für sich entdeckt“, sagt Adelheid Schatz, die Geschäftsführerin des Vereines Ostthüringer Neue Arbeit, der den Sozialladen „Zur Heiste“ seit November 2015 in Altenburg betreibt. Bedürftige können sich hier für einen Obolus mit Lebensmitteln versorgen, die von Händlern gespendet werden.

Die dort tätigen Helfer, zumeist über Beschäftigungsmaßnahmen der Arbeitsagentur oder freiwillig, stehen in den letzten Monaten vor ganz neuen Herausforderungen. „Wir haben hier ein kunterbuntes Sprachengewirr, dem man manchmal mit Händen und Füßen beikommen muss, andere Mentalitäten und natürlich von den Deutschen abweichende Essgewohnheiten“, sagt Laden-Chefin Olahova. Denn zumeist sind die Flüchtlinge muslimischen Glaubens, wo beispielsweise Schweinefleisch tabu ist. „Darauf müssen auch wir achten“, ergänzt Adelheid Schatz.

Was die Renner vor allem bei den Kunden mit Migrationshintergrund sind, können die beiden Frauen wie aus der Pistole geschossen sofort sagen: „Frisches Obst und Gemüse, am besten noch gar nicht bearbeitet, stehen besonders hoch im Kurs. Deutsche fragen danach eher selten, wollen lieber fertige Produkte, die nicht mehr aufwendig zubereitet werden müssen.“

Bislang haben Verein und Mitarbeiter diesen gewachsenen Ansturm recht gut bewältigt. „Wenngleich man auch sagen muss, dass die Menge der Lebensmittelspenden trotz der immens gestiegenen Nachfrage gleich geblieben ist“, erklärt Schatz. Punktuell helfe auch der Landesverband der Tafeln in Erfurt bei der Bestückung mit Lebensmitteln aus. „Denn auch unser Dachverband sammelt von großen Unternehmen Spenden ein, die er an die einzelnen Vereine weiterreicht. Letztens gab es beispielsweise eine Lieferung Pizzen“, so Olahova.

Trotzdem: Eine um rund 60 Prozent gestiegene Nachfrage bei der gleichgebliebenen Menge an verfügbaren Lebensmitteln – da braucht es im laufenden Geschäftsbetrieb auch ein gewisses Management. „Vieles müssen wir auch konkret zuteilen, weil die Mengen begrenzt sind, aber möglichst alle etwas abbekommen sollen“, sagt die resolute Teamchefin. „Aber bislang haben die Kunden auf solche Limitierungen eigentlich durchweg mit Verständnis reagiert“, fügt sie hinzu.

Für den Verein Neue Arbeit ist dieses soziale Engagement – weitere Ausgabestellen für Lebensmittel an Bedürftige betreibt er unter anderem in Lucka und Rositz – aber immer ein finanzieller Ritt auf der berühmten Klinge. „Mieten und Nebenkosten müssen wir tragen, wie auch den Unterhalt für unsere Fahrzeuge“, sagt Adelheid Schatz. Dieses Geld, monatlich ein Betrag im vierstelligen Bereich, muss aus den Erlösen des Verkaufs sowie aus Spenden eingespielt werden. „Derzeit ist der Bogen arg gedehnt. Wir müssen aufpassen, dass wir ihn nicht überspannen“, warnt Schatz.

Wie schmerzlich dann die Einschnitte sein könnten, hat die Vergangenheit mehrfach gezeigt: Die Verpflegung mit einem warmen Essen an der Ebertstraße musste wegen der überbordenden Kosten Ende Oktober vergangenen Jahres eingestellt werden. Und Ende Juli musste auch der „Heiste“-Laden in Schmölln geschlossen werden, weil der Verein die Miete nicht mehr aufbringen konnte.

Übrigens: Eine Heiste ist laut Internet-Enzyklopädie Wikipedia ein erhöhter, gepflasterter Gehweg, der zur Haustür oder an einer Häuserzeile entlang von Haustür zu Haustür führt.

Von Jörg Wolf

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