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Altenburg Folgenreicher Handtaschen-Raub: Altenburger bleibt fast zwei Jahre länger hinter Gittern
Region Altenburg Folgenreicher Handtaschen-Raub: Altenburger bleibt fast zwei Jahre länger hinter Gittern
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14:01 10.08.2016
Vor dem Altenburger Amtsgericht ist ein 21-Jähriger wegen Handtaschen-Raub zu einem Jahr und elf Monaten Haft verurteilt worden. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Welch verheerende Wirkung ein unbedachter Schubser entfalten kann, erlebte nun ein 21-Jähriger. Denn Alex A. holte sich einiges an Haftnachschlag ab, weil er einer älteren Dame einen Stoß verpasste, ihr die Handtasche stahl und sie sich dabei schwer verletzte. Raub in Tateinheit mit Körperverletzung heißt das unter Juristen, weswegen ihn das Amtsgericht Altenburg am Montagnachmittag zu einem Jahr und elf Monaten Gefängnis verurteilte. Dort sitzt A. schon eine Jugendstrafe wegen ähnlicher Delikte ab.

Dass das Schöffengericht unter Leitung von Richter Sandy Reichenbach bis zum Urteil keine drei Stunden brauchte, lag auch am Angeklagten. Dessen Verteidiger Alexander Giehler regte schnell an, sich auf einen Strafrahmen zu einigen – und stellte für diesen Fall ein Geständnis in Aussicht. Damit ersparte er allen eine langwierige Beweisaufnahme, die womöglich problematisch geworden wäre. Denn dem Vernehmen nach hatte niemand das Gesicht des Täters gesehen, wurde er nur aufgrund von Statur, Bewegung und Kleidung identifiziert.

So kam es: Zwischen einem Jahr und elf Monaten und zwei Jahren und vier Monaten Haft sollte sich die Strafe bewegen. Damit konnten Giehler und sein Mandant, Staatsanwalt Horst Sauerbaum und Nebenklage-Vertreter Helge Klein leben. Im Gegenzug gestand A., dass er am Gründonnerstag dieses Jahres einer heute 66-Jährigen die Handtasche samt Portemonnaie, Dokumenten und Schlüssel gestohlen hat. Das tat er, indem er sich dem Opfer vor dem Lerchenberg-Gymnasium von hinten näherte, die Frau schubste, ihr die Tasche entriss und zum Theaterplatz floh, wo er schließlich von der Polizei gestellt wurde. Unterwegs hatte er sich knapp 170 Euro aus dem Portemonnaie eingesteckt und den Rest entsorgt.

Was der Angeklagte bisher aber nicht wusste: Die ältere Dame riss sich beim Sturz ein Kreuzband, lädierte sich den Meniskus, trug heftige Prellungen davon und hat bis jetzt Schmerzen. Ganz zu schweigen von den psychischen Auswirkungen. „Angst habe ich heute noch“, sagte die Geschädigte, wenn sie sich dem Tatort nähere.

Aber auch die Folgeschäden sind nicht ohne: Neben Bargeld waren in der Tasche auch Ausweise sowie Schlüssel. Allein der Tausch des Auto-Schlosses und einer Schließanlage kostete etwa 2000 Euro. Daran ändert auch nichts, dass das Opfer später einen Großteil seiner Sachen wiederbekam. Gebracht hat sie eine Frau, deren Kind sie beim Spielen am Pauritzer Teich gefunden haben will...

„Es tut mir leid“, sagte der Altenburger Angeklagte zum Opfer und bekam einen hochroten Kopf. „Wenn ich könnte, hätte ich es rückgängig gemacht. Ich bin mir sicher, dass ich daraus etwas lerne.“ Diese Reue nahm ihm das Gericht laut Reichenbach ab – und blieb auch deshalb am unteren vereinbarten Strafrahmen. Weitere Gründe dafür waren „eine erhebliche Reifeverzögerung“ durch fehlende Bildung und „eine subjektiv ausweglose Situation“ wegen Stress’ mit der Freundin, so der Richter. Negativ wirkten sich vor allem die Schäden und die Vorstrafen aus.

Laut Anwalt Klein kann das Opfer mit dem Urteil leben. Gleiches gilt für Staatsanwalt Sauerbaum. Beide hatten zwei Jahre und vier Monate Haft gefordert. Dennoch werden sie das Urteil aller Voraussicht nach nicht anfechten. Verteidiger Giehler war zufrieden, weil das Gericht seiner Forderung entsprach. Somit sollte das Urteil nächste Woche rechtskräftig werden.

Von Thomas Haegeler

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