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Freizeit-Historiker forschen seit 20 Jahren zur Hasag

Freizeit-Historiker forschen seit 20 Jahren zur Hasag

Altenburg (G.N.). Mit zwiespältigen Gefühlen haben die Mitglieder des Altenburger Geschichtsvereins auf die Ankündigung der Stadtverwaltung reagiert, nun doch die Vergangenheit des Hasag-Komplexes wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen.

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Wolfgang Böhm in der Ausstellung "Vergessene und verdrängte Jahre", die im Oktober in der Sparkasse zu sehen war und ab März noch einmal gezeigt werden soll.

Quelle: Mario Jahn

Das geht aus einer Stellungnahme des Vereins hervor, die der OVZ vorliegt.

 

"Wir freuen uns, dass der Oberbürgermeister die Ideen vom Altenburger Geschichtsverein aufgegriffen hat und damit der Vereinstätigkeit Anerkennung zollt, die von jahrelanger Forschungstätigkeit geprägt war", heißt es in dem Papier. Verärgert sind die Freizeitforscher allerdings, dass der OB in seiner Presseerklärung zum Vertrag mit dem Jenaer Historiker Marc Bartuschka den Eindruck erwecke, die Bürger und speziell der Geschichtsverein hätten bisher zu wenig für die Erinnerungskultur getan und er müsse jetzt die Initiative ergreifen, um die Hasag-Geschichte aufzuarbeiten.

 

Seit über 20 Jahren erforschen Historiker aus dem Altenburger Land jene Ereignisse, die sich im Zusammenhang mit einem der größten Rüstungskonzerne im nationalsozialistischen Deutschland, der Hugo Schneider AG (Hasag), abspielten, halten die Freizeitforscher dagegen. "Schon lange wissen wir, dass sich hier in Altenburg ein Außenlager des KZ Buchenwald befand, dass hier über 3000 Zwangsarbeiter aus vielen Ländern Europas unter unmenschlichen Bedingungen Munition herstellten, dass hier über 150 sowjetische Kriegsgefangene im Stalag IVB, dem ,Lazarett-Kauerndorf', unter grausamen Umständen starben, dass von hier aus Häftlinge in die Vernichtungslager geschickt wurden, aber auch nach der Hölle von Auschwitz-Birkenau im Hasag-Werk Altenburg eintrafen", heißt es in der Erklärung. "Von hier aus gingen die Todesmärsche in Richtung Waldenburg. Wir wissen über die besondere Rolle, die dieses Werk in Altenburg im Hasag-Konzern mit seinen Werken in Meuselwitz und Leipzig spielte. Wir wissen von Hasag-Werken in Polen, in denen Tausende Zwangsarbeiter starben und dass auch Altenburger zu den Mördern zählten."

 

Aufbauend auf eigenen Ideen und dem Entwurf eines Konzeptes zur Errichtung einer "Dokumentations- und Gedenkstätte Altenburg" werde nun eine dauerhafte Ausstellung angestrebt, erklären die Geschichtsforscher und versichern: "Die Orte der Erinnerung und des Nachdenkens werden gut gewählt werden. Wir freuen uns auf die Unterstützung durch Dr. Marc Bartuschka und Dr. Harry Stein."

 

Doch offenbar haben sich die rührigen Freizeitforscher mit diesem Drängen nach Aufarbeitung des unbequemen Hasag-Kapitels nicht überall beliebt gemacht. So wurde im Verein und seinem Sympathisantenkreis mit Verwunderung und Enttäuschung zur Kenntnis genommen, dass Vereinschef Wolfgang Böhm nun schon zum zweiten Mal bei der alljährlichen Neujahrsempfang-Auszeichnung verdienter Altenburger nicht berücksichtigt wurde. "Kann es sein, dass bestimmte Personen bewusst bekämpft werden?", fragt sich nicht nur Böhm.

Günter Neumann

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Von Redakteur Gabriele Neumann

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