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Altenburg Flüchtlinge sollen Wohnkomplex in Altenburg-Nord beziehen
Region Altenburg Flüchtlinge sollen Wohnkomplex in Altenburg-Nord beziehen
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00:39 11.10.2015
Für die mögliche dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen vorgesehen: Der Plattenbau der SWG in der Siegfried-Falk-Straße. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Elfriede Külbel macht sich Sorgen. Grund dafür ist ein Schreiben der Städtische Wohnungsgesellschaft Altenburg (SWG), das sie und alle anderen Mieter der Siegfried-Flack-Straße 45-59 Ende September erhalten haben. Darin informiert SWG-Geschäftsführer Michael Rüger, dass man dem Landratsamt ab 15. Oktober leerstehende Wohnungen in ihren Häusern zur dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen vermietet. Was die Rentnerin und weitere Bewohner nun umtreibt, ist neben der Frage nach der Einhaltung der Hausordnung auch die, ob sie nun ausziehen müssen.

„So verstehen es jedenfalls viele Mieter“, berichtet Külbel und verweist auf den letzten Satz des SWG-Schreibens: „Aus diesem Grund werden wir bei Ihrem Anliegen alles daran setzen, um eine geeignete Lösung zu finden, ggf. Sie auch bei der Suche nach neuem Wohnraum bestmöglich zu unterstützen.“ Das aber verneinen Külbel und Co. energisch. „Wir wollen keine neue Wohnung“, erklärt sie auch im Namen anderer. „Wir wollen in unserem gewohnten Umfeld bleiben und auch unsere gut funktionierende Wohngemeinschaft erhalten.“

Das Missverständnis räumte Rüger auf OVZ-Nachfrage umgehend aus: „Das ist keine Aufforderung auszuziehen, die Mieter können natürlich in ihren Wohnungen bleiben.“ Dieses Angebot beruhe vielmehr auf Erfahrungen in der Leipziger Straße. „Dort haben wir derzeit circa 40 von 120 Wohnungen an das Landratsamt vermietet. Einige Mieter sind daraufhin weggezogen, andere geblieben.“

Dass man sich in Sachen Flüchtlingsunterbringung nach Rücksprache mit dem Aufsichtsrat und der Stadt für ein weiteres Objekt in der Flack-Straße entschied, liegt laut dem SWG-Chef an der Einschätzung des Landratsamtes, dass das Kontingent für Flüchtlingsunterkünfte im Kreis – trotz verstärkter Bemühungen im Umland – nicht ausreicht und es Vorteile für die Betreuung der Asylbewerber bringt. „Eine gewisse Konzentration ist für die Betreuung besser handhabbar“, erklärte Rüger mit Verweis auf seit Ende 2014 direkt nebenan untergebrachte Flüchtlinge. Dazu passt, dass aktuell 42 der 80 Wohnungen in besagtem Block leerstehen, die man nun nach und nach zur Verfügung stellt.

Doch genau diese Konzentration führt bei Bewohnern der Flack-Straße wiederum zu der Frage, warum die Asylbewerber nicht auch woanders einquartiert werden können – etwa in Altenburg-Südost oder in der Liebermannstraße, wo die SWG jüngst einen Block abreißen ließ. „Der Abriss in der Liebermannstraße lief noch über den Wirtschaftsplan 2014“, begründete der SWG-Chef. Als damals die Entscheidung gefallen sei, sei das Thema noch nicht interessant gewesen. „Und in Südost sind bis auf einen sämtliche Blöcke saniert. Und selbst dort haben wir keine Flächenleerstände wie in Nord.“

Den Eindruck, dass das Unternehmen mit der Unterbringung der Asylbewerber vor allem Geld machen wolle, weist Rüger von sich: „Alles hat zwei Seiten: Die Flüchtlinge mindern zwar den Leerstand, bringen, wie man sieht, aber auch Unruhe. Es ist keineswegs so, dass wir uns dumm und dämlich verdienen, wie die Fälle einzelner Investoren im Fernsehen zeigen. Wir vermieten nicht um jeden Preis, sondern nur in notwendigem Maße, um die Situation zu verbessern.“
Bleibt aus Sicht der Bewohner noch die Frage, wer den Neu-Mietern die Hausordnung und Dinge wie gegenseitige Rücksichtnahme nahebringt. Dafür ist jedoch das Landratsamt und nicht die SWG zuständig. „Zunächst einmal erfolgt eine mündliche Einweisung der Flüchtlinge bei Wohnungsübergabe“, beschreibt die Behörde das Prozedere. „Zudem gibt es ein Handout der Hausordnung, welches in einer adäquaten Sprache verfasst ist. Des Weiteren kommunizieren die Sozialarbeiter vor Ort mit den untergebrachten Flüchtlingen.“

Allerdings sehen genau dort Nachbarn bisher Defizite und verweisen auf sich wiederholende Sperrmüllablagerungen, Verunreinigungen und Lärm. Auch SWG-Geschäftsführer Rüger weiß, dass die Betreuungsqualität verbessert werden muss. In der neuen Lösung sieht er fürs Landratsamt aber „eine gute Möglichkeit“, das zu schaffen.

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