Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Flügelkämpfe in der Landes-SPD

Flügelkämpfe in der Landes-SPD

In der Thüringer SPD brennt die Luft: Einen Monat vor dem Landesparteitag wächst der Druck auf Parteichef Christoph Matschie.

Erfurt.

 

 

In der Thüringer SPD brennt die Luft: Einen Monat vor dem Landesparteitag wächst der Druck auf Parteichef Christoph Matschie. Es bahnt sich ein Machtkampf mit dem linken Flügel an. Nun soll Wirtschaftsminister Matthias Machnig Partei-Vize werden - und die CDU bangt um die Koalition.

 

Christoph Matschie ist Gegenwind gewohnt. Seit fast zwölf Jahren ist er Vorsitzender der Thüringer SPD, einer Partei, die chronisch zerstritten ist. Nur mit Mühe konnte Matschie nach der Landtagswahl 2009 eine Spaltung verhindern, als er sich gegen ein Regierungsbündnis mit der Linkspartei entschied. Jetzt haben die alten Gegner neue Kräfte getankt - Matschie gilt als angeschlagen, seit Frank Roßner im Januar völlig überraschend das Landratsamt im Saale-Orla-Kreis an die CDU verlor. Ihm wird auch das unterkühlte Verhältnis zur Linkspartei angelastet, die in der Stichwahl zur Nicht-Wahl Roßners aufrief.

Nun sind die SPD-Oberbürgermeister und Landräte, die am 22. April wiedergewählt werden wollen, in helle Panik ausgebrochen. Sie fordern von Matschie einen Linksruck. "Solidarische Mehrheiten sind links der Mitte. Die Dominanz der Staatspartei CDU muss endlich neuen Mehrheiten weichen", heißt es in einem Brandbrief - verpackt als Zehn-Punkte-Programm zur Kommunalwahl.

Es hat prominente Unterstützer: die SPD-Oberbürgermeister von Erfurt, Gera, Jena, Weimar, Gotha und auch Altenburgs OB Michael Wolf. "Die Schnittmengen zwischen SPD und Linkspartei für eine andere Politik sind groß. Diese Chancen wollen wir nutzen", schreiben sie in dem brisanten Papier.

Das Pikante daran: Nach OVZ-Informationen stammt es größenteils aus der Feder von Wirtschaftsminister Matthias Machnig - auch wenn sein Name auf der Liste fehlt. Machnig gilt als wortmächtiger Befürworter eines Bündnisses mit der Linkspartei. Das Verhältnis zu Matschie, der den ehemaligen Umweltstaatssekretär 2009 aus Berlin holte, ist inzwischen zerrüttet. Der fragile Frieden in der SPD ist zerbrochen.

Matschie scheint in der Defensive, auf eine Kraftprobe will er es offenbar nicht ankommen lassen und hat Machnig deshalb den Posten als Partei-Vize angeboten. Der Wirtschaftsminister hat bereits eingeschlagen.

Umarme und herrsche - zum wiederholten Mal bindet Matschie einen Kontrahenten, um ihn besser zu kontrollieren - zuletzt 2010, als er Erfurts Bürgermeister Andreas Bausewein zum Vize berief. "Machnig hat für die SPD zwei Bundestagswahlkämpfe gemanagt, und ist auch in Thüringen einer der größten Aktivposten der Partei", sucht SPD-Landesgeschäftsführer René Lindenberg nach einem positiven Dreh. Kurios ist nur, dass es Machnig bisher nie in ein gewähltes Parteiamt gezogen hat. Will er womöglich 2014 Ministerpräsident werden - und Matschie den Parteivorsitz überlassen?

Unwahrscheinlich sei das nicht, munkeln Insider, während Matschie als blass gilt, plant Machnig publikumswirksam Stadien und profiliert die SPD auf Kosten der CDU. Dem Neu-Thüringer wird zwar eine starke Sehnsucht nach einem Ministeramt in Berlin nachgesagt. Sollte das 2013 nicht klappen, bliebe aber die Hintertür Thüringen.

Gleichzeitig haben sich gestern die ersten Unterstützer des brisanten Papiers wieder distanziert, darunter die OBs von Jena und Altenburg, Albrecht Schröter und Michael Wolf. "Ich bin gegen eine zu starke Annäherung an die Linkspartei", sagte Wolf. "Christoph Matschie ist für mich unstrittig der Parteivorsitzende. Ich bin strikt gegen einen Machtkampf. Das ist das Letzte, was für jetzt brauchen, vor den Kommunalwahlen."

Um "Gerüchten" entgegenzuwirken, eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei werde blockiert, habe Matschie inzwischen mehrfach mit Linke-Parteichef Knut Korschewsky gesprochen, erklärt Lindenberg. Beim Koalitionspartner CDU schrillen nun die Alarmglocken, denn Matschie ist der Garant der schwarz-roten Regierung. Verschiebt sich das Kräfteparallelogramm in der SPD, droht der Union spätestens 2014 die Oppositionsbank.

Robert Büssow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Altenburg
Außenansicht der Agneskirche
Ein Spaziergang durch die Region Altenburg
  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr