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Freistaat will Teerwerk Rositz loswerden

Freistaat will Teerwerk Rositz loswerden

Das Land Thüringen will die Zuständigkeit für das ehemalige Teerverarbeitungswerk Rositz loswerden und diese zum 1. Januar 2013 an den Landkreis Altenburger Land übertragen.

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Aus der Luft kann man die Ausmaße des Ex-Teerwerkes Rositz sehen. Links liegt das Werksgelände, in der Mitte die Aschehalde und rechts daneben der Teersee "Neue Sorge".

Rositz/Altenburg. Von Marlies Neumann

Die Änderung der Zuständigkeit für das ehemalige Teerverarbeitungswerk zum jetzigen Zeitpunkt lehnt nicht nur Landrätin Michaele Sojka (49, Linke) ab. Auch der Rositzer Bürgermeister Steffen Stange (43, parteilos) spricht sich gegen die Pläne des Freistaates aus.

Die Übertragung der Zuständigkeiten ist laut OVZ-Informationen in einem Vertragswerk aus dem Jahr 1996 geregelt. Doch damals waren weder Dauer, Komplexität noch Kosten des Großprojektes Teerwerk zu überschauen. Da nach wie vor Handlungsbedarf auf der Aschehalde Fichtehainchen sowie beim verunreinigten Grundwasser besteht, hat sich das Landratsamt mehrfach ans Thüringer Umweltministerium gewandt und gegen die Übernahme der Zuständigkeit für eine der größten Umweltsünden im Freistaat interveniert. "Wir verfügen im Landratsamt weder über das Personal noch die fachliche Kompetenz, um das Großprojekt Rositz ab 1. Januar zu bearbeiten", betont Birgit Seiler, Fachbereichsleiterin Bau und Umwelt im Landratsamt, auf OVZ-Nachfrage. Bisher liege die Zuständigkeit beim Landesverwaltungsamt in Weimar, wo sich drei Mitarbeiter nur mit Rositz beschäftigen. Dort würden auch 140 Meter Akten zum Teerverarbeitungswerk lagern, die ins Altenburger Land sollen.

Völlig überraschend sei im August dieses Jahres erstmals von Vertretern des Umweltministeriums erklärt worden, dass von der Aschehalde Fichtenhainichen, auf der es noch fünf kleine Teerseen gibt, keine Gefahr für Grundwasser oder Menschen ausgehe, berichtete Seiler weiter. Tiefgründige eUntersuchen dazu seien ihr allerdings nicht bekannt. Und auch für das Grundwasserproblem seien keine Maßnahmen angedacht. "Vor allem im Bereich Schelditz ist aber das Grundwasser mit rositztypischen Schadstoffen wie Phenolen und Ölen belastet", erklärt Stefan Gerth, Fachdienstleiter Gewässer- und Bodenschutz im Landratsamt, der befürchtet, dass diese Probleme heruntergespielt werden.

"Ich habe den Eindruck, als behandelt das Umweltministerium Rositz als einen kleinen Ölfleck, den man vergessen hat zu kommunalisieren", so Seiler, für die der Bericht der Rechnungsprüfer "ein Knaller zur rechten Zeit" war. Neben den vielen Problemen und Ungereimtheiten, die der Bericht offenlegt, sei für sie besonders die Feststellung wichtig gewesen, dass die Zersplitterung der Verwaltung als ein Grund für den Zeitverzug und die Kostenexplosion bei der Sanierung des Teerwerkes genannt wurde. "Mit der Übertragung der Zuständigkeit an das Landratsamt würde das noch viel komplizierter", schätzt sie ein. "Der Rechnungshof hat uns mit seinen Einschätzungen aus dem Herzen gesprochen."

Mit einem Wechsel der Zuständigkeit wäre der Landkreis jedoch nicht automatisch für weitere Maßnahmen in Rositz verantwortlich. "Wir müssten als Landkreis der Landesentwicklungsgesellschaft die Maßnahmen anordnen. Das ist jedoch nur möglich, wenn vorher geklärt ist, dass vom Land dafür das Geld fließt", erklärt Gerth. "Wir sind also wie ein zahnloser Tiger", meint die Fachbereichsleiterin.

"Wenn das Land hart bleibt und nicht einlenkt, ist mit Beginn des neuen Jahres nicht mehr gesichert, dass jemand zuständig ist für das Teerverarbeitungswerk. Es gibt keine Kontrollen mehr und keinen, der weitere Maßnahmen anordnet", befürchtet die Landrätin.

Alle bisherigen Argumente des Landkreises gegen die Übernahme des Teerwerk hatte das Umweltministerium nicht akzeptiert.

In ihrem jüngsten Schreiben an den Umweltminister Jürgen Reinholz (57, CDU) fordert Sojka angesichts der schwerwiegenden Erkenntnisse aus dem Gutachten des Rechnungshofes, dass das Großprojekt Rositz bis zum Abschluss der Sanierung beim Land verbleibt. Ebenso sieht es der Rositzer Bürgermeister.

-Kommentar Seite 13

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