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Altenburg Gebrüder-Reichenbach-Schule feiert 130. Geburtstag
Region Altenburg Gebrüder-Reichenbach-Schule feiert 130. Geburtstag
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09:49 30.04.2018
Tag der offenen Tür zum 130. Geburtstag der Gebrüder-Reichenbach-Schule Altenburg: Dorian (in blau) und Jeramie aus der 5 Klasse zeigen den Besuchern einen Ballversuch. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Es herrscht Trubel am Sonnabend in den Gebäuden der Schule. Alle Räume sind geöffnet und laden Besucher ein, die Gebrüder-Reichenbach-Schule kennenzulernen. Während der Projektwoche haben alle Klassen Ausstellungen erarbeitet, die sie nun präsentieren. Von den Zielen der Klassenfahrten aus 130 Schuljahren über Präsentationen von selbst gestalteten Handarbeitsprodukten wie Stoffbeutel und Keramikkrügen bis hin zu Physikexperimenten bietet das Programm ein breites Spektrum. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Steinzeitbrot, Holundermarmelade und Bärlauchsalz kann gekostet werden. Eine Arbeitsgruppe war historisch unterwegs. Sie zeigten das Schulleben von 1888 bis 2018. „Ich finde es sehr erstaunlich, dass die Schüler damals von ihren Lehrern geschlagen wurden“, sagte Jurgen Krosi aus der 9. Klasse.

Enger Zusammenhalt unter den Schülern

Derzeit lernen 290 Kinder und Jugendliche an der Schule. Schulleiterin Jana Soeffing kennt fast alle Namen. „Uns ist ein gutes Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern besonders wichtig. Wir wollen Wohlfühlatmosphäre für alle schaffen. Das wird aber zunehmend schwieriger, weil wir kaum Klassen mit weniger als 25 Schülern haben“, sagt sie. Um den Zusammenhalt unter den Schülern zu stärken, arbeiteten während der Projektwoche Schüler aus verschiedenen Klassenstufen miteinander.

Ehemalige schwelgen in Erinnerungen

Es ist ein Fest der Generationen. Zum Jubiläum der staatlichen Regelschule zieht es Schüler aus den verschiedensten Jahrzehnten zurück in ihre Heimatstadt, um in Erinnerungen zu schwelgen. Rainer Mitschke ist einer der ältesten Reichenbachianer. Er wurde 1936 eingeschult. Heute ist er 89 Jahre alt und kommt gern an seine ehemalige Schule. „Ich hatte den einzigen Lehrer, der seine Schüler nicht geschlagen hat. Er war wie ein Großvater für uns“, erzählt Rainer Mitschke. „Beim Kopfrechnen machte die ganze Klasse begeistert mit“, so Mitschke weiter. Er wohnt noch immer in Altenburg.

Auch Frank von Olszewski erinnert sich gern an seine Schulzeit in Altenburg. „Ich bin ausgesprochen gern zur Schule gegangen. Unsere Lehrer waren sehr engagiert“, sagt von Olszewski. „In Altenburg ist meine Bildungsheimat. Meine Schulzeit von 1952 bis 1962 war eine Zeit äußerster und wunderbarster Prägung.“ Frank von Olszewski wohnt mit seiner Frau in Rostock und arbeitet als Autor. Die Verbundenheit mit ihrer Schule zeigen auch die aktuellen Reichenbachianer. Zum Tag der offenen Tür tragen sie gelbe T-Shirts mit Schullogo, die nur zu besonderen Anlässen angezogen werden.

Hochrangige Gäste beim Festakt

Zum Festakt kamen hochrangige Gäste wie Ministerpräsidentin a.D. Christine Lieberknecht. Sie sagte „Bildung geht uns alle an“ und verwies auf die wichtige Position von Schulen in unserer Gesellschaft. Schließlich gehe es darum, junge Menschen zu erziehen, die ihr Handwerk verstehen und über richtig und falsch unterteilen können. Mit ihren Ausführungen über das Leben der Gebrüder Reichenbach lieferte sie gleich Anregungen für die Theatergruppe der Schule.

Oberbürgermeister verspricht weitere Gelder für Modernisierung

„Wir sind stolz auf diese Schule“, sagte Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf. Sein Vater und sein Sohn seien selbst Reichenbachianer gewesen. Er versprach zudem, dass weitere Gelder für die Modernisierung der Schule von der Stadt Altenburg als Schulträger bereitgestellt werden.

Schulleiterin Jana Soeffing hat dafür auch schon Pläne. „Mein Traum ist für das alte Lehrschwimmbecken, in dem ab 1959 fast alle Altenburger das Schwimmen lernten, ein neues Konzept zu finden. Ein Rückzugsraum für die Schüler fehlt uns nämlich noch.“, sagt Jana Soeffing.

Die Schüler gestalteten den Festakt aktiv mit. Verkleidet und mit Requisiten nahmen sie die Gäste auf eine Zeitreise durch die vergangenen Jahrzehnte Schulleben mit. Die Breakdancer und Showtänzer, beides wird als AG am Nachmittag angeboten, sorgten mit ihren Darbietungen für tosenden Applaus.

Nach dem offiziellen Programm trafen sich die ehemaligen Reichenbachianer in der Brauerei, um zu feiern. Über 350 Anmeldungen gingen im Vorfeld bei der Schule dafür ein.

Harri Köhler, Abschlussjahrgang 1945

Harri Köhler ist 88 Jahre und somit einer der ältesten Gäste beim abendlichen Treffen der Reichenbachianer. Er sitzt am Tisch, schwelgt in Erinnerungen und freut sich, diese mit Gleichgesinnten teilen zu können. „Das war ein Traum, wir sind in die Schule gekommen und mussten uns vorstellen als kleine Stifte!“ Dabei hatte der kleine Schulanfänger Harri wohl bleibenden Eindruck hinterlassen, denn der damalige Rektor Schorch fragte ihn sogleich, ob denn sein Großvater noch lebte.

„Der Rektor und Großvater Köhler standen im ersten Weltkrieg Seite an Seite und einmal hat mein Großvater dann den verwundeten Rektor in Sicherheit gebracht“, erzählte der Rentner stolz. Trotzdem war es auch eine harte Zeit: „Damals herrschte noch Zucht und Ordnung. Wenn man nicht spurte, setzte es Hiebe oder eine Portion Dresche.“ Doch die positiven Eindrücke würden überwiegen.

Nach der Schulzeit wurde Harri Köhler als Luftschutzhelfer eingesetzt. Dann lernte er Bäcker in Altenburg, legte später sogar noch sein Abitur ab und machte daraufhin seinen Ingenieur. Heute wohnt er immer noch in Altenburg. Er hat viel gesehen und erlebt, bleibt aber seinen Anfängen in der Reichenbach-Schule stets verbunden, wie man am Abend der Abschlussjahrgänge sehen konnte.

Brigitte Reichhardt, Abschlussjahrgang 1976

Brigitte Reichardt und ihr Ehemann Stefan sind beide Reichenbachianer. Sie sitzen am selben Tisch, haben die selben Freunde und feiern am zweiten Juni ihren 40. Hochzeitstag.

Aus vielen ehemaligen Schülern sind später Liebespaare geworden. „Ich habe damals in Altenburg gewohnt. Mein Mann kam – wie viele andere – aus den umliegenden Dörfern mit dem Bus zur Schule“, erzählte sie. Oft habe Brigitte als Teenager bei Freundinnen übernachtet, ist deshalb mit dem Bus mitgefahren, hatte ihren Stefan aber nie wahrgenommen. „Erst in den letzten drei Jahren waren wir in der gleichen Klasse. Und dann hat es irgendwann gefunkt.“

An die Schulzeit erinnern sich die beiden gern zurück. „Wir waren eine friedliche Klasse, aber auf den Klassenfahrten haben wir auch schon mal was losgelassen“, grinste die Reichenbachianerin verschmitzt. Viel zu verdanken sei dabei ihrer ehemaligen Klassenlehrerin Rosemarie Krüger. „Sie hat uns gut aufs Leben vorbereitet.“ Neben tollen Unterrichtsstunden habe man auch viel nach der Schule unternommen, soziale Kompetenzen erworben und eine schöne Zeit verbracht. Kontakte werden heute gepflegt. Und das aller fünf Jahre stattfindende Klassentreffen des 1976er-Jahrgangs ist ein Muss für das Ehepaar!

Ramona Suchland, Abschlussjahrgang 1978

Über 500 Kilometer ist Ramona Suchland in die Altenburger Brauerei gependelt, um beim 130. Jubiläum der Reichenbach-Schule mitzufeiern. In erster Ehe war die gelernte Krankenschwester mit einem Reichenbachianer verheiratet. Mittlerweile lebt sie in Bad Trassenheide. „Ich bin jetzt da gestrandet“, witzelt sie über ihren Kindheitstraum, an der Ostsee zu leben.

Viel herumgekommen scheint die 56-Jährige zu sein. In Meuselwitz geboren, in Rositz aufgewachsen und mit Beginn der Schulpflichtigkeit nach Altenburg gezogen: So begann der Streifzug von Ramona. „Ich habe schon in einigen Städten Deutschlands gelebt, zum Beispiel in Heidelberg“, berichtete sie. Ihr absoluter Traum sei es aber schon immer gewesen, an der Ostseeküste zu wohnen. Dieser sei in Erfüllung gegangen, als sie ihren Gatten aus Zinnowitz kennengelernt habe.

Doch egal, wo die ehemalige Reichenbachianerin gelebt hat: Ihre Heimat hat sie nie vergessen. „Ich komme jedes Jahr mindestens ein Mal nach Altenburg“, erklärte sie. Zumeist sei dann sogar das jährliche Klassentreffen der Grund für die weite Anreise. „Die Verbundenheit zur Reichenbach-Schule ist bei allen Ehemaligen sehr ausgeprägt, weshalb auch das Jahrgangstreffen so viele anlockt.“

Thorsten Rolle, Abschlussjahrgang 1974

Einer, dessen Familie einen ganz anderen Reichenbach-Rekord hält, ist Thorsten Rolle. Über mindestens drei Generationen tauchte der Name Rolle ganze 14 Mal in den Klassenbüchern der Schule auf. „Mein Vater und seine ganzen Geschwister, meine Geschwister und ich, wir alle waren Reichenbachianer“, zählt der 60-Jährige auf. Das da auch mal kuriose Dinge passieren, scheint wie vorprogrammiert.

„Einmal bin ich durch das Spitzweggäßchen von der Schule nach Hause gelaufen. Da grinste mir aus einem Gulli ein Heftauszug entgegen“, erinnerte Torsten sich. „Es war ein Hefteintrag von meinem Bruder. Der wollte den da versenken, damit er ihn nicht zu Hause vorlegen muss, und hat sich aber zu dumm angestellt.“ Natürlich hatte Thorsten ihn ordnungsgemäß mit nach Hause genommen. „Ach, so konnte man sich schon gegenseitig ärgern, aber dass ich den Zettel ausgerechnet finde...“, schmunzelte der Reichenbachianer in Gedanken versunken.

Nach dem Abschluss lernte der Altenburger Karosseriebauer, ging dann zur Armee und setzte später nochmal auf eine handwerkliche Lehre. Zum Abschlussjahrgangstreffen kommt er gerne, sitzt mit den Klassenkameraden am Tisch und verbringt einen gemütlichen Abend.

Von Lisa Gerth und Eva Anna-Lena Zorn

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