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Altenburg Forst- und Landwirte begegnen dem Frühsommerwetter noch gelassen
Region Altenburg Forst- und Landwirte begegnen dem Frühsommerwetter noch gelassen
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00:22 05.06.2018
Der fehlende Niederschlag lässt die Erdbeeren auf den Feldern von Gudrun Sießmeir vergleichsweise klein bleiben. Quelle: Mario Jahn
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Erfurt/Altenburg

Statistisch auf zwölf Monate geblickt, sei das Frühjahr 2018 nicht zu trocken. Auf die vergangenen vier Wochen fokussiert aber schon, erklärt Horst Sprossmann vom Thüringen Forst auf OVZ-Anfrage. Dementsprechend könne auch noch nicht von einer besonders brenzligen Situation gesprochen werden, was sich nicht zuletzt in der aktuell in Ostthüringen geltenden Waldbrandwarnstufe drei spiegelt. Waldbrandwarnstufe drei bedeute für sein Amt eine erhöhte Informationspflicht, für die Bürger aber nichts. „Der Wald kann weiterhin betreten und ganz normal genutzt werden“, so der Sprecher der Forstbehörde. Abgesehen davon verweist Sprossmann auf das ganzjährig in Thüringen geltende Rauchverbot in Wäldern.

Borkenkäfer profitieren von der Trockenheit

Wer im heimischen Garten einen kleinen Nadelbaum stehen hat, weiß, dass die Bäumchen gerade in Frühjahr schnell vertrocknen, wenn sie nicht genug Wasser bekommen. Im Wald stellt sich die Situation jedoch nicht so drastisch dar. „Aber natürlich leiden auch die Waldbäume gerade unter Trockenheitsstress“, bestätigt Sprossmann.

Das schwächt die Abwehrkräfte, macht die Bäume leichter für Schädlinge anfällig. Das Wetter der vergangenen zwei Monate sei zudem ideal für den Borkenkäfer gewesen, der 2018 rund vier Wochen früher als sonst ausschwärmte, weshalb es laut Sprossmann in diesem Jahr vor allem in Fichtenbeständen große Probleme mit den Käfern beziehungsweise deren gefräßigen Larven gibt.

Der Spargel gedeiht, die Erdbeeren schwächeln

Ungünstig, aber längst nicht dramatisch – so ist auch die Einschätzung von Landwirten im Altenburger Land. Jedoch seien die Früchte der Erdbeeren des Landwirtschaftsbetriebes Sießmeir in Gimmel in diesem Jahr recht klein, weil für deren Wachstum eben das Wasser fehlt. Doch ein Problem für den Betrieb sei das natürlich nicht, betont Seniorchefin Gudrun Sießmeir.

Wenn sich solche Wetterextreme mehrere Jahre wiederholen und verstärken würden, dann müsste der Betrieb selbstverständlich über Alternativen im Anbau nachdenken. „Aber mein Mann, und der ist schon 81 Jahre alt, meint immer, trockene Frühjahre hat es auch in der Vergangenheit hin und wieder gegeben“, so die über 70-Jährige.

Für den Spargelanbau sei der Wassermangel sogar gut. „Um die Pflanzen auf dem Feld trocken zu halten, decken wir sie sogar ab“, sagt Seniorchefin Gudrun Sießmeir und erzählt: Beim Stechen würden die Erntehelfer in einer handbreit Tiefe Erde vorfinden, die noch knetbar ist.

Bewässerung lohnt nicht mehr

Das liege daran, dass der Boden des Altenburger Landes ein hervorragendes Wasserhaltevermögen hat, erläutert Doreen Rath, Geschäftsführerin der Agrar T & P Mockzig. Unter anderem diese Eigenschaft hat den Bauern oder Malchern seit jeher gute Ernten gesichert. Und auch Rath rechnet momentan noch nicht mit Ernteausfällen. „Der Raps hat wegen der frühen Trockenheit tief gehende Wurzelen ausgebildet, Weizen und Gerste bekommen gerade zu wenig Wasser. Aber was sollen wir uns über das Wetter aufregen? – Es ist, wie es ist“, sagt die Landwirtin, die weiß, dass Berufskollegen in anderen Regionen wirklich Probleme mit dem Ausbleiben der Niederschläge haben.

Eine großflächige Bewässerung wie etwa in den 80er-Jahren komme zumindest in der Mockziger Agrar GmbH nicht in Frage. „Das lohnt sich heute finanziell überhaupt nicht mehr. Der Aufwand ist so groß, dass dann unsere Produkte so teuer würden, dass sie keinen Markt mehr finden“, erklärt die Agraringenieurin. Es sei eigentlich in der globalisierten Welt ganz einfach: Alles, was in Deutschland nicht wächst, wachse eben woanders und wird dann importiert. Dazu komme, dass die landwirtschaftlichen Bewässerungsradlinien hier zu DDR-Zeiten auch deshalb zum gewohnten Anblick gehörten, weil im Altenburger Land damals andere Früchte, vor allem viel Obst und Gemüse angebaut worden, wofür mehr Feuchtigkeit benötigt wurde.

Von Jörg Reuter

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