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Altenburg Gärtnerei Staacke – Tradition seit 119 Jahre
Region Altenburg Gärtnerei Staacke – Tradition seit 119 Jahre
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04:06 29.08.2018
Am Marktstand der Gärtnerei Staacke aus Treben gibt es Blumen, Gemüse und Pflanzen aus eigener Produktion. Quelle: Jörg Reuter
Altenburg/Treben

Erdbeeren, die im August des Vorjahrs gepflanzt werden, tragen später die größten Früchte, heißt es. Die im September gesetzten Pflanzen tragen nur mittelgroße Beeren – und alles, was dann komme, könne man gleich vergessen, erzählt Bodo Rost, vertieft in die Regale voller Erdbeerpflänzchen am Stand der Gärtnerei Staacke auf dem Altenburger Wochenmarkt. Er sei spät dran, habe sich aber noch nicht entschieden, sagt der Altenburger hingerissen zwischen den neun Sorten im Angebot.

Tags zuvor hatte Christoph Staacke die Zöglinge in Treben herausgesucht und bereitgestellt. „Über 90 Prozent unserer Angebote stammen aus eigener Produktion“, ist dem Juniorchef der Gärtnerei wichtig zu betonen. Nur die Heide, die momentan Saison hat, sei nun gerade nicht selbst aufgezogen, so Firmenchef Holger Staacke fast peinlich berührt. Weil er kein Händler ist, sondern eine Zierpflanzen- und Gemüsegärtnerei betreibt, die rund zwei Hektar – teils Freiland, teils Gewächshäuser – bewirtschaftet. Wobei das Gros der Arbeiten im August erledigt ist.

35 Sorten Tomaten, 6 Sorten Kartoffeln

Dann heißt es vor allem ernten. „Wir haben in diesem Jahr allein 35 verschiedene Sorten Tomaten angebaut, sowohl zum Verkauf der Jungpflanzen als auch jetzt der Früchte“, sagt Staacke und pflückt eine der eiförmigen gestreiften Tomaten vom Strauch. Der Familienbetrieb setze beim Gemüseanbau auf Vielfalt und Sondersorten, um sich abzuheben, erklärt der junge Mann.

„Deshalb haben wir auch 6 verschiedene Sorten Kartoffeln im Angebot“, sagt Marlies Domscheit zu einer Kundin am Marktstand. Die Knollen hat sie tags zuvor aus der Erde geholt. Das sei der Nachteil, geben ihre Chefs zu, weil sich für die kleinen Anbauflächen keine Technik lohnt, muss in der Gärtnerei viel in Handarbeit erledigt werden. Viel zu tun also für die elf Leute Stammbesetzung, die zeitweise durch Saisonkräfte aufgestockt werden.

Weil sein Sohn in der Ferne gute Erfahrungen mit Marktständen gesammelt hatte, probierten sie es 2015 in Altenburg aus, wo die Gärtnerei seitdem zwischen März und Totensonntag immer Mittwoch und Samstag Blumen, Pflanzen und Gemüse anbietet. Nach einigen Jahren im Norden Deutschlands kam Christoph Staacke damals mit Meisterbrief in der Tasche zurück in den elterlichen Betrieb. „Da haben wir dann nach einer zusätzlichen Absatzquelle gesucht“, erzählt Vater Holger Staacke.

Tradition reicht bis 1899 zurück

Doch eigentlich ist die Wochenmarkttradition der Staackes älter. Sehr viel älter sogar, denn bereits Julius Staacke verkaufte dort seine Erzeugnisse. 1899 pachtete er die Rittergutsgärtnerei und legte damit den Grundstein des heutigen Familienbetriebs. Hauptaufgabe seinerzeit war in erster Linie die Versorgung der Gutsherren. Den Überschuss schaffte Julius Staacke damals mit dem Hundegespann nach Altenburg auf den Markt. „Das Geschirr haben wir noch. Ich habe auch mal versucht, es meinem anzulegen. Aber der mag das gar nicht“, erzählt Christoph Staacke lächelnd. In absehbarer Zeit wird er die Gärtnerei, zu der auch ein Geschäft in Regis-Breitingen gehört, dann in fünfter Generation leiten.

Damit dort, in Treben und natürlich am Marktstand der Nachschub nicht ausgeht, startet bei den Staackes in etwa drei Wochen die neue Saison. „Los geht es immer mit dem Setzen der Frühjahrsblüher wie Primeln und Stiefmütterchen“, sagt Holger Staacke und erläutert, dass dann winzige Pflänzchen in die Erde kommen, von denen ein Teil – der lizenzfreie – aus Samen selbst gezogen ist. Alles andere werde als Keimling eingekauft, in der Gärtnerei kultiviert und großgezogen. Im Laufe eines Jahres kommen so 15 Arten Frühjahrsblüher, über 60 Arten Beet- und Balkonpflanzen, 30 Arten Gemüse und 15 Arten Schnittblumen zusammen, die natürlich in zig verschiedene Sorten in den Gewächshäusern und auf den Feldern gedeihen, bis sie zum Beispiel in Altenburg auf dem Wochenmarkt landen.

Von Jörg Reuter

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