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Fräger sucht Fehler und Investoren

Fräger sucht Fehler und Investoren

Nach dem Insolvenzantrag läuft bei der Fräger Antriebstechnik GmbH in Altenburg die Suche nach Fehlern und Investoren. "Wir sind momentan am Ermitteln, was die Ursache ist", sagte der als Geschäftsführer eingesetzte Rechtsanwalt Carsten Koch gestern auf Nachfrage.

Fest stehe bisher nur, dass die ganze Firmen-Gruppe mit den Nachwehen der Automobilkrise zu kämpfen habe, es daneben aber auch interne Probleme gebe. Betriebsbedingte Kündigungen schloss er bis 30. September aus.

 

Dass Koch und seine zehn Kollegen der Kasseler Kanzlei Westhelle und Partner, die sich um die Insolvenz der im nordhessischen Immenhausen und Altenburg ansässigen Fräger-Gruppe kümmern, die Sanierung schaffen, hält der 40-Jährige für möglich: "Altenburg ist von der Ausstattung und der Situation her nicht das schlechteste Unternehmen der Gruppe. Aber wenn die Kunden nicht zum Unternehmen stehen, wird es schwierig."

 

Nachdem am 4. Juli der Insolvenzantrag gestellt wurde (OVZ berichtete), ging es für Koch und Co. darum, Ruhe in die Firma zu bringen. "Lieferanten und Kunden sind verunsichert", so der Fachanwalt für Insolvenzrecht. "Wir haben aber die Versorgung mit Material abgesichert und auch die Löhne vom 1. Juli bis 30. September." Gelungen sei Letzteres durch das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit. "Deshalb wird es bis dahin keine betriebsbedingten Kündigungen für die 188 Mitarbeiter in Altenburg geben." Allerdings fordert die Agentur das Geld danach vom Unternehmen zurück.

 

Der Insolvenzverwalter gewinnt so Zeit, um Investoren zu finden. "Erfahrungsgemäß stellt sich diese Zeit aber als eher kurz heraus", sagte Koch. Es seien jedoch Aufträge vorhanden. "Wir fahren derzeit sogar Zusatzschichten, die Produktion läuft und die Mitarbeiter ziehen gut mit."

 

Eines schloss Koch als Ursache für die Pleite aus: die von Firmenchef Dirk Fräger im Frühjahr 2012 verkündeten Investitionspläne. Zwischen 15 und 25 Millionen Euro wollte er in eine Erweiterung der Produktion in der Skatstadt stecken. Die neue Halle sollte direkt gegenüber der jetzigen an der Leipziger Straße stehen. Der Hintergrund, so Fräger damals, seien mehrjährige Aufträge vor allem aus dem VW-Konzern.

 

Doch diese Pläne sind ad acta gelegt. "Es gibt Aufträge von VW und anderen Kunden, die eine Erweiterung gerechtfertigt hätten", erklärte Koch. "Solche Pläne bedürfen aber immer einer Finanzierung, die man nicht auf die Reihe bekommen hat." Bereits Anfang des Jahres hätten die Banken Anträge auf weitere Darlehen abgelehnt. "Und das nicht zu Unrecht."

 

Bereits während der Wirtschaftskrise 2008/09 hatte Fräger laut Insolvenzverwalter Verluste eingefahren. Damals stand nach Aussagen der Gewerkschaft IG Metall auch zur Debatte, das Werk in Altenburg zumindest zeitweise zu schließen. Das und daraus resultierende Kündigungen konnten aber durch Kurzarbeit vermieden werden. "Auch jetzt ist der Umsatz noch um ein Drittel niedriger als vor der Krise", so Koch. "Davon hat sich das Unternehmen nie erholt. Daneben gibt es aber auch interne Ursachen, die es zu analysieren und zu beheben gilt."

 

Bei der ebenfalls insolventen Altenburger Firma MDF GmbH und Co. KG, die Geräte und Maschinen verleiht, handelt es sich um eine reine Beteiligungsgesellschaft der Fräger Antriebstechnik. Daher hat sie auch keine eigenen Mitarbeiter.

 

Die Fräger-Gruppe ist seit 2004 in Altenburg und war zunächst auf dem Gelände der einstigen Textima beheimatet. 2006 folgte der Umzug an den heutigen Standort. Seitdem gab es hier zwei Expansionsstufen. Insgesamt investierte das Unternehmen rund 26 Millionen Euro in der Skatstadt. Heute ist Altenburg das Hauptwerk im Bereich Antriebstechnik und umfasst eine Fläche von 3,27 Hektar. Das Unternehmen, das auch auf Elektromobilität setzt, fertigt unter anderem Getriebegehäuse, Zahnräder sowie Antriebs- und Triebwellen.

Thomas Haegeler

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