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Frühstück mit Hindernissen

Frühstück mit Hindernissen

300 000 Euro stehen Thüringen für die Förderung des EU-Schulobstprogramms zur Verfügung, bei dem staatliche Grundschulen mit frischem Obst aus der Region beliefert werden.

Altenburger Land.

Laut Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit hat die Teilnahme seit dem Projektbeginn im Schuljahr 2010/2011 stetig zugenommen - nur im Altenburger Land nicht. Hier sind von einst 20 Schulen inzwischen sechs abgesprungen. Aus Sicht der Schulen liegt das Problem in der Logistik und dem fehlenden Personal, aus Sicht des Ministeriums bei den Schulen selbst.

 

 

 

Denn Geld allein reicht nicht, damit die Schulen das Projekt sinnvoll umsetzen. Trotz regelmäßiger Lieferungen und guter Produkte haben sich sechs staatliche Grundschulen im Altenburger Land dazu entschieden, aus dem Programm auszusteigen, darunter die staatliche Grundschule Meuselwitz und die staatliche Grundschule "Theodor Körner" in Großstechau. Gründe dafür sehen sie in der Logistik, aber auch im Zeitmanagement. Das Obst und Gemüse wird zweimal in der Woche im Naturzustand geliefert, sprich ungewaschen, ungeschnitten, so wie es gewachsen ist. Die Früchte und Salate dann auch noch anzurichten, stellt einen Extra-Zeitaufwand dar, so die übereinstimmende Meinung der Schulleitungen.

 

"Wir sind schon vor drei Jahren ausgetreten - da es zu viel Aufwand für die Lehrer war", sagt die Meuselwitzer Schulleiterin Dagmar Diewald. "Die Pausen gaben es zeitlich einfach nicht her, die Nahrungsmittel hübsch zuzubereiten und zu verteilen." Als Direktorin hatte sie sich anfangs zusammen mit Kollegen um das Projekt gekümmert. Doch sie habe auch noch eine Klasse und die anderen Lehrkräfte seien ebenfalls komplett ausgelastet. Außerdem hätten einige Eltern das Obstprogramm nicht toleriert. "Es kamen Eltern auf mich zu, die sich zum Beispiel über Kohlrabi beschwerten und mir sagten, ihr Kind sei kein Kaninchen", erzählt Diewald.

 

Ähnliche Probleme hatte die Grundschule "Theodor Körner" in Großstechau, die seit März 2012 nicht mehr am Programm teilnimmt. "Natürlich war das Programm an sich sehr gut, nur logistisch leider für uns nicht umsetzbar", sagt Direktorin Meike Siebert. Es hätten Arbeitskräfte gefehlt, die der Schule beim Zubereiten des Obstes und Gemüses helfen konnten, und auch die Eltern seien eher passiv gewesen. "Irgendwie hat sich kein Elternteil gefunden, das sich früh hingestellt und die Produkte zugeschnitten hätte. Allerdings würden wir sofort wieder einsteigen, wenn wir jemanden finden würden, der uns unterstützt", erklärt Siebert.

 

Hartmut Schubert, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit, sind solche Probleme allerdings neu. "Wir haben bisher von keinerlei Schwierigkeiten gehört", sagt der Gößnitzer SPD-Politiker, "Das Einzige, was von den Grundschulen bemängelt wurde, ist der bürokratische Aufwand des Programms, insbesondere bei den Abrechnungen."

 

Für Schubert ist das Zubereiten des Obstes und Gemüses für die Schulkinder eine Sache der Einstellung. "Eine gesunde Ernährungsweise so zu unterbinden, ist nicht gut und der Erfolg an anderen Schulen gibt uns ja recht. Schulen, die aussteigen, werden sofort ersetzt", so Schubert.

 

Am ersten September 2010 war das Programm zur Förderung des Verzehrs von Obst und Gemüse an Thüringer Grund- und Förderschulen gestartet. Von der Europäischen Union aufgelegt, hatte es im ersten Jahr 234 und im vergangenen Schuljahr 2012/2013 sogar 332 teilnehmende Schulen angezogen. Und mit den Schulen sind auch die Landesmittel beträchtlich gestiegen: von 12 243 auf 300 000 Euro.

 

Heike Barann, Schulleiterin der staatlichen Grundschule "Geschwister Scholl" Ponitz, freut sich weiterhin sehr über das Programm. "Wir haben das große Glück, einen lieben Hausmeister zu haben, der die Lieferungen jedes Mal annimmt, sich dann hinstellt und das Gemüse und Obst wäscht, schneidet sowie ansehnlich portioniert - schließlich isst das Auge mit."

 

Allerdings räumt auch sie ein, dass die Schule ohne Hausmeister ebenfalls Schwierigkeiten bekäme. "Es gäbe dann erhebliche qualitative Einbußen, da wir das Obst nur noch pur servieren könnten. Dennoch würde ich nicht aus dem Programm aussteigen, denn das ist wichtig für die gesunde Weiterentwicklung unserer Kinder."

 

Zusätzlich zum Schulobstprogramm des Landes hat die Stadt Altenburg für die Wilhelm-Busch-Grundschule und die Grundschule Platanenstraße das Projekt "Gesundes Frühstück" gestartet, dafür kleine Küchen eingerichtet und Personal bereitgestellt. Die in freier Trägerschaft befindliche Altenburger Rahn-Grundschule sowie die Känguru-Schule in Ehrenberg werden vom Landesprogramm nicht erfasst und organisieren eigene Obst-und-Gemüse-Frühstücke - auf eigene Kosten. © Kommentar

Olivia Jasmin Czok

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