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Altenburg Frank Hartmann im OVZ-Gespräch: „Der Flugplatz hat eine Zukunft“
Region Altenburg Frank Hartmann im OVZ-Gespräch: „Der Flugplatz hat eine Zukunft“
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14:49 06.10.2018
Frank Hartmann, Geschäftsführer des Flugplatzes Nobitz, verbreitet im Kaffee-Gespräch Zuversicht. Quelle: Kay Würker
Nobitz

Geht es um den Flugplatz Altenburg-Nobitz, gibt es seit Jahren vor allem ein Thema: die Zuschüsse, die Schulden, die ungewisse Zukunft. Die Gesellschafter der Airport-GmbH, allen voran der Landkreis, stecken aktuell jährlich rund 370 000 Euro in das Areal, um es am Leben zu halten. Doch lohnt sich das überhaupt angesichts knapper kommunaler Kassen und ohne die vor gut sieben Jahren eingestellten Linienverbindungen? Flugplatz-Geschäftsführer Frank Hartmann ist 2014 in Nobitz gelandet, als Ryanair schon lange abgeflogen war. Und ärgert sich seitdem immer wieder über Kritiker, die den Airport nicht als Wirtschafts-, sondern als reinen Kostenfaktor sehen. Es sind die Momente, in denen Hartmann auch schon mal bei der OVZ anruft und die mediale Darstellung des Flugplatzes beklagt. Die OVZ traf sich auf einen Kaffee mit dem 61-Jährigen.

In Nobitz ist der Jurist das Verteidigen leid

Frank Hartmann, das darf verraten werden, ist ein guter Kaffeetrinker. Das Koffein gibt ihm Energie, von der er wohl auch ohne Heißgetränk reichlich besitzt. Wortreiche Reden sind seine Sache, das Kämpfen für gesteckte Ziele ebenso. Immerhin ist der Leipziger im Hauptberuf Jurist, verhandelt unter anderem im Straf- und Wirtschaftsrecht für seine Mandanten. Doch in Nobitz, wo er mehrmals pro Woche in seinem Büro im Airport-Verwaltungsgebäude anzutreffen ist, ist er das ewige Verteidigen leid. „Ich wünschte, dieser Flugplatz würde auch von den Kritikern endlich mal als wichtiger Teil der Wirtschaftsförderung des Altenburger Landes gesehen und nicht nur am Zuschussbedarf gemessen“, sagt Hartmann. „Der Flugplatz hat eine Zukunft und ist eine Chance für den Landkreis, hier langfristig etwas zu bewegen.“

Altlastenbeseitigung beschäftigt bis heute

Das gelinge allerdings nicht von heute auf morgen, betont Hartmann und verweist – angesichts von Managementfehlern in der Vergangenheit – auf die Physik: Wer abheben will, muss Ballast abwerfen. Genau das sei sein Job seit Dienstbeginn 2014: Altlastenbeseitigung. „Als ich hier anfing, hatte der Airport rund eine Dreiviertelmillion Euro Darlehensverbindlichkeiten plus etwa 300 000 Euro sonstige Belastungen, wie etwa Rückforderungen vom Land und offene Rechnungen. Außerdem gab es einen Investitionsstau im Umfang von mehr als einer Million Euro.“ Hypotheken aus früheren Jahren, die sich bis heute im Zuschussbedarf niederschlagen, sagt Hartmann. „Allein 80 000 Euro wende ich dieses Jahr auf, um Darlehen nebst Zinsen zurückzuzahlen. Ich musste im großen Umfang veraltete Technik austauschen lassen, um den weiteren Betrieb zu sichern. Und ich bin noch nicht mit allen Altlasten durch. Deshalb wird der kommunale Zuschuss im Geschäftsjahr 2018 bei 370 000 Euro bleiben.“ Doch ab 2019, prognostiziert Hartmann, werde der Bedarf spürbar schrumpfen. „Ich gehe davon aus, dass ich es im Jahr 2022 geschafft habe: alle Schulden und Forderungen beseitigt, den Investitionsstau aufgelöst. Deshalb wird 2022 der Zuschussbedarf im Vergleich zu heute nachhaltig gesenkt sein.“ Konkrete Zahlen möchte er noch nicht nennen – die Aktualisierung des Wirtschaftsplanes sei gerade in Arbeit.

Ohne Zuschüsse wird es nicht klappen

Mit einer Erwartung räumt Hartmann aber schon jetzt auf: dass der Airport mal komplett ohne öffentliche Gelder auskommt. „Das kann nicht klappen. Auch anderswo werden Flugplätze mit Steuergeldern unterstützt – in deutlich höherem Maße als in Nobitz. Das wird in Kauf genommen, weil die umliegenden Kommunen von wirtschaftlichen Effekten der Airports profitieren.“ Genau das, so Hartmann, sei auch das Ziel für den Landeplatz Nobitz. „Die Zukunft dieses Areals liegt nicht im Linienflug, sondern in der Ansiedlung von Firmen und Arbeitsplätzen, die direkt oder mittelbar mit Luftverkehr in Verbindung stehen.“

Erste Beispiele dafür gibt es: den Luft- und Raumfahrt-Zulieferer Hutchinson Aerospace, eine Flugschule und die Flugzeugwerft. Das geplante Drohnenzentrum, versichert Hartmann, nehme immer konkretere Züge an. „Die Drohnen sind ein Wachstumsmarkt, da passiert in den nächsten Jahren einiges.“ Auf Wachstumskurs ist auch die Firma IAV, die das Airport-Areal für Tests im autonomen Fahren nutzt. IAV-Gesellschafter sind unter anderem die Konzerne VW, Continental und Schaeffler. „Die Einnahmen aus der Zusammenarbeit mit IAV haben jetzt erstmals die Gesamteinnahmen aus den Start- und Landegebühren übertroffen.“ Und das, obwohl auch das Starten und Landen in der Bilanz einträglicher geworden ist. „Die Zahl der Flugbewegungen ist 2017 zwar gesunken – auf etwas mehr als 8000 Starts –, aber die Zahl der Geschäftsflieger im Flugverkehr hat zugenommen“, erklärt Hartmann. Bei den größeren Jets – vor allem von Firmen aus dem Raum Chemnitz/Zwickau – schlagen höhere Gebühren zu Buche als bei den Freizeitpiloten. Einnahmenseitig geht es für den Airport also aufwärts. „Und mit einem professionellen Veranstalter wären auch wieder Großveranstaltungen wie Flugtage möglich.“

„Wir haben hier, was man anderswo selten findet“

Doch was macht Frank Hartmann optimistisch, dass der Flugplatz perspektivisch tatsächlich etliche neue Arbeitsplätze anzieht – und damit die Steuergeld-Zuschüsse rechtfertigt? „Wir haben hier, was man anderswo in Deutschland in dieser Kombination selten findet: eine vergleichsweise lange Landebahn, Anflugmöglichkeiten rund um die Uhr, selten Nebel, außerdem Entwicklungsoptionen durch freie Gewerbeflächen und unbewohntes Gebiet ringsum. Und das ist noch nicht alles. Es laufen regelmäßig Gespräche mit interessierten potenziellen Investoren. Und ja, es sind auch schon viel versprechende Deals geplatzt. Aber Wirtschaftsansiedlungen funktionieren nun mal nicht ohne Geduld.“

Kunstflüge werden dokumentiert

Stichwort unbewohntes Gebiet: Darüber scheiden sich die Geister. Gerade erst gab es Zoff, weil sich ein Anwohner in Kotteritz und ein Naturschützer über Fluglärm speziell von Kunstfliegern überm Leinawald beschwerten (die OVZ berichtete). Im Fokus der Kritiker ist vor allem die Kunstflugbox über dem Wald – ein genehmigter Luftraum, in dem solche Flüge mit Einschränkungen stattfinden dürfen. Frank Hartmann hält diesen Ärger für ungerechtfertigt. „Den Zusammenhang, dass Vögel durch den Luftverkehr vertrieben werden, sehe ich nicht. Laut Nabu geht die Zahl der Brutpaare deutschlandweit zurück und das hat diverse Gründe.“

Sämtliche Kunstflüge, die in Nobitz starten, würden am Airport dokumentiert, mit Start- und Endzeit. Die Gesamtdauer aller Flüge im September betrug laut Aufzeichnung dreieinhalb Stunden, im August waren es 48 Minuten, im Juli etwa eine Stunde. „Was wir nicht verzeichnen, sind die Kunstflieger, die anderswo starten und landen und nur kurz zum Üben hierher kommen. Aber auch deren Flugzeiten betragen in der Regel nur 10 bis 20 Minuten. Und vor rund zehn Jahren, als Seeadler und Schwarzstorch noch da waren, gab es ja auch noch Ryanair.“ Die Zahl der Flugbewegungen damals: etwa doppelt so viele wie heute. Hartmanns Fazit: „Wir sind hier keine Bösewichter.“

Von Kay Würker

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