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Flugplatz Nobitz: Schlammschlacht um Kündigung von Ex-Chef

Vorwürfe und eine Anzeige Flugplatz Nobitz: Schlammschlacht um Kündigung von Ex-Chef

Bereits bevor der Prozess um die Kündigung des Ex-Geschäftsführer des Flugplatzes Altenburg-Nobitz, Jürgen Grahmann, am Mittwoch am Landgericht Gera fortgesetzt wird, waschen Beteiligte schmutzige Wäsche. Der frühere Hauptbelastungszeuge Jan Godts beklagt, von Flugplatz-Seite bedroht worden zu sein.

Jürgen Grahmann (links) streitet derzeit vor dem Landgericht Gera um die Rechtmäßigkeit seiner Kündigung. Architekt Jan Godts soll den Gesellschaftern einst den Hauptgrund dafür geliefert haben, will nun aber nichts mehr davon wissen und behauptet nun, bedroht worden zu sein.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Der Flugplatz Altenburg-Nobitz kommt nicht zur Ruhe. Bereits bevor der Prozess um die Rechtmäßigkeit der Kündigung von Ex-Geschäftsführer Jürgen Grahmann am Mittwoch vor dem Landgericht Gera fortgesetzt wird, waschen Beteiligte schmutzige Wäsche. So behauptet Jan Godts, einst Hauptbelastungszeuge für den fristlosen Rauswurf, dass er nach der Mai-Verhandlung massiv bedroht worden sei. Das weist die Flugplatz-Seite zurück. Zudem will sie neue Beweise vorlegen. Auch die Liste der Zeugen hat sich verlängert: Neben dem Chef einer Altenburger Anwaltskanzlei werden vor der Zivilkammer nun auch Grahmanns Ehefrau und Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) erwartet.

Wie berichtet, sollte Godts vor drei Monaten aussagen, dass er von Grahmann zu kostenlosen Arbeiten an dessen Privathaus genötigt worden sein soll. Drohkulisse war der Entzug von Flugplatz-Aufträgen. Jedoch bestritt er das vehement. Offenbar mit Folgen. „Man hat mir telefonisch massivst gedroht“, so Godts im OVZ-Gespräch. Ihm sei mehrfach gesagt worden, dass er seine Aussage zurückziehen solle. Tue er dies nicht, wolle man ihn wegen Falschaussage anzeigen. „Ich soll denen bestätigen, was sie hören wollen.“ Zumindest einen von – dem Vernehmen nach – mehreren Anrufern benannte der Architekt: Jürgen Ronneburger. Seitdem er als Chef der Schmöllner Stadtwerke entlassen wurde, ist der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag Privatier, sitzt aber im Aufsichtsrat des Flugplatzes, der Grahmanns Kündigung Ende 2014 empfohlen hatte.

Er habe Godts nach der letzten Verhandlung angerufen, bestätigte Ronneburger auf Nachfrage. „Aber ich habe ihn nur gebeten, die Wahrheit zu sagen, ihm niemals gedroht.“ Hintergrund: Die Gesellschafterversammlung, der Landrätin Michaele Sojka (Linke), die Thüsac-Geschäftsführung und der Nobitzer Bürgermeister Hendrik Läbe (SPD) angehören, hatte ihre Kündigung unter anderem auf die Anschuldigungen des Architekten gestützt.

Auch der jetzige Flugplatz-Geschäftsführer Frank Hartmann kann sich nicht vorstellen, dass jemand Godts gedroht haben soll, wie es inzwischen auch Grahmanns Anwalt Stefan Leubecher in einem Brief behauptet und darin eine unzulässige Einflussnahme sieht. „Merkwürdig“, findet das Hartmann. Denn dafür gebe es keinen Grund. „Ich habe ihn aus dem Gericht heraus wegen uneidlicher Falschaussage angezeigt.“ Nun ermittele die Staatsanwaltschaft.

Nach dem Schock durch die letzte Aussage des Architekten hält sich Hartmann nun mit Erwartungen zurück. „Es ist nicht optimal gelaufen“, erklärte er. „Ich hoffe auf einen positiven Prozessverlauf.“ Zumal das Gericht zu verstehen gegeben habe, es könne auch auf Zeugen vom Hören-Sagen ankommen.

Die stehen mit dem Chef der Altenburger Anwaltskanzlei und OB Wolf, der seine Ladung auf Nachfrage bestätigte, auf dem Programm. Beide sollen davon berichten, was ihnen Godts seinerzeit von den in Rede stehenden Privat-Leistungen an Grahmanns Haus und der versuchten Nötigung erzählt haben soll. Mit Grahmanns Frau hingegen rückt die erste, vom Gericht wegen eines Formfehlers schon als unwirksam abgehakte Kündigung wieder in den Fokus.

Daneben gibt es offenbar auch noch eine Rechnung von Godts an Grahmann, die in der Verhandlung eine Rolle spielen könnte. Darauf sind nach OVZ-Informationen Leistungen des Architekten samt Stundenumfängen verzeichnet. Allerdings trägt diese ein Datum, das nach der Kündigung des Geschäftsführers im Dezember 2014 liegt. Godts soll jedoch zwischen 2007 und 2011 für den Ex-Flugplatz-Chef privat tätig gewesen sein. Der Architekt sagte dazu nur: „Das war ein Angebot für den Fall Was-wäre-Wenn.“ Es stehe nur fälschlicherweise „Rechnung“ darüber.

Ans Ende jenes Zeitraums fällt auch eine andere Anekdote, die möglicherweise mit der Kündigung Grahmanns zusammenhängt. Laut Aufsichtsrat hat der damalige Landrat Sieghardt Rydzewski den mit einer sechsstelligen Summe dotierten Vertrag Grahmanns seinerzeit am Gremium vorbei auf eigene Faust bis Ende 2015 verlängert. Ein Fakt, der den Sparbemühungen für den Flugplatz zuwiderläuft.

Von Thomas Haegeler

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