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Frischer Look in Lucka: Meister Döhne macht Straßenkreuzer wieder flott

Frischer Look in Lucka: Meister Döhne macht Straßenkreuzer wieder flott

Eine weitere Industriebrache in der Stadt Lucka ist nahezu verschwunden. Über viele Jahre sorgten die ehemaligen Produktionsstätten des in der DDR bekannten Gänsehaut-Klebbandes für Unmut in der Bevölkerung.

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Herz für Oldtimer: Norman Döhne mit einem restaurierten US-Oldtimer vor seiner neuen Werkstatt in Lucka.

Quelle: Mario Jahn

Direkt an der Meuselwitzer Straße kurz hinter dem Ortseingang wucherten auf dem Betriebsgelände Brennnesseln, Disteln, Gestrüpp und Bäume. Dahinter verfielen die Werkhallen und die Eigentümervilla des 1898 gegründeten Unternehmens.

 

Doch inzwischen ist vom einstigen Schandfleck kaum noch etwas zu sehen. Und dass, was noch daran erinnert, verschwindet in den nächsten Wochen. Schließlich plant Eigentümer Norman Döhne, dort im Herbst seine neuen Geschäftsräume zu eröffnen. Seit etwa sechs Jahren verdient der 35-Jährige vor den Toren der Stadt in Nehmitz seine Brötchen vor allem mit dem Handeln und Restaurieren amerikanischer Oldtimer. Die Geschäfte laufen laut Döhne gut, und so fasste er den Entschluss, zu expandieren. "Ich bin Luckaer und mich hat das Gelände schon als Kind fasziniert", erzählt er. Im November 2013 kaufte er die verwilderte Liegenschaft und machte sich an den Umbau.

 

Wie seine neue Niederlassung einmal aussehen wird, ist mittlerweile schon gut zu erkennen. "Das ist der große Ausstellungsraum für die Fahrzeuge. Da hinten ist unsere 200 Quadratmeter große Werkstatt und hier entstehen die Aufenthaltsräume für die Mitarbeiter", erklärt der KFZ-Schlossermeister bei einem Rundgang über die Baustelle. Derweil kleben seine Leute die Fenster der Fassade ab, damit diese ihren endgültigen Anstrich erhalten kann. Etwa 1,5 Jahre Arbeit liegen hinter dem Jungunternehmer und seinem Team.

 

"Sie können es sich nicht vorstellen, wie es hier aussah. Es war am Anfang unmöglich, einmal komplett um die Gebäude herum zu gehen, es war alles zugewachsen und zugemüllt", so Döhne. Ein ähnliches Bild bot sich auch in den Gebäuden. Sie waren bis unters Dach voll mit Unrat. Teilweise Überbleibsel der früheren Produktion, aber auch Tonnen voller Holzreste, Kies oder eimerweise Asche. Über 40 Tonnen Müll hat Norman Döhne allein vom Dachboden der alten Halle entsorgen müssen, die zukünftig die erste Adresse in Sachen amerikanische Oldtimer in der Region werden soll. "Die Investitionssumme war aber gar nicht so hoch, weil wir viel selber machen", erklärt Norman Döhne. Ganz am Anfang habe er sich den Preis für die Dachdecke berechnen lassen. "Das war utopisch, für das Geld kann ich auch selbst die Handwerker einstellen, die die Arbeiten erledigen, und genau so habe ich es auch gemacht."

 

Während sein Bautrupp das neue Domizil herrichtet, läuft auch der KFZ-Handel weiter. "Ich muss ja schließlich Geld verdienen", meint der junge Mann. Und da hat er schon vor Jahren festgestellt: Oldtimer aus den USA einführen, diese aufarbeiten und weiterverkaufen, ist einträglicher als ein ganz normaler KFZ-Werkstattservice. Regelmäßig reist er deshalb in das Land der Musclecars, wie die PS-strotzenden US-Sportwagen der 50er-, 60er- und 70er-Jahre auch genannt werden, und sucht dort guterhaltene und/oder seltene Fahrzeuge. Etwa zehn Oldtimer pro Jahr importiert er und richtet sie für den Verkauf her. Selbstverständlich - das räumt er ein - eine Corvette "Stingray", ein alter Mustang oder Pontiac, am besten noch in der Gran-Turismo-Omologato-Variante, ist natürlich kein Auto für alle Tage.

 

Und auch das nötige Kleingeld muss man übrig haben. Denn nicht selten kostet so ein schmuckes "Spielzeug" an die 50 000 Euro. Doch viele der Käufer sehen die aufgearbeiteten Wagen als Wertanlage an. "Da ist auch etwas dran, denn mehr werden es nicht", findet Norman Döhne. Die Nachfrage ist da, manchmal kommen wir kaum nach", erzählt der Firmenchef. Seine Kunden aber stammen selten aus der Region. "Das nächste war jemand aus Bad-Lausick, der so ein Auto bei mir gekauft hat. Ansonsten leben die meisten meiner Kunden in den alten Bundesländern." Was aber kein Problem sei, denn seine Fahrzeuge werden zumeist über das Internet an den Interessenten gebracht.

 

In Lucka will er das Geschäft mit den Oldtimern ausbauen. Dazu sollen auch mindestens drei neue Arbeitsplätze geschaffen werden. "Es ist eine glück- liche Situation, wenn Leute durch private Investitionen Schandflecke im Stadtbild von Lucka verschwinden lassen", lobt Luckas Bürgermeisterin Kathrin Backmann-Eichhorn (parteilos) das Engagement Döhnes.

Jörg Reuter

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