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Flugplatz Nobitz und Ex-Chef einigen sich überraschend am Landgericht Gera

Prozess um Kündigung Flugplatz Nobitz und Ex-Chef einigen sich überraschend am Landgericht Gera

Bis zum Schluss blieb dieser Prozess ein Garant für jähe Wendungen. Überraschend legten Jürgen Grahmann und der Flugplatz Altenburg-Nobitz am Mittwoch ihren Streit um die Kündigung des Ex-Geschäftsführers bei. Beide Seiten einigten sich vor der Zivilkammer des Landgerichts Gera auf einen Vergleich.

Zu Beginn der Verhandlung im Prozess um die Kündigung des Ex-Chefs des Flugplatzes Altenburg-Nobitz, Jürgen Grahmann (2.v.l.), drängen sich Beteiligte, Zuschauer und Zeugen, zu denen auch Altenburgs OB Michael Wolf (4.v.r.) gehört, in den Saal des Landgerichts Gera.

Quelle: Thomas Haegeler

Altenburg/Gera. Bis zum Schluss blieb dieser Prozess ein Garant für jähe Wendungen. Überraschend legten Jürgen Grahmann und der Flugplatz Altenburg-Nobitz am Mittwoch ihren Streit um die Kündigung des Ex-Geschäftsführers bei. Beide Seiten einigten sich vor der Zivilkammer des Landgerichts Gera auf einen Vergleich. Demnach beendet Grahmann seinen 2006 geschlossenen Arbeitsvertrag zum 30. Juni 2015 im gegenseitigen Einvernehmen aus gesundheitlichen Gründen. Im Gegenzug zahlt ihm die Flugplatz-Gesellschaft 42 000 Euro in sechs Einzelbeträgen von je 7000 Euro.

Darüber hinaus verständigten sich Flugplatz-Geschäftsführer Frank Hartmann und Rechtsanwalt Henry Wilhelm mit Grahmann und dessen Anwalt Stefan Leubecher darauf, dass alle gegeneinander erhobenen Vorwürfe nicht länger aufrecht erhalten werden und sich alle Ansprüche mit der Zahlung erledigt haben. Die Kosten des über zwei Jahre dauernden Verfahrens und des nun geschlossenen Vergleichs rechnet man gegeneinander auf, so dass jede Seite ihren Teil trägt.

Dabei kommt eine stattliche Summe zustande, weil sich die Kosten am Streitwert bemessen. Dieser beträgt 132 000 Euro, der sich aus den 42 000 Euro für den Vergleich und einem Jahresbruttogehalt Grahmanns von 90 000 Euro (ohne Zulagen) ergab. Darauf hatte der Ex-Flugplatz-Chef geklagt, weil sein im Dezember 2014 fristlos gekündigter Vertrag noch bis Ende 2015 gelaufen wäre. Als Grund hatte die Gesellschafterversammlung unter anderem angegeben, dass Grahmann den Architekten Jan Godts mit Androhung des Entzugs von Flugplatz-Aufträgen genötigt haben soll, kostenlose Arbeiten beim Bau seines Privathauses zu erbringen.

Im Laufe des Prozesses war es zu einer Schlammschlacht gekommen. Denn Godts bestritt vor der Zivilkammer die Vorwürfe, von denen er zuvor aber mehreren Verantwortlichen berichtet haben soll. Damit verschlechterten sich zugleich die Karten für den Flugplatz. Im Gegenzug hatte Hartmann den Architekten wegen uneidlicher Falschaussage angezeigt, woraufhin Godts wiederum behauptete, von Flugplatz-Seite massiv unter Druck gesetzt worden zu sein.

Dass sich das Waschen schmutziger Wäsche nicht fortsetzte, lag auch an Richterin Susann Beer, die am Mittwoch nochmals eine Verständigung anregte. Nach einer guten halben Stunde Gesprächen im stillen Kämmerlein und auf dem Flur des Landgerichts verkündete Leubecher 10.10 Uhr, dass man sich geeinigt habe. „Sehr schön“, sagte dazu Richterin Beer, die aber schon weitere Fortsetzungstermine parat hatte.

Mit dem Vergleich erübrigten sich auch die Aussagen von Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) und Rechtsanwalt Alexander Büring, die genauso als Zeugen geladen waren wie Grahmanns Ehefrau. Unumstritten ist die Einigung aber nicht. Zumindest Flugplatz-Aufsichtsrat Gerd Reinboth (CDU) wäre ein Urteil lieber gewesen. Deswegen verließ er vor der offiziellen Verkündung des Vergleichs stinksauer das Gerichtsgebäude.

Dass es verschiedene Meinungen gab, räumte Hartmann ein. „Bei einem Vergleich, bei dem eine der Parteien lacht, hat das Gericht was falsch gemacht“, bemühte er eine Juristen-Weisheit. „Ich muss aber die Interessen des Flugplatzes vertreten.“ Angesichts der sich durch Godts Rückzug verschlechternden Siegchancen und weil es um Steuergeld gehe, sei es aber die beste Lösung.

Nach OVZ-Informationen lag Grahmann bereits Anfang 2016 ein mit 30 000 Euro dotiertes Abfindungsangebot des Flugplatzes vor, das er jedoch ausschlug. Seine Zustimmung begründete er nun hauptsächlich mit der Belastung bei weiterem juristischen Streit. „Ich habe ein weinendes und ein lachendes Auge“, sagte er, als er das Gericht verließ. Er sei froh, dass es endlich vorbei sei. Jetzt wolle er sich auf seine Selbstständigkeit konzentrieren.

Von Thomas Haegeler

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