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Altenburg Freimaurerei in der Karikatur – da lacht nicht nur der Logenbruder
Region Altenburg Freimaurerei in der Karikatur – da lacht nicht nur der Logenbruder
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16:33 07.02.2017
Eine der Karikaturen, die derzeit im Altenburger Schlossmuseum zu sehen sind – gezeichnet von André Poloczek aus Wuppertal. . Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Wenn ein Mann an der Theaterkasse einen Logenplatz verlangt, dann muss er nicht mit Notwendigkeit ein Freimaurer sein. Wenn ein Mann am Ostseestrand im Adamskostüm eine Sandburg baut und allen Ernstes behauptet, er sei ein Freimaurer, so kann das durchaus der Wahrheit entsprechen. Über Freimaurerei darf man sich durchaus lustig machen – in Wort, in Bild und auch in Karikatur.

„Die Freimaurerei in der Karikatur“ nennt sich die neue Sonderausstellung im Altenburger Schlossmuseum, die am Sonntag eröffnet wurde. Die Vernissage war schon einmal ein Volltreffer. Sehr viele Besucher waren gekommen, auch von sehr weit her. Ein gut gelaunter, humoriger Kurator Michael Rother hielt eine Rede, bei der mehrfach gelacht werden musste. Hinzu kam eine gute Hängung der Arbeiten von 41 Zeichnern und ein Katalog zum kleinen Preis, der wegging wie Speiseeis an einem heißen Sommertag.

Anlass der Ausstellung ist der 275. Jahrestag der Gründung der Altenburger Loge „Archimedes zu den drei Reißbretern“ am 31. Januar 1742. Die Ausstellung entstand jedoch schon 2011 anlässlich des Gründungsjubiläums der Hamburger Loge. Die ist ein Projekt von Pegasus, dem Freimaurerischen Verein für Kunst, Kultur und Kommunikation. Zu sehen waren die Karikaturen bisher neben Hamburg noch in München, Nienburg und Fürth.

Der Altenburger Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) sagte in seinem Grußwort, dass sich das Schloss mit dieser Ausstellung Dingen öffne, die außerhalb des Ausstellungsfokus liegen würden. „Dies bringt neue Besucher in das Schloss“, so das Stadtoberhaupt. Die Ausstellung sei auch als kleiner Dank der Stadt Altenburg an die Freimaurer zu verstehen. Denen wünschte er eine gute Perspektive.

Auch Landrätin Michaele Sojka (Linke) hob in ihrer Rede den großen Wert der Freimaurerei für die Gesellschaft hervor. Sie erinnerte daran, dass zahlreiche Vereine aus den Reihen der Freimaurer hervorgegangen seien, die auch heute noch kulturell auf den ganzen Landkreis ausstrahlen.

Anstehen für eine Widmung im Ausstellungskatalog: Kurator Michael Rother (Bildmitte) hatviel zu schreiben Quelle: Klaus Peschel

Die gezeigten Karikaturen sind alles Originale. Aus Platzgründen sind nur 70 Arbeiten zu sehen. Eingereicht wurden doppelt so viele. Die Mehrzahl von ihnen ist eigens für dieses Projekt entstanden. Sozusagen als Auftragswerk. Im Katalog sind alle zusammengefasst. Die Verschiedenheit der Handschriften lässt keine Monotonie aufkommen. Die Abwechslung in den Sichten auf die Freimaurerei machen sowohl Ausstellung als auch Katalog interessant.

Da gibt es das Surreale in der Karikatur. Beispielsweise bei Erik Liebermann. Einer streicht auf einer Leiter sitzend die Decke mit schwarzen und weißen Quadraten. Er schaut nach unten, wo ein zweiter Mann schwarze und weiße Fliesen verlegt. Das eine geht in das andere über. „Ansichtssache“ heißt das Blatt.

Eine kleine Zahl von Zeichnungen zeigt berühmte Logenbrüder. Einstein mit den Insignien der Freimaurer auf der heraus gestreckten Zunge, Stresemann, Haydn und Mozart. Auch der Begriff Mozartkugel bekommt eine neue Erklärung. Über die Aufnahme in die Loge entscheiden die Kugeln. Der Karikaturist Peter Thulke lässt einen Mann fragen: „Haben auch bei Mozart die Kugeln entschieden?“ Die Antwort: „Daher auch: Mozartkugeln.“ Zur Sprachsatire gehört gleichfalls ein Blatt von Barbara Henniger. Zwei dunkel gekleidete Herren blicken auf die Baustelle der Hamburger Elbphilharmonie. Sagt der eine: „Noch sehr rau, der Stein – Harmonie in Vollendung ist nicht in Sicht!“

Es sind Karikaturisten von Rang und Namen, die sich an der Ausstellung beteiligen. Kurator Michael Rother kennt sie alle persönlich, hat sie angeschrieben und sogar erreicht, dass sich die Damen und Herren der zeichnenden Zunft honorarfrei über die Freimaurerei lustig machten. Rother bedankte sich in seinem Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung ausdrücklich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Altenburger Schlosses für deren Kompetenz. Möge diese durch zahlreiche Besucher honoriert werden.

Hintergrund

Am 30. Januar 1742 wurde in Altenburg die Freimaurerloge unter dem Namen „La loge aux trois planches à tracer“ gegründet, später nannte sie sich „Archimedes zu den drey Reissbretern“. Sie gehört zu den ersten zehn Gründungen in Deutschland. In den ersten Jahrzehnten trafen sich die Altenburger Freimaurer in Gaststätten und Privathäusern. Das Logenhaus am Johannisgraben wurde in nur zwei Jahren, von 1802 bis 1804, gebaut. Bis 1935 bestand die Altenburger Loge. Dann wurde sie durch die Nationalsozialisten aufgelöst, in der DDR blieb es dabei. Erst 2000 wurde die Loge wieder gegründet.

Von Klaus Peschel

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