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Altenburg Galgenfrist für Rote Zora bis Jahresende
Region Altenburg Galgenfrist für Rote Zora bis Jahresende
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19:13 29.04.2013
Während Stadträte zur Sitzung gehen, fordern Jugendliche den Erhalt der Roten Zora. Quelle: Mario Jahn

Trillerpfeifen, Transparente, Sprechchor: Vor dem Rathaus macht ein Dutzend junger Leute seinem Unmut Luft. "Alternative Jugendprojekte statt städtischer Prestigeobjekte" und "Schluss mit lustig, die Zora bleibt" heißt es auf den Spruchbändern, "Wir sind die Zukunft, kommt endlich zur Vernunft" wird lautstark gefordert. Demo-Organisator, Tobias Scheibner, der sich in der Roten Zora um das Jugendcafé kümmert, drückt den Stadträten ein Papier in die Hand. "Keiner sagt uns, was wirklich mit der Zora passieren soll. Wir werden doch nur hingehalten." So drastisch wird in dem Flugblatt die Situation beschrieben, wie sie die jungen Leute seit der März-Stadtratssitzung empfinden. Damals waren auf Anfrage der Linken Pläne des Rathauses öffentlich geworden, die faktisch auf eine Schließung des Klubs hinauslaufen. OB Michael Wolf hatte angekündigt: Die Zukunft der Roten Zora müsse überdacht werden (OVZ berichtete).

"Wir haben ein sehr vielseitiges und schönes Haus mit attraktiven Angeboten", sagte Scheibner vor Beginn der Stadtratssitzung. "Wir wollen endlich genau wissen, was auf uns zukommt. Und wir wollen uns in diese Diskussion einbringen", forderte er. "Wir haben konkrete Vorstellungen, es gibt Künstler, die sich bei uns einmieten möchten und die uns helfen würden, die Kostensituation zu verbessern." Was wird aus den Jugendlichen, die sich hier regelmäßig treffen? Und wie funktioniert die mobile aufsuchende Jugendarbeit? Diese Fragen wurden dann auch von Tobias Scheibner, Ina Plöttner und Franz Rolle in der Einwohnerfragestunde gestellt. Er werde dem Stadtrat empfehlen, die Rote Zora, die zurzeit als stationäre Einrichtung betrieben wird, in eine Einrichtung der aufsuchenden mobilen Jugendarbeit umzuwandeln, stellte der OB unmissverständlich klar. Der Landkreis habe seinen Anteil an der Unterhaltung der Einrichtung von 1,75 auf 1,5 Stellen reduziert. Mit 1,5 Stellen sei eine sinnvolle Arbeit nicht mehr möglich, dafür ließe sich auch kein qualifiziertes Personal finden. Ende März habe die Stadt die Finanzierung der halben Stelle deshalb eingestellt. Die eine verbleibende Stelle, der Sozialarbeiter Rico Schwertner, sei für die aufsuchende Jugendarbeit notwendig.

"Wir müssen die Jugendlichen aufsuchen, die wir anders nicht mehr erreichen. Dort haben wir die größte Arbeit zu leisten", sagte Wolf. Dieses Konzept werde auch von Fachleuten favorisiert. Zudem führte er die nur noch geringe Nutzung der Zora ins Feld: "Es gehen nur noch ganz wenige hin. Drei bis fünf am Tag sind viel zu wenig, um eine stationäre Jugendeinrichtung vorzuhalten." Die Mini-Zora sei schon seit Juni 2012 ganz ohne Personal. Wie es mit dem Café und den Proberäumen weitergehe, "müssen wir sehen".

Diese vom OB gern als Evaluierung umschriebene Bestandsaufnahme des gesamten Rote-Zora-Komplexes soll bis 31. Dezember abgeschlossen sein, sagte er auf Nachfrage. "Wir müssen entscheiden, welchen Aufwand wir betreiben wollen." In diesem Zusammenhang verwies er auf die Brandschutz-Probleme wegen der fehlenden Fluchttreppe. Welche Investitionen hier 2014 getätigt werden sollen, müsse der Stadtrat entscheiden, über 100 000 Euro waren es in den vergangenen Jahren. Aber wenn die Einwohnerzahl kontinuierlich zurückgehe, müssten alle Angebote überprüft werden. Es sei die Verantwortung des OB, dazu Vorschläge zu machen. "Deshalb habe ich diesen Stein ins Rollen gebracht."

Auch in der anschließenden Fragestunde für die Stadträte war die Rote Zora Thema. Abgeordnete von Pro Altenburg und den Linken warnten vor einer Schließung auch mit dem Argument, dass es ohnehin kaum Chancen gebe, junge Leute in Altenburg zu halten. Wolf konterte, dass es nicht Aufgabe der Stadt sein könne, ein Jugendcafé "von 21 Uhr bis X" vorzuhalten, in dem vorrangig freitags und samstags junge Leute über 20 feiern könnten. "Mal sehen, was wir uns noch leisten wollen." SPD-Fraktionschef Nikolaus Dorsch erinnerte zudem daran, dass es vor allem der Landkreis gewesen sei, der in den vergangenen Jahren Jugendeinrichtungen schloss - in Schmölln, Gößnitz oder Dobitschen. Und was den Turm der Jugend betreffe, so sei "Altenburg so doof gewesen, ihn zwei Jahre in Eigenregie weiter zu betreiben, um ihn am Ende doch schließen zu müssen und den ganzen Ärger zu haben".

Günter Neumann

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