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Altenburg Flüchtlingskinder sollen am Schmöllner Förderzentrum durchstarten
Region Altenburg Flüchtlingskinder sollen am Schmöllner Förderzentrum durchstarten
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11:36 09.03.2016
Alla Zschiegner (2.v.r.) bringt den syrischen Kindern bildhaft bei, wie die Früchte auf Deutsch heißen. Seit wenigen Tagen unterrichtet die Frau, die aus Russland stammt, eine Starterklasse unter dem Dach des Förderzentrums Schmölln. Quelle: Mario Jahn
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Schmölln/Altenburg

So richtig weiß die sechsjährige Berivan nicht, was sie an der Tafel machen soll. „Kreise den Buchstaben A ein“, erklärt ihr geduldig die Lehrerin. Nach und nach gelingt dem kleinen Mädchen aus Syrien, mit roter Kreide bei den Worten „Affe“, „Apfel, „Banane“ und „Paprika“ ein A nach dem anderen zu finden. Sie braucht dafür Hilfe. Dem 15-jährigen Majd indes gelingt es schon ganz gut, anhand von Bildern und Worten einige Obst- und Gemüsesorten deutsch auszusprechen. Auch er hat den Krieg in Syrien hinter sich gelassen.

Berivan und Majd gehören zu einer sogenannten Starterklasse, die seit Freitag am Förderzentrum des Landkreises in Schmölln unterrichtet wird – 20 Stunden pro Woche. Bis zu 14 Flüchtlingskinder unterschiedlichen Alters können hier die deutsche Sprache erlernen. Derzeit sind es acht, die mit ihren Familien vorwiegend im Nobitzer Ortsteil Großmecka leben. Die Kinder sollen in einem halben Jahr die deutsche Sprache soweit beherrschen, dass sie an ihren Grund- oder Regelschulen in normale Klassen integriert werden können und dort weitere Sprachförderung erfahren.

Die Initiative, unter dem Dach des Schmöllner Förderzentrums eine Starterklasse zu etablieren, kam von der Schulleitung. Denn die sucht seit Jahren nach Möglichkeiten, das vor 22 Jahren gebaute Haus am Rande der Stadt, das eine Kapazität von 180 Schülern hat, besser auszulasten. Derzeit werden hier nur 50 Förderschüler unterrichtet. Hinzu kommen 50 Kinder, die – Stichwort Inklusion – in Grund- und Regelschulen in und um Schmölln am „Gemeinsamen Unterricht“ teilnehmen. Dazu hat das Förderzentrum als Netzwerkschule 15 seiner 29 Lehrer abgestellt.

In zwei konstruktiven Gesprächen mit dem Schulamt seien Lösungen für die Starterklasse gefunden worden, sagte am Dienstag Landrätin Michaele Sojka (Linke) bei der Vorstellung des Projekts. Mit Alla Zschiegner wurde eine Pädagogin mit Erfahrung gefunden, das Staatliche Schulamt stellte sie ein und finanziert sie. Zschiegner wuchs in Russland auf und studierte dort Deutsch und Englisch. Seit neun Jahren lebt sie in Deutschland, jetzt in der Nähe von Greiz, wo sie an der dortigen Volkshochschule jungen erwachsenen Flüchtlingen die deutsche Sprache beibringt.

Kurdisch und Arabisch wie ihre Schützlinge in Schmölln spricht sie allerdings nicht. „Deshalb geht viel über das Bild und die Handlung“, erläutert Schulleiterin Jana Goßmann. „Wir haben im Haus das didaktische Material dafür, wir haben es aus den Schränken geholt und entstaubt.“ Goßmann weiß, dass die Rahmenbedingungen in ihrem Haus für eine Flüchtlingskinder-Klasse gut sind. Die Fachkräfte des Förderzentrums wollen ihren Worten zufolge Zschiegner unterstützen. Die Eltern der Förderschüler seien vorab bei einem Elternabend über die Starterklasse informiert worden, so Goßmann. „Wir hatten Bedenken auszuräumen“, am Ende seien aber sogar ein gemeinsames Essen und Sportspiele angedacht worden. Und die Schüler hätten mit den syrischen Kindern in der Pause schon Fußball gespielt. „Alles ist normal.“

Auch das Förderzentrum „Erich Kästner“ in Altenburg, ebenfalls in Trägerschaft des Landkreises, ist bei weitem nicht ausgelastet. Ob hier eine Starterklasse ins Haus kommen kann, ist allerdings offen und laut Sojka vom Schulamt abhängig. Die Stadt Altenburg setze auf ihre eigenen Schulen, deshalb habe sie an der Dietrich-Bonhoeffer-Regelschule zwei Starterklassen etabliert. Mehr solcher Klassen gibt es derzeit nicht im Altenburger Land.

Nach Angaben von Wolfgang Kopplin, Fachdienstleiter Schulverwaltung im Landratsamt, leben zur Zeit im Landkreis 55 schulpflichtige Flüchtlingskinder. Weitere 54 junge Asylsuchende seien älter als 16 und müssten auf einen Beruf vorbereitet werden. Das Berufliche Schulzentrum „Johann Friedrich Pierer“ habe dazu vier Klassen im Berufvorbereitungsjahr/Sprache (BVJ/S) und stoße an seine Grenzen.

Übrigens sagte Sojka auf OVZ-Anfrage, dass die Förderzentren trotz der schlechten Auslastung derzeit nicht zur Disposition stünden. „Wir haben eine Schulnetzplanung bis 2019.“ Während das Haus in Schmölln dem Landkreis gehört, läuft für das jetzt 20 Jahre alte Gebäude des Förderzentrums Altenburg ein Leasingvertrag bis zum Jahr 2021.

Von Frank Prenzel

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