Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Flüchtlingskinder sollen am Schmöllner Förderzentrum durchstarten

Starterklasse Flüchtlingskinder sollen am Schmöllner Förderzentrum durchstarten

Am Förderzentrum in Schmölln wird jetzt eine sogenannte Starterklasse unterrichtet. Bis zu 14 Flüchtlingskinder sollen hier ein halbes Jahr lang die deutsche Sprache erlernen, ehe sie an ihren Schulen in normale Klassen eingegliedert werden. Das Förderzentrum, Träger ist der Landkreis, soll mit dem Projekt etwas besser ausgelastet werden. Viele Räume stehen hier leer.

Majd kann die Begriffe schon ganz gut aussprechen.

Quelle: Mario Jahn

Schmölln/Altenburg. So richtig weiß die sechsjährige Berivan nicht, was sie an der Tafel machen soll. „Kreise den Buchstaben A ein“, erklärt ihr geduldig die Lehrerin. Nach und nach gelingt dem kleinen Mädchen aus Syrien, mit roter Kreide bei den Worten „Affe“, „Apfel, „Banane“ und „Paprika“ ein A nach dem anderen zu finden. Sie braucht dafür Hilfe. Dem 15-jährigen Majd indes gelingt es schon ganz gut, anhand von Bildern und Worten einige Obst- und Gemüsesorten deutsch auszusprechen. Auch er hat den Krieg in Syrien hinter sich gelassen.

Berivan und Majd gehören zu einer sogenannten Starterklasse, die seit Freitag am Förderzentrum des Landkreises in Schmölln unterrichtet wird – 20 Stunden pro Woche. Bis zu 14 Flüchtlingskinder unterschiedlichen Alters können hier die deutsche Sprache erlernen. Derzeit sind es acht, die mit ihren Familien vorwiegend im Nobitzer Ortsteil Großmecka leben. Die Kinder sollen in einem halben Jahr die deutsche Sprache soweit beherrschen, dass sie an ihren Grund- oder Regelschulen in normale Klassen integriert werden können und dort weitere Sprachförderung erfahren.

Die Initiative, unter dem Dach des Schmöllner Förderzentrums eine Starterklasse zu etablieren, kam von der Schulleitung. Denn die sucht seit Jahren nach Möglichkeiten, das vor 22 Jahren gebaute Haus am Rande der Stadt, das eine Kapazität von 180 Schülern hat, besser auszulasten. Derzeit werden hier nur 50 Förderschüler unterrichtet. Hinzu kommen 50 Kinder, die – Stichwort Inklusion – in Grund- und Regelschulen in und um Schmölln am „Gemeinsamen Unterricht“ teilnehmen. Dazu hat das Förderzentrum als Netzwerkschule 15 seiner 29 Lehrer abgestellt.

In zwei konstruktiven Gesprächen mit dem Schulamt seien Lösungen für die Starterklasse gefunden worden, sagte am Dienstag Landrätin Michaele Sojka (Linke) bei der Vorstellung des Projekts. Mit Alla Zschiegner wurde eine Pädagogin mit Erfahrung gefunden, das Staatliche Schulamt stellte sie ein und finanziert sie. Zschiegner wuchs in Russland auf und studierte dort Deutsch und Englisch. Seit neun Jahren lebt sie in Deutschland, jetzt in der Nähe von Greiz, wo sie an der dortigen Volkshochschule jungen erwachsenen Flüchtlingen die deutsche Sprache beibringt.

Kurdisch und Arabisch wie ihre Schützlinge in Schmölln spricht sie allerdings nicht. „Deshalb geht viel über das Bild und die Handlung“, erläutert Schulleiterin Jana Goßmann. „Wir haben im Haus das didaktische Material dafür, wir haben es aus den Schränken geholt und entstaubt.“ Goßmann weiß, dass die Rahmenbedingungen in ihrem Haus für eine Flüchtlingskinder-Klasse gut sind. Die Fachkräfte des Förderzentrums wollen ihren Worten zufolge Zschiegner unterstützen. Die Eltern der Förderschüler seien vorab bei einem Elternabend über die Starterklasse informiert worden, so Goßmann. „Wir hatten Bedenken auszuräumen“, am Ende seien aber sogar ein gemeinsames Essen und Sportspiele angedacht worden. Und die Schüler hätten mit den syrischen Kindern in der Pause schon Fußball gespielt. „Alles ist normal.“

Auch das Förderzentrum „Erich Kästner“ in Altenburg, ebenfalls in Trägerschaft des Landkreises, ist bei weitem nicht ausgelastet. Ob hier eine Starterklasse ins Haus kommen kann, ist allerdings offen und laut Sojka vom Schulamt abhängig. Die Stadt Altenburg setze auf ihre eigenen Schulen, deshalb habe sie an der Dietrich-Bonhoeffer-Regelschule zwei Starterklassen etabliert. Mehr solcher Klassen gibt es derzeit nicht im Altenburger Land.

Nach Angaben von Wolfgang Kopplin, Fachdienstleiter Schulverwaltung im Landratsamt, leben zur Zeit im Landkreis 55 schulpflichtige Flüchtlingskinder. Weitere 54 junge Asylsuchende seien älter als 16 und müssten auf einen Beruf vorbereitet werden. Das Berufliche Schulzentrum „Johann Friedrich Pierer“ habe dazu vier Klassen im Berufvorbereitungsjahr/Sprache (BVJ/S) und stoße an seine Grenzen.

Übrigens sagte Sojka auf OVZ-Anfrage, dass die Förderzentren trotz der schlechten Auslastung derzeit nicht zur Disposition stünden. „Wir haben eine Schulnetzplanung bis 2019.“ Während das Haus in Schmölln dem Landkreis gehört, läuft für das jetzt 20 Jahre alte Gebäude des Förderzentrums Altenburg ein Leasingvertrag bis zum Jahr 2021.

Von Frank Prenzel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Altenburg
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • LVZ-Fahrradfest
    Logo LVZ-Fahrradfest

    LVZ-Fahrradfest 2016: Sehen Sie hier einen Rückblick mit vielen Fotos von allen Starts, Videos und mehr. mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr