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Für drei Jahre war für Altenburg der spanische Strand ganz nah

Serie Schlagzeilen aus 25 Jahre OVZ Für drei Jahre war für Altenburg der spanische Strand ganz nah

Am 1. März 2007 eröffnet die Billigfluggesellschaft Ryanair vom Regionalflughafen Altenburg-Nobitz neben London eine weitere internationale Linienverbindung. An drei Tagen pro Woche wurde Barcelona-Girona angesteuert. Drei Jahre später wurde die Linie eingestellt und wenig später das ganze Ryanair-Projekt beerdigt.

Das waren noch Zeiten: Mehrere Jahre startete der irische Billigflieger Ryanair vom Flugplatz Nobitz aus nach London und Barcelona.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg/Nobitz. Am 1. März 2007 eröffnet die Billigfluggesellschaft Ryanair vom Regionalflughafen Altenburg-Nobitz neben London eine weitere internationale Linienverbindung. Dreimal wöchentlich wurde der bei Barcelona gelegene Flughafen Girona angesteuert. Dienstags, donnerstags und sonnabends wird die aus Spanien kommende Maschine um 8.30 Uhr landen und um 8.55 Uhr zurückfliegen.

Mit der neuen Ryanair-Linie lag Spaniens beliebte Urlaubsregion über Nacht vor der Haustür der Altenburger. Sensationell. Mal eben zum Champions-League-Spiel von Barca? Lieber die Kunst eines Salvador Dali und Pablo Picasso im Original bewundern? Eher Sonnenbaden und dann in der Disco die Nacht zum Tag machen? Oder doch zu Fuß und per Mountain-Bike über einsame Gebirgsrücken und durch stille Täler streifen? All das war nun möglich.

Im Jahr zuvor hatte der belächelte Mini-Airport dafür seine Hausaufgaben gemacht. Die Start- und Landebahn war auf 1400 Meter saniert worden, verschlissener Beton weggebaggert, 30 000 Tonnen Asphalt neu aufgebracht. Kosten: 2,5 Millionen Euro. Doch auch nach dem Barcelona-Start musste der Airport ausgebaut werden. Weil der irische Billigflieger immer neue Linien mit immer mehr Passagieren ankündigte – und teilweise auch brachte – musste ein zweites Terminal her. Dafür und für den Ausbau von Pisten und Abstellflächen investierte die Flughafengesellschaft Altenburg-Nobitz (FAN) bis 2009 weit über drei Millionen Euro. Neben London und Barcelona kamen eine Zeit lang auch Linienflüge nach Edinburg und Alicante hinzu. Auf dem Höhepunkt des Projekts, in den Sommerflugplänen 2009 und 2010, gab es gleichzeitig drei Linien, die allerdings nicht alle täglich bedient wurden.

Doch der Anfang vom Ende der Nobitzer Höhenflüge deutete sich schon zur selben Zeit an. Der irische Billigflieger strich im Winterflugplan 2008/2009 die Verbindung nach Barcelona-Girona. Auch die täglichen Flüge nach London wurden reduziert: Im Winter hoben die Passagiermaschinen nur noch viermal die Woche ab. Die Barcelona-Linie fiel schließlich im September 2010 ganz weg, ebenso wie jene nach Alicante.

Dass die europaweite Fliegerei auch für den Kreis ohnehin ein Zuschussgeschäft war, trat immer mehr ins Bewusstsein der Kreisräte. Für 2010 beispielsweise stand ein Jahresverlust der Flugplatz-Gesellschaft von 566 570,20 Euro zu Buche.

Am 26. März 2011 startete ein Ryanair-Jet vom Leipzig-Altenburg Airport zum letzten Mal gen London, womit die letzte Linie gänzlich eingestellt wurde. Nach knapp acht Jahren wurde damit das Billigflieger-Projekt in Ostthüringen beendet. Europas Marktführer wechselte nach Cochstedt in Sachsen-Anhalt. 810 450 Passagiere wurden seit dem 1. Mai 2003 auf Fluglinien nach London, Edinburgh, Barcelona und Alicante befördert.

Die Nachwehen des gescheiterten Projektes spürt der Landkreis bis heute. Mehr als 70 Prozent der Investitionen flossen als Fördermittel vom Freistaat Thüringen. Einen Teil davon wollte das Land wiederhaben, weil angeblich gegen die Fördermittel-Richtlinien verstoßen und bei der Vergabe der Bauleistungen Fehler gemacht wurden. Der Streit landete vor Gericht. Der dort festgelegte Rückzahlungsbetrag belief sich auf 140 000 Euro. Flugplatz und jene Altenburger Kanzlei, die für die Fehler verantwortlich war, einigten sich schließlich 2016 vertraulich, wer den Schaden begleicht.

Das letzte Nachbeben aus dem Ryanair-Experiment wurde nun in dieser Woche beendet. 2014 war der ehemalige Airport-Chef gefeuert worden und hatte dagegen geklagt. Nachdem während des Prozesses von den Beteiligten zunächst jede Menge schmutzige Wäsche gewaschen wurde, kam es dann doch überraschend mit einem Vergleich zu einer gütlichen Einigung.

Von Jens Rosenkranz

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